Transvulcania 2015 oder Wie wird man Tripletransvulcanero

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Am Abend zuvor hatte ich mich dann doch recht zeitig noch einmal hingelegt. An Schlaf mit Sicherheit auch nicht wirklich zu denken. Doch der Wille allein zählt. Immer wieder schaute ich auf eine der beiden Smartphones, die ich mit der Weckzeit 2:00 Uhr beauftragt hatte. Die Uhren liefen noch. Es wurde halb zwölf als ich eine tiefere Schlafphase kam. Diese war dann halb eins wieder beendet. Und plötzlich war es zwei Uhr. Racetime und Zeit für das Vorstarterlebnis.

Start 2:50 Uhr im El Galeon in Santa Cruz

Start 2:50 Uhr im El Galeon in Santa Cruz

Essen hatte ich als Lunchpaket geordert. Schaffte aber nicht meine eine Schnitte „Schlabbertoast“. Aber fast. Lecker hingeben der Kuche und das/der Muffin. Ich kriegte nix runter. Den Saft traute ich mich nicht zu trinken. Reagiere ich ja immer empfindlich. Bananen und Joghurt wurde eingepackt. Im Startbereich würde es „langweilig“ genug werden. Da war jede Abwechslung willkommen.

Etwas zu „spät“ brach ich dann auf. Ich musste nur den Berg hinunter rollen und war am erhofften Abfahrtspunkt der Busse. Ich kannte nur die eine Post in Santa Cruz, die als benannter Treffpunkt in Frage kam. Dort musste es sein. So viele Unwegsamkeiten. Aber ich blieb ruhig. Blieb manana. Hier klappt das schon alles, irgendwie, irgendwann. Ich wollte in Spanien rennen, im Land der Verrückten, nicht zu Hause. Hier lief es so. Alles klappte perfekt.

Ich stieg als erster in den Bus. Saß gleich in Reihe eins. Hatte freien Blick auf Straße und Landschaft. Wobei es mit Landschaft, morgens um drei auf La Palma, nicht viel zu sehen gab. Im Bus war es schläfrig still. Einzige Erinnerung an die Fahrt, war eine riesige Baustelle, die mitten in der Nacht mit Bauleuten oder Polizisten beregelt wurde. Freie Fahrt für die Transvulcaneos sozusagen.

In der Höhle des Löwen

Schnell war Los Canarios erreicht. Die Baustelle war hier vorbei. Wir folgten der 10 Kilometer ins Vulcangestein hinein gebauten Serpentinenstraße von 700 Metern auf Null, zum Faro de Fuencaliente. Heute ging es nicht bis zum lighthouse hinunter. Der letzte halbe Kilometer wurde gewandert. GR 131 im Dunkeln. Nein, ich werde meine Stirnlampe nicht aus dem Laufrucksack kramen. Ich laufe im Lichtschatten der anderen. So dachten fast alle heute früh, kurz nach vier und so tappten wir dem hell erleuchteten Leuchttürmen entgegen. Es war wie immer windig aber dennoch recht warm, wie ich fand. Bereits in Santa Cruz zeigte das Thermometer 18°C. Im Vergleich zu den Tagen zuvor wo es morgens um sieben noch kühl war der unverhoffte Wetterumschwung. Das Saharawetter war garantiert für kommende Woche. Nein, ich hatte das Wetter nicht gecheckt. Mich auf andere verlassen und eine kühle Transvulcania erwartet. Dem würde nicht so sein. O.K, dann eben, wie immer, in den letzten beiden Jahren. 😉

Gänsehautfeeling ... es ist wieder soweit. Die Überschreitung der kleinen im großen Atlantik.

Gänsehautfeeling … es ist wieder soweit. Die Überschreitung der kleinen im großen Atlantik.

Am lighthouse angekommen fand ich eine relativ windgeschützte Stelle am Eingang, der sich immer wieder öffnete. Mit spanischer Gelassenheit ignorierte ich das Durchbegehren. Ich war unter Gleichgesinnten. Ich futterte meine Bananen, aß den Joghurt. Andere Wartende hatte kleine Plastikkisten mit Essen dabei. Meine Nachbarin aß Nudelsalat. Hmmm. Hätte gern mal gekostet 😉 Im nächsten Jahr habe ich auch Nudeln dabei. Ne riesen große Kiste …

Startberg

Startberg

Die Zeit verging recht schnell. Ich packte meinen Dropbag. Entschied dann doch die Powerbank mitzunehmen. Alles andere überflüssige kam in den orangefarbenen Beutel mit der „955“. Es standen Autos bereit. Ich fragte 2 x nach, ob die Sachen nach Los Llanos kommen. Die Halben hatten ihre an der Nebentür fürs Reiseziel El Pilar einzuchecken. Ich war sicher, dieses Mal alles richtig gemacht zu haben und schlenderte, es war erst dreiviertel fünf zum Startbereich an die Fischersiedlung hinunter.

