Trailrunning Kanaren advanced – Feinschliff für den MdS 2017

Wieder sitzt er in den engen Stuhlreihen. Wieder höher, als je ein Mensch klettern kann und wieder wird er verdammt lange Zeit haben, seinem favorisierten Hobby zu frönen.

Das Nagetier fliegt ins finale Trainingslager für das Highlight, was nach dem letzten und nach dem vorletzten und überhaupt kommt.

Die Rede ist von der Vorbereitung auf den „Marathon des Sables“.

Einem Mehrtages-Etappenlauf durch Teile der Sahara Marokkos. Alle Läufer haben sich lange vor dem Start angemeldet, das Budget eines Familienurlaubes, eines besonders guten, investiert um 10 Tage lang, völlig auf sich allein gestellt mit 1200 anderen Läufern aus der ganzen Welt unterwegs zu sein. Sie schlafen in offenen 8-Personen-Zelten in der Wüste. Morgens ums 6 Uhr wird die Behausung abgebaut, um an entfernter Stelle neu errichtet zu werden. Bis die Läufer dort eintreffen werden sie sich etwas zu Essen kochen, sich den Schlaf aus den Augen reiben und die Habseeligkeiten, die sie für die 10 Tage brauchen, in Rucksäcke gepackt haben. Diese werden sie auf Ihren Rücken nehmen und jeden Tag um neun Uhr bei bis zu 40 Grad Celsius, so die optimistischen Aussichten, zum neuen Zeltplatz verbringen. Dorthin zu laufen, zu wandern, zu kriechen, zu finishen. Unterwegs werden sie alle 15 km 1,5 Liter Wasser erhalten und ein paar Salztabletten. Hoffentlich enthält der Wochenrucksack die Wunschleckereien auch für den tagesgestaltenden Lauf. Auch eine Nachtetappe wird die Läufer 2 Tage beschäftigen. Ultra tut gut. Und meistens weh, so dabei. Aber … Ihr kennt es.

Haben sie dann nach Stunden das Ziel erreicht werden wiederum 3 Wasserflaschen gereicht, mit denen der Abend und der nächste Morgen gestaltet werden kann. Brauchst Du mehr, bekommst Du Strafpunkte. Brauchst Du zweimal mehr, darfst Du nach Hause fahren. Thats Marathon des Sables. Was es zu Essen und zu trinken geben wird, hat sich jeder Läufer vorher zuhause überlegt und in kleinen Tagesportionen in den Rucksack, den er am Abend (endlich) nicht mehr auf dem Rücken haben muss, gepackt. Ein Kocher wird aus dem Reisegepäck gekramt und in Gang gesetzt. Fertignahrung heißt das Angebot des Abends. Und wenn die Dunkelheit herein bricht … werden 1200 Wüstenläufer ihrer Schlafsäcke auf den „Teppichen“ im Berberzelt ausbreiten und hoffen, schlafen zu können. Möglichst wenig Steine unter dem Teppich zu haben und morgens sollten die Wunden des Vortages weniger Schmerzen. Die aufgequollenen Füße passen hoffentlich noch in die Schuhe?

Run-Wüstenfeeling-Eat-Wüstenfeeling-Repeat

… So das Motto der internationalen Verrücktheit in der marrokanischen Wüste. Und am Ende wird eine unvergessliche Woche hinter allen Läufern liegen. Erinnerungen, die ich momentan noch nicht greifen, sie mir aber bereits vorstellen kann. Die meisten werden den Lauf mit einer Medaille krönen. Diese Medaille möchte ich. Das finish. Jeden Meter gelaufen sein in dieser einzigartigen Landschaft.

Die Gedanken daran, mehr Vorstellung als realistisch als ich im Dezember 2015 auf den Anmeldebutton des „32. Marathon des Sables 2017″ klickte. Immer noch zweifelnd, als ich die erste (vorerst noch schmerzhafte) Rate an den Veranstalter überwies. Damals.

Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Du Zeit brauchst, Zeit, dieses Rennen vorzubereiten. Ich hätte nicht vermutet, dass es so viel Zeit kostet. Material sichten, recherchieren, testen. Verpflegung zusammenstellen, testen. Drei- bis Viertausend Kilokalorien sollten es für den gefräßigen Trailrunner schon sein. Das ist schwieriger als man glaubt, denn es gibt keine Option. Dann esse ich auswärts gibt es in der Wüste nicht. Was du in der Vorbereitung nicht bedacht hast, das merkst Du dann nach einem langen Lauftag oder erst mehreren. Mann ist keine 30 mehr und auch die 40 sind lange vollendet. Da wirst du umsichtiger, in dieser „menschenfeindlichen“ Umgebung.

