Transvulkania 2019 – Superskyrace oder auch VerticalKilometer

Bereits im letzten Jahr ging es im schönen Monat Mail auf die Kanareninsel La Palma. Zu viele wunderschöne Erinnerungen verbinden sich mit diesem Fleckchen Erde, als das man von ihm lassen könnte.

Die Anreise erfolgtre eine Woche vor dem Mainevent. Ganze 11 Tage sollte ich das süße Leben mitten im Atlantik genießen dürfen.

Wie fast jedes Jahr zur Transvulcania-Zeit war auch dieses Mal Traumwetter vorhergesagt. Ich wählte für die ersten Tage die Hauptstadt Santa Cruz, vor der es täglich per Bus (2,60€ kostet eine Fahrt, egal wohin) zu den Laufzielen gehen sollte. Ab Mittwoch dann einen Mietwagen abholen und der Rumgurkerei waren Tür und Tor geöffnet. Somit war die Startnummernabholung am Nachmittag des Tages mit recht langer Anfahrt problemlos zeitlos.

Der Donnerstag dann der erste Raceday. Schnell noch ein paar Noteinkäufe erledigt, denn wieder mal lagen Teile der Pflichtausrüstung für den Ultra am Samstag zuhause sicher und trocken.

Ein Cervesa später am Strand von Tazacorte, dem Startort des VertikalKilometer hatte ich dann auch den Laufzwirn übergeworfen und stand am Start meines 4. Skyraces, wie man neudeutsch zu einem Rennen sagt, welches in nur 7,2 Kilometern von 0 auf 1150m üNN führt.

Ich hatte wenig Hoffnung, die Zeit vom letzten Jahr zu erreichen, von meiner persönlichen FKT aus 2014 reden wir nicht mehr. In diesem Läuferleben.

Hatte ich doch erst wirklich im Februar mit diversen zielgerichteten Läufen begonnen. Tempo kommt dabei immer zuletzt und auch was die bisher gelaufenen Höhenmeter anbetraf. Weit von dem entfernt, was man auf der höchsten Insel Europas (auf die Grundfläche gerechnet) in den Beinen haben sollte, stellt man sich an den Start der Klettertour entlang des Calderarandes.

Es geht los … hinauf, vor allem hinauf

Ich hatte die Startnummer 115 abgekommen. Irgendwo hatte ich in diesem Jahr schon mal diese Nummer? Egal. In jedem Fall eine Glücknummer. Gestartet wird der Wettbewerb von der höchsten zur niedrigsten Nummer. Somit startete der erste Punkt 1700. Alle weiteren sollten jeweils im 30 Sekunden Abstand folgen. Bereits nach 500 Metern hatte mich der erste eingeholt. 17:37:30 Uhr war ich losgerannt. Ruhig Brauner, tröstete ich mich. Der Weg ist noch weit und das Laktat in den Beinen würde noch früh genüg das Füllvermögen der Muskulatur übersteigen. Die ganz steilen Passagen tippelte ich. Ansonsten, vom ersten euphorischen Kilometer mal abgesehen, war ein straffer Stechschritt angesagt. Den Körper weit nach vorn gebeugt, um den Körperschwerpunkt über die Beine zu bekommen. Damit keinen hinfällt die Hände auf den Oberschenkeln abgelegt. Zumindest bildete ich mir ein, die bestever Position eingenommen zu haben. Mal schauen, was dann die racepics zeigen.

Recht schnell hat man „the wall“ hinter sich gelassen, wie ich die ersten Serpentinen bis zum 1. Funkmast gern nenne, und folgt anschließend, nach nur 1,5 Kilometern dem Asphalt bis zum Mirador del Time, wo Kilometer 2,xx erreicht wird. Ich verzichtete auf viel Tippelei. Meine Beine dankten es mir nicht wirklich. Am ersten und letzten Süffelstand angekommen kippte ich erst mal 2 Becher ISO in den Körper, vielleicht würde das meine verlorenen Beine zurückbringen. Der Glaube stirbt zuletzt.

Keine 10 Sekunden später ging es der Betonpiste hinauf. Immer schön nach unten gucken. Denn diesen Anstieg will keiner sehen. Endlich mal ein bissl laufen und das angestaute Laktat loswerden.

Es ging wieder besser, nachdem die Muskulatur gelockert war. Recht schnell ist dann der 2. Funkmast erreicht. Irgendein Refugio ist auch in der Nähe. Was dann den (einzigen) downhill eröffnet. Meine Disziplin. Hinunter diesen gemauerten Steinplattenweg. Noch ein paar Freuenschreie in die Caldera gerufen und dann kam auch schon der erste von 3 Kletterberge. Hier ist das Krabbeln mit 4 Gliedmaßen wirklich hilfreich. Danach fingerte ich meine Softflak aus dem Unterhemd. Die festgeklemmte Position am Nacken hielt nicht wirklich lange vor. Zwischendurch startete ich dann auch meine zweite Laufuhr, was mir beim Start nicht wirklich gelungen war. Eine für die Distanz, Zeit und Puls und die andere mit allem was Höhenmeter heisst: Momentane Höhe, Anstieg, Abstieg, Steigung. Sicher macht einen das nicht wirklich schneller oder gar effektiver. Aber für die Kopf ist das natürlich super. An den Messeinrichtungen hat es dann später mal nicht gelegen, wenn man nach Ausreden sucht 😉 Ihr kennt das.