Kein Ausrüstungscheck. Keine Chipkontrolle. Und schon geschätzte 250 trailrunner im Startbereich. Komisch war es schon, dafür der Startplatz ideal. Reihe 5. Nicht all zu lange an den ersten Staustellen verbringen. Dafür drängeln und schubsen und erst mal mit speed den Startberg hochwirbeln. Wer das eine will?

Unser Einpeitscher (@depa_runner) steckte gegen fünf Uhr sein „Apfelbuch“ an die Musikanlage. Es ging los. Das offizielle Vorprogramm, die depashow begann. Die Meute wurde gepuscht. Wer jetzt noch nicht heiß war, kriegte es von Depa besorgt. Plötzlich rief dieser zur Ausrüstungskontrolle. Was war los? Die am Boden sitzenden erhoben sich und drängten auf die linke Seite. Also doch noch mal das übliche Prozedere. Ich war zu zeitig gewesen. Der Strom der Neuankömmlinge musste sich nun mit dem Strom der Früheintreffer, dem unseren vereinen. Muss man da hin? Wenn aber dein Chip eingelesen wird? Ich reihte mich ein, der schöne Startplatz verloren. Es würde sich finden, manana.

Es ging über die Matte, gefühlte Stunden später. Eine Lampe leuchte den Chip ab. Ein Dauerpipsen sagte mir über meinen gar nichts. Egal. Ich war mittendrin, nicht nur dabei.

Am rechten Rand mogelte ich mich wieder nach vorn. Noch 35 Minuten wie die Heringe stehen? Wie kriege ich als Hering das mit den offenen Schuhen und den Gamaschen geregelt, Bücken unmöglich. Ich mache es am ersten Stau. Oder nicht. Die Zeit verging beim Grübeln und Gesichter lesen. Depa hatte bereits die Endlosstimme ausgepackt. Die Musik aggressiver. Gefühlt minütlich die Restzeit angesagt, anfangs auch an den Fels projeziert. Es wurde voll, es wurde warm, es wurde spannend.

Countdown

Countdown

Zehn Minuten vor dem Start verschwand die Restzeitanzeige. Ich musste die Laufuhr einschalten …. Batteriekapazität das A und O bei den langen Ausflügen. Es wird jedes Milliampere Strom gespart. Alles für die heilige Aufzeichnung. Für die Linien danach 😉 (Auch darüber komme ich noch hinweg) Das GPS Signal sofort gefunden. Die Feinjustage (Anzeige an der aktuellen Höhe messbar) nach nicht mal einer Minute erledigt. Das ging fix. Ein Suunto Träger neben mir fragte, ob ich GPS Signal habe. Er hatte seine Not. (Kann aber nichts zum Modell beisteuern).

Die Restzeit erschien, nachdem der „Thunderstruck“ bereits eine wippende Menge erzeugte. Es wurde gehüpft, es wurden Arme nach oben gestreckt. Teils mit Smartphones, teils mit Kameras. Die Stimmung musste verewigt werden. Meine Ohren waren taub. Eine Stunde neben 5 Lautsprecherboxen. Mein MP3.Player startete. Oder nicht? Ich hörte nix oder nix mehr?.

Es war soweit, die letzten 10 Sekunden wurden spanisch herunter gezählt. Auch hier konnte ich mal mit reden. Es war auf dem Weg. Dos, Uno, Aaaaaaarriba … Es ging los. Ich war durch, ich war auf dem Weg. Meine 3. Transvulcania war gestartet. Meine Schuhe hatte ich übrigens doch noch kurz vorher verschnürt. Mann und Frau platzten für diesen letzten Akt des unbeschwerten Laufens.

Die Meute hetzte los

Wir rannten zum Lighthouse hinauf. Es staubte unglaublich, als 1700 Beinpaare den Faro umpflügten. Die Tagesbeschäftigung hatte begonnen. Einmal über die gesamte Insel bitte. Es war soweit, endlich. Nach 365 Tagen. Immer noch bleibt die Transvulcania etwas ganz Besonderes. In diesem Jahr nicht das Frühjahrshighlight. Nach dem Ultratrail auf Mallorca nun mein zweiter Streich im Frühjahr. Letzter bergischer Feinschliff vor dem großen, respekteinflößenden Mont-Blanc-80k. Eine andere Dimension?

Nein, keines Wegs. Transvulcania wird als das schwerste Bergrennen bezeichnet. Sicher nicht des technischen Anspruchs Wegen. Transvulcania beginnt am Muchachos und erhält ihre Krönung nach dem letzten Verpflegungspunkt am Puerto de Tazacorte. Wer es noch nicht kennt, wird es erfahren, fast ausnahmslos.

Schnell hatten wir das Startareal verlassen und der Lichterwurm strebte dem Teneguia entgegen. An seinem Fuß werden die ersten 3 Kilometer vergangen sein, es wird erstmals frei und unbeschwert gelaufen werden können. Immer in der Labili, diesem rutschenden, feinen Vulkangestein. Vorerst die üblichen Staus an den engen Stellen des Laufes. Auch ich umