Trans Gran Canaria 2018 – The finally steps

Bereits 4 Wochen sind seit meinem letzten Atlantic Besuch vergangen. Erneut sitze ich in einem Flieger auf die rundeste der Inseln des kanarischen Archipels. Zeit und Gelegenheit, das bereits fast vergessene Laufwochenende (fast) über die (gesamte) Insel noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.

hier gehts zum bisherigen Geschehen

Die Nacht hatte ihre Magie verloren oder eher ihren Schrecken. Ich freute mich auf den hereinbrechenden Tag. Immer, während dieser langen Ausflügeleien. Startet man in die Nacht, nach einem ereignisreichen Tag wird es besonders anstrengend. Bereits nach wenigen Stunden fallen dir die Augen zu. Kaum verwunderlich, liegt man an gewöhnlichen Tagen ja um diese nachtschlafende Stunde im Bett und genießt den Schlaf der Gerechten.

Als ich die Lampe ausschalten konnte befanden wir uns auf dieser wunderschönen „Almwiese“. Keine Ahnung, wie soetwas aussieht. Aber so musste es sein. Ich hatte die Morgentoilette erledigt und folgte dem Saumpfad. Nie die Gipfel der vielen Hügel erreichend aber diese stets im Blick. Hinüber zu einer volountairbesetzten Kreuzung. Nun sollte pace gemacht werden. Ging es doch für die folgenden Kilometer oder dem folgenden auf einer Asphaltstraße entlang. Ich konnte endlich wieder planvoll laufen. Mann rechnete wieder (mal). Keine Unwegsamkeit verhinderte optimistische Zeitprognosen. Irgendwann, nach fühlbar endlosem Asphalt, ging es endlich wieder aufs Geröll. Endlich 😉 Es wurde zügig Höhe verloren und irgendwann ging dann auch die Sonne auf. Wir stiegen einen Barranco hinab. Namen und Orte völlig gleichgültig. Schön war es hier, das Einzige was zählte an diesem Morgen. Den Sonnenaufstieg konnten wir an den rot braunen Felsen am Ende des Tals verfolgen, dessen Ende wir nicht erreichen sollten. Nicht, das wir es nicht gewollt hätten. An der Talsohle des (gefühlt) 30- minütigen Abstiegs ging wandten wir uns zur linken Talseite und kletterten zunächst einen Königsweg hinauf. Die Stöcke hatte hier gut zu tun. Das Atmen fiel schwer. Nicht nur mir.

Keiner überholte, keiner wurde überholt. Endlich waren wieder die anderen Ausflügler zu sehen. Wir hatten das Buschwerk verlassen und arbeiteten uns zum nächsten VP hinauf. Ein kleiner Panoramaweg, Höhe haltend, ließ die Fotogeräte klicken. Es war wunderschön hier, Samstag Morgen auf Gran Canaria. Ein Gefühl, das mich in dem bestätigte, was ich gerade tat.

Ein kleiner Weiler rückte ins Sichtfeld. Noch ein paar Stufen ging es hinauf und es war Shoppingtime. Immer wieder kehre ich gern ein. Zum Frühstück gab es heute eine Dose Cola. Klar, Bier wäre angemessen gewesen. Nach all den Strapazen der Nacht. Doch nein. Cola sollte es sein. Schnell wurden die Taler zu Dosen eingetauscht. Herrlich, wenn das eiskalte Getränk die Stirnhöhle erreicht. Alda war das kalt.

Wir folgte nun einer kleinen Straße. Zum laufen zu steil, zum wandern zu flach. Irgendetwas mittendrin brachte mich in schier endlosem Gesteige zum nächsten „Gipfel“. Meine Uhr zeigt fast exakt die errechnete Distenz zum nächsten VP, als dieser in Sicht kam. Ein kurzer downhill und wir erreichten den Rand eines kleinen Stauseen, wo die mit Speisen und Getränken bestückten Zelte auf uns warteten. Ein paar Mineraltabletten ließ ich in die Flasks fallen, das kalte Wasser färbte sich schnell rötlich, als es in die Behälter füllte.

Ich kann nicht sagen was und ob und etwas gegessen hatte. Weiter wollte ich, hinauf musste ich. Die nächsten 11 Kilometer sollten uns bis nach Artenara, dem angeblich schönsten Dorf Gran Canarias bringen. Endlich schlängelten wir uns durch den Kiefernwald hinauf. Die Sonne schickte sich an, ihre volle Strahlkraft zu erreichen. Dementsprechend schweißtreibend der Aufstieg. Irgendwann ein bekanntes Gesicht. Als ich Joachim überholte seine aufmunternden Worte, das wohl aus den 24 Stunden heute nichts würde. Jo. Was sagt man da. Irgend einen Spruch musste da schon los werden. Das baute auf, das zog überhaupt nicht runter. Naiiin.