Wie macht man möglichst wenig Fehler?

Und so reifte die Entscheidung, der finalen Vorbereitung mehr Zeit einzuräumen, als es die „Rundumsorglosläufe“ erfordern. Schnell entstand ein Plan, schnell wurde er geändert. Allmählich entstand dann das Konzept. Jetzt wird es umgesetzt. Es muss besprochen werden. Mit der Familie, mit dem, der dir die Brötchen bezahlt. Der Arbeitgeber gab sein go für ein „paar“ zusätzliche freie Tage.

Nun geht es also auf die Kanarischen Inseln. Die erste Woche werden wir gemeinsam auf unserer Trauminsel La Palma unterwegs sein. Immer wieder toll, wenn der Partner die Zeit mit dir teilen kann. Leider geht das in diesem Jahr noch weniger als sonst, denn auch die UTMB-Anmeldung wurde positiv beschienen und somit ist der zweite (schon zu kurze) Familienurlaub dem Laufhobby geopfert. Das Leben ist nicht planbar, das Läuferleben schon gar nicht, hast Du solche Events auf dem Schirm. Doch ich werde kürzer treten … vorgenommen ist es schon mal. Mann muss mal pausieren im persönlichen Laufzirkus.

Die Laufwoche auf der Isla Bonita ist eine auf sicherem Gebiet. Seit 2003 fahren wir regelmäßig auf die westlichste Insel im Atlantic. Wir kennen uns aus. Die Steine grüßen beim drüber laufen und bleiben auch liegen, wenn der trailrunner mal falsch drauf tritt 😉 Freunde fürs Leben J

Inselhopping heißt die Devise

Am Sonntag nächster Woche werde ich nach Gran Canaria fliegen, um ein wenig Berg ins Bein zu bekommen. Noch mehr, als es La Palma bieten kann?. Anderes … Bein. Ich hoffe, es wird schön warm werden und ich kann ordentlich schwitzen. Das ist es, was ich von den Kanaren erwarte. Am Ende dieser zweiten Woche werde ich die Insel beim Trans Gran Canaria (advanced) überqueren. Nicht ganz so ausführlich, wie noch im letzten Jahr. Ich spare mir die erste Nacht und damit auch den ersten Marathon. 5 Wochen vor MdS verkraftet mein Körper solch eine Anstrengung nicht mehr so ohne Nebenwirkungen. Leider. Also hieß es vernünftig sein und … Erst nach der Erinnerungsmail durch den Veranstalter, dass die Anmeldung nun zu finalisieren ist, habe ich auf die 82-km-Distanz gewechselt. Schwer, aber vernünftig. Hoffe ich?

In der letzten der drei Wochen fliege ich weiter nach Fuerteventura und werde mir das echte Sandwüstenfeeling holen. Sicher kann man es auch auf Gran Canaria tun und die Dünen von Maspalomas zur Spielwiese machen.

Der Nationalpark südlich von Corralejo erscheint mir aber passender. El Jable heißt der Ort aus dem die Wüstenträume erwachsen. Bereits in 2003 haben wir eine Woche dort verbracht. Undenkbar noch, dass ich mal mit 10 kg auf dem Rücken durch die Dünen laufen werde. Ich hoffe, der TGC lässt mir noch ein wenig Power in den Beinen, die 5 Tage auf der Ziegeninsel trainieren zu können. Ein ambitioniertes Laufprogramm? Ich glaube sinnvoll, um das Leiden in der Sahara so gering als möglich, vor allem aber im Griff zu behalten.

Der Reisekoffer ist voller Equipment. Neue Schuhe, Gamaschen, Fertignahrung. Vieles ist schon getestet und gesetzt, fest, einiges muss noch auf eigene Verträglichkeit geprüft und fixiert werden. Dazu braucht es Zeit. Neben dem Lauftraining, das ja eh ansteht und so angelegt sein muss, dass ich im August endlich einmal rund um den Mont Blanc komme. Den „UTMB“ nach dem Abbruch nach 31 Stunden im letzten Jahr finishen. Ein Spiel auf Messers Schneide. Ich möchte es gewinnen. Ich möchte vieles richtigmachen.

Ich werde berichten, von den Wochen auf den Kanaren. Momentan fliegen wir an der Küste Marokkos entlang. Das Kopfkino ist gerade aktiviert … Man liest sich.

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