Nach 5 Kilometern war eine Stunde vergangen. Ich war sichtlich erfreut über das abgelieferte Tempo. Sicher tat das Wetter das seinige dazu. Bewölkter Himmel und angenehm kühle Temperaturen. Mittlerweile zählte ich die mich überholten nicht mehr. Immer mal wieder gelang auch mir dieses Kunststück. Unglaublich gut für die Psyche. Dann nämlich bist Du der Held vom Erdbeerfeld. 😉

Die letzten 2 Kilometer zogen sich, wie Kaugummi. Hatte ich Anfangs noch die Hoffnung, unter 1:30h das Ziel zu erreichen, musste ich mich dann doch von diesem Ziel verabschieden. Es wurde immer steiler, immer technischer. Ich hatte Freude daran, zumal ich keinerlei wirkliche Schmerzen verspürte. Bitte nicht falsch verstehen, Beine hatte ich trotzdem keine, aber die üblichen Verdächtigen wie Knie, Hüfte und seit neuestem die linke Wade versahen anstandslos ihren Dienst.

Endlich hatten wir diesen letzten Kletterberg hinter oder eher unter uns gelassen. Kack die Wand an, wie man so liest heißt es wohl.

Nach 6,5 Kilometern bogen wir endlich auf die GR131 ein. Spätestens hier war es mit der 1:30h (Wunschzeit, unterwegs erdacht) dann vorbei. Dennoch war ich wirklich super happy. Insgeheim hätte ich vor dem Start auch eine 1:45h als bestanden gewertet. Nun ging natürlich die Hetzerei los, 1:35h war meine angenommene Zeit aus dem Vorjahr und die galt es zu unterbieten. Jetzt wurde nur noch gelaufen. Nur noch 150 hm trennten mich vom Ziel. Karrenweg von der übelsten Sorte begleitete mich auf den nächsten 100 Höhenmetern. Viele Karren scheinen hier noch nicht runtergekommen zu sein, es sei denn der Raddurchmesser betrug 5 Meter.

Hoch, hoch, hoch. Ein paar Powerrufe später war ich endlich auf dem Betonweg. Was es aber auch nicht besser macht. Eigentlich mag ich ja das steile Bergauf geklettere. Meine Lunge spielte Balaleika. Unglaublich, dass ich überhaupt noch lief. Das Laktat musste mir doch bereits aus dem Mund laufen? Lauf, Forrest lauf. Ich ging ein paar Standardmantras durch, die auch alle funktionierten. Der Zielsprecher war zu hören.

Weit kann es nicht mehr sein. Noch einmal um diesen K…hügel und der rote Teppich war in Sicht. Als ginge es um den Gesamtsieg, so in trance rannte ich (glaube ich jedenfalls) über die Zielmatte. Wahrscheinlich schleppte ich mich armseelig wirkend durch den Zielbogen. Ihr kennt das, wenn man „neben sich herläuft“ und sich betrachtet.

Hilfe, ein Stuhl oder mich legts nieder. Da. Dieses Plasteding ist genau der Richtige und der erste in der Reihe meiner und ich schaffte es genau auf den ersten. Ich glaube, so heftig habe ich lange nicht geatmet.

30 Sekunden später, ich war wieder ansprechbar, gabs dann auch die Medaille. Vorher noch fix die Uhren stoppen. Egal. Einer wird schon zum richtigen Zeitpunkt meinen Zieldurchlauf erfasst haben: 1:33:50 Stand auf dem Display. Alder. Hier also war dieser Läuferhimmel, für heute.

 Offiziell war es am Ende eine 1:33:06, die ich bis zum Torre del Time gebraucht hatte. Nur eine gute Minute langsamer, als im letzten Jahr, wie ich jetzt weiß.

In jedem Fall hatte ich alles gegeben, was heute abrufbar war. Ich das war mehr, als ich erwarten konnte.

Der Beutel mit den Wechselsachen stand im Startareal, da das Schlafmützchen mal wieder zu spät mit einem Einkaufsbeutel vor Ort war. Na ja. Da ich ja schon von sonst wo meinen Beutel abgeholt haben, die Älteren werden sich erinnern (Kiosk in Los Llanos 😉 ) war das ja nun einfach.

Nachdem ich zwei Becherlein Zaubersaft getrunken hatte ging es auf gleichem Wege wieder hinunter. Nur dieses Mal mit einer Medaille in der Hand. So konnte ich hautnah miterleben, wie sich die Erstpatzierten ihren Sieg genauso hart erkämpfen mussten, wie wir Fachlandtiroler.

Knapp 60 Minuten später war ich wieder in Puerto de Tazacorte angekommen. Zumindest den Shuttlebus hatte ich locker 30 min abgenommen. Aber das ist ja ne andere Wertungskategorie.

Fortsetzung folgt in einem weiteren Blog. Da war ja noch ein Ultratrail zu laufen, zwei Tage danach.

 

Ergebnisliste des Veranstalters: Ergebnissse Transvulcania 2019 Kilometer Vertikal (offizielle website Veranstalter)