Immer höher ging es hinauf. Schön anzusehen der Stausee, der immer vollendeter im „Rückspiegel“ erschien. Eine Straße wurde gequert. Und immer wieder ging es hinauf. Es nervte. Meine Augen schmerzten. Immer wieder riss ich sie auf. Was war los? Ich war ein wenig angemüdet. Klar. Irgendwo und -wie offenbart sich die Schwäche. Ich fand kein wirkliches Rezept dagegen. Erstmal zweifelte ich an mir. Lief mir Schweiß in die Augen oder was war los. Das Bufftuch zum Stirnband umfunktioniert schaffte kaum Linderung.

Ich musste weiter. Weiter nach Artenara. Wieder passierten wir eine Straße. Wieder folgte wir einem schmalen Pfad hinauf. Wieder dieses Augenspiel. Der Tamadaba-Nationalpark zeigte sich von seiner anstrengenden Seite. Einige Läufer, sitzend am Wegesrand wurden passiert. Meine Aufstiegsgeschgwindigkeit war (gefühlt) unterirdisch. Dennoch überholte ich den ein oder anderen. Nein, nicht nur die sitzenden. . Auch die wenigen downhills machten das Fortkommen nicht komfortabler. Immer wieder zermürbten die kurzen Gegenanstiege. Psycho hatte die Oberhand gewonnen. Ich musste gegensteuern. Rezepte waren gefragt. Suchte ich danach?!

Endlich kam der Funkturm von Artenara in Sicht. Wir wechselten die Bergseite. Ich hatte wohl an die 2,5 Stunden seit dem Stausee gebraucht, bis wir endlich einen breiten Fahrweg erreichten, der uns in 2 Kilometern auf die Bergstraße brachte. An der Ampel kurz links und der VP war erreicht.

Pffff. Ein wirklich toller Fressstand erwartete uns. Ich ließ alles fallen. Sackte auf einen Stuhl und gucke erst mal ein paar Löcher in die Luft. Bis ich endlich die lecken Pancakes entdeckte, besser gesagt meine Nase entdeckte sie. Hmmm. Das war lecker. Ich aß und trank in Ruhe. Gönnte mir die erste lange Pause. Immer wieder gings zum Waffeleisen, die frischen Leckereinen ofenwarm abzugreifen. 66 Kilometer waren wir unterwegs. Es war wohl um die Mittagszeit. Auch Joachim erreichte meinen Stuhl und wir beschlossen (oder eher ich 😉 ), nach seiner Pause gemeinsam weiterzugehen. Mir ging es immer noch nicht wirklich gut. Die Augen schmerzten, Sekundenschlaf? Ich weiß es nicht mehr. Irgendsoetwas war es.

Irgendwann, wohl an die 20 Minuten hatte ich hier paussiert, sattelten wir die Hühner und sockten die Straße hinauf zum Messpunkt. Einen ganzen Kilometer sollte es dauern, bis die Außenwelt von unserer „Heldentat“ erfahren sollte, den VP Artenara erreicht zu haben.

Weiter ging es auf gut steigbarem Pfad, stetig Höhe gewinnen aus dem Ort hinaus. Die kleine Kirche mit seiner markanten Uhr war mir aus 2016 bekannt. Kurz nach sieben morgens (bei anderen Streckenführung) war ich im Jahr meiner ersten Langdistanz hier gewesen. Hatte seinerzeit den Sand aus den Schuhen gekippt. An den Weg konnte ich mich überhaupt nicht erinnert. Wie auch, war es doch fast Rabennacht, seinerzeit.

Heute war perfektes Wetter. Wir zwi Königskinder stiefelten den Berg hinauf. Die Serpentinen ließen wir weg und folgten der Direktissima. 😉 Bergziegen, wir 😉 Taten es den Vorläufern gleich.

Irgendwann übermannte mich wieder dieses Gefühl und ich musste telefonieren. Kurzes Update mit dem Heimathafen. Der Anruf versprach nichts Gutes. Wie bereits im Vorfeld angekündigt. Wenn ich anrufe, gehts mir schlecht. Was sagt man dann am anderen Ende er „Strippe“. Ich wollte es in Tejeda, nach 77 Laufkilometern entscheiden. Endlich hatten wir den Gipfel des ewigen Anstiegs erreicht und folgten nun einem wunderschönen Panoramaweg, der uns das gesamte Tal von Tejeda zu Füßen legte. Die Wetterscheide war passiert und es gab Sonne satt. Herrlich, hier und jetzt unterwegs zu sein. Kleine Wölkchen machten die geschossenen Fotos komplett.

