Unterwegs mit Yeti

Endlich war es da, das langersehnte Wochenende und gleichzeitig das letzte in MV.

Gestern hatte ich dann auch meinen letzten Lauf in der „Glasstadt“ an der Saale (in diesem Jahr). Auch dort hatte Väterchen Frost nicht mit Kälte gekleckert. 14 Grad unter Null verlangen schon die perfekte Bekleidung. Nach der nächtlichen Anreise und der kurzen Nacht hatte ich mir eine Rundstrecke ausgesucht, deren Länge nicht ganz klar war. Aber an die 10 km würden es schon werden, hoffte ich. Leider hatte ich meine(n) YETI bei Studiosi vergessen, sodass ich auf den ungeräumten Wegen mehr rutschte, denn lief. Kam ich dann mal auf ein „freies“ Wegstück, war die Umgewöhnung auf einen normalen (oder meinen ausgefeilten 😉 ) Laufstil doch sehr ungewohnt.

Nach 9,5 km war Schluss und die Erfrierungen ausgeblieben. Für einen Lauf im ruhigen Dauerlauftempo war der Astral dann scheinbar zu sehr mit Erhaltung der Körperfunktionen beschäftigt, sodass nur ein 5:40-er Tempo machbar war.

Heute nun der erste 20-er nach (fühlbaren) Jahren. Der ersehnte Schnee kam ja bereits am Freitag und so konnte ich die Maxfelder Waldrunde belaufen. Ich kann sie natürlich auch ohne Schnee, aber ist eben nicht so idyllisch, glaubte ich.

Das Frühstück fand heute zu einer normalen Zeit statt, sodass ich erst nach zehn in den Laufzwirn kam. Das Bimetall im Schlafzimmer zeigte -16 °C. Das ist schon knackig zum Laufen. Also „Oma“ auf die Rübe und doppelte Behosung. Auch die gestern vergessenen dicken „Lauf“-handschuhe waren Pflicht. Ein wenig zweifelhaft gestaltete sich die Schuhwahl. Ich gab aber dann doch den Cumulus 10 der Vorrang. Nicht, weil sie den Weg kannte und die Erfahrendsten im Laufschuhregal sind, auch ist die Benutzung der Spikes oder Schuhkralle (Modell YETI) sind sicher mit einem Verschleiß der Laufsohlen verbunden. Und da die Dämpfung heute auf dem Laufweg lag, durfen die Alterwürdigen auf die letzte lange Reise.

Nach 1,5 km war die Körpererwärmung abgeschlossen und das Wohlgefühl setzte ein. Leider kam jetzt ein mäßiger Wind von vorn hinzu, sodass ich die ersten „Verschweißungen“ an den tränenden Augen befürchtete. Bei km 3 war aber der Zauber vorbei und meine Augen hatten keine zusätzlichen Linse bekommen. Die Touristenhochburg Gülzow durchquerte ich auf perfekt beräumten Fußwegen, wie die Straße zuvor. Jedoch am Ortsausgang war Schluss mit Lustig und die Spikes mussten angelegt werden.

Das war dann doch schon ein anderes Laufgefühl. Ich hatte ja aber noch 16 km Zeit, mich daran zu gewöhnen. Der Wind blies mir in den Rücken, sodass ich problemlos bis zur B104 kam. Hier gabs einen Zwangsstop. Fahrzeuge unterweg. Nicht zu glauben. Seitdem ich hier jogge, ists mein erster Stop. Es bewegt sich was, im MV, könnte man glauben. Doch so wie  eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, macht ein ElKaWe auf der 104 noch keinen Aufschwung. Nach dem Asphalt gings rein in den verschneiten Winterwald. Die folgenden 3 einhalb km waren leider nicht so idyllisch, wie erträumt. Der doch sonst jetzt gute Weg war doch recht zerfahren und ich war gut beschäftigt, eine verletzungsfreie Linie zu finden. Kurz vor Maxfelde schlugs 20 und das Bergfest war eröffnet. Nun war Windjogging angesagt und ich erwartete den freien Blick auf die Windräder am Basepohler Schlag. Kurz vor Wüstgrabow wurde mir dann die Sicht freigegeben, aber richtig erkennen konnte ich die Windrichtung nicht. Aus Beschlagsgründen hatte ich meine zweiten Augen zuhause gelassen, denn die totale Vermummung geht leider mit einem Atem unter die Brillengläser einher. Aber alles war gut und als ich den Ort passiert, die YETIs endlich einpacken und nur noch 7 km vor mir hatte, war der Rückenwind da. Das war mehr als angenehm.

Jedoch konnte trotz strahlendem Sonnenschein kein rechte Freude aufkommen. Mein Herzilein punpte stetig im hohen 70-er Bereich und auch die 81% HFmax scheute es nicht. Im Gewerbegebiet Basepohl hatte mein Astral dann völlig auf „Fett umgestellt“. Jedenfalls gings ab der geschlossenen Schranke am Ortseingang Stavenhagens, ich musste meine Schuhkrallen wieder bemühen, doch recht beschwerlich weiter. Die folgenden 1000 m mit YETI und dem ungeräumten Trampelpfad waren recht nervig und ich war froh, dass das „Stadtholz“ und der weiterführende „Stadtholzweg“ schnee- und eisfrei waren. Tschüss YETI, ab in die Jacke und ich konnte normalen Fußes bis zur Weststadt laufen.

Für die 20,5 km war ich dann doch knapp 2 Stunden auf den Beinen. Dabei hatte ich auf sämtliches Doping verzichtet. Kein GEL und an Eiswürfeln war ich auch nicht interessiert. Also gabs in der Wohnung angekommen erst mal eine Druckbetankung.  Die Zaubertabletten aus dem Küchenschrank sind dann auch immer hilfreich. Mann, tat das gut. Das anschließende Bad war wohl das Beste, was mir seit langem passiert ist. Es war aber auch schweinekalt.

Somit endet dann auch heute mein Übergangstrainingsplan. Haken dran, abgearbeitet. Ab morgen gehts dann also „richtig“ zur Sache. Auf alle Fälle fühle ich mich gut und auch die Sehnen und Bänden (von der Kriegsverletzung am rechten Fuß mal abgesehen) haben bisher gut gehalten. Kunststück bei den doch recht geringen Umfängen.

Ich klopfe aber erst mal auf Holz. In der kommenden Woche gehts dann auch endlich mal wieder ins „Trainingscamp Oberelbien“. Hier werd ich dann auch mal die Strecke des Frühjahrsmarathons belaufen. Mindestens das erste Teilstück bis Wehlen, um mal ein Laufgefühl für die ersten Wellen zu kriegen.

Bis dahin, immer keine Handbreit Schnee unterm Laufschuh.