Nur wenige Läufer waren noch unterwegs. Besonders hinter mir. Kam mir irgendwie bekannt vor. Letztes Jahr im August beim Aufstieg vom Col des Terrace am Lac Combal. Kilometer 77 scheint eine magische Zahl zu sein. Ich dachte nicht weiter darüber nach. Mein Mitläufer war mir davon gelaufen, abgehauen mit Ansage sozusagen. Wir hatten es so verabredet. Ich wollte sein finish nicht gefährden.

Ich prüfte den Waldboden, die getrockneten Nadeln am Wegesrand waren ein perfektes Kissen für eine Verschnaufpause. Noch vor dem Panorameweg genoss ich die phantastische Aussicht. Hatte wahrscheinlich hier mein Tagwerk bereits beendet. Am Ende des Panoramaweges lag das Cruz Tejeda. Auf Grund des tollen Wetters waren ausreichend Touristen versammelt, die tolle Aussicht zu genießen. Die Ausflugsesel hingegen langweilten sich. Zu wenig Kundschaft mit passendem Kleingeld oder Kleinkind unterwegs. Und dann noch diese Läufer. Die auch kein geeignetes Klientel darstellten.

Ich wechslte die Straßenseite auf Ansage des sperrigen, nein sperrenden Helfers und Tejeda kam in Sicht. Hier konnte wieder ungehindert des Straßenverkehrs gelaufen werden. Immer noch war das Tal in seiner ganzen Pracht zu sehen. Am Horizont bereits der Roque Nublo auszumachen. Fototime. Kilometer 82 sollte dort oben gescannt werden. Zunächst ging es nach Tejeda hinab. Der Ort, die heute mein Endziel darstellen sollte. Es war beschlossene Sache. 4 km vor dem Ort war klar. Ich konnte mich nicht weiter motivieren, noch einmal knapp 50 Kilometer incl. einer zweiten Dunkelphase unterwegs zu sein. Kaputt gelaufen … Ich werde alt. 😉

Ich genoss die nachfolgenden Kilometer. Sog die Landschaft auf, als würde es kein morgen geben. Ich fühlte mich mit einem Mal befreit und richtig gut, psychisch. Die Entscheidung, die ich für mich heute getroffen hatte, schien die richtige zu sein. Auf meinem Weg nach unten traf ich Joachim. Der zwischenzeitlich auch mal mit einem Zieleinlauf an meiner Stelle liebäugelte. Aber es gab bei ihm noch eine unbekannte Macht, die ihn am laufen hielt. Sein Ende der Telefonstippe war erbarmungslos 😉

Schnell noch mal in die Büsche, die hier Kakteen waren. Erleichtert folgte ich dem restlichen Weg nach Tejeda und sank zufrieden mit mir und dem erreichten auf einen Stuhl mit Platz an Tal und Sonne.

Ich verbrachte die restliche Zeit bis zum Ablauf des Cutoff, fast eine ganze Stunde brachte ich hier zu. Meine Laufpartner machte sich noch rechtzeitig auf den Weg. Mein Roadbook sollte ihm gute Dienste leisten bei seinem Finisch nach 29h54min. Sauber durchgekämpft, fighter!!!

Die Rückreise zum Ziel sollte sich als kleine Odyssee erweisen. Kurz nach 23 Uhr war ich dann in Maspalomas. Die Details erspare ich euch lieber. Schwieriges Thema für alle Laufbveranstalter, wenn man zwar Cutoff-Zeiten veröffentlich. Aber auf die Wahrnehmung der selben durch die Läufer etwas unvorbereitet ist 🙂 Vtl. mal beim UTMB.-Team nachfragen, wie man es perfekt hinbekommt. Preislich hat der TGC ja fast dessen Niveau erreicht 😉

Meine Lauftag endete nach knapp 77 Kilometern und knapp 17 h Laufzeit. 9000 Höhenmeter (kumuliert) hatte ich die Insel im auf und ab belaufen, bestiegen, bekrochen. Did not finished. Zumindest gab es keine medall und keine Weste. Traurig war ich trotzdem nicht. Zu schön und vielfältig die Erlebnisse, die ich in den vergangenen Stunden aufsaugen konnte. Drei Starts in Folge. Sicher sollte der Blick mal wieder in eine andere Richtung gelenkt werden. Solange es noch irgendwie geht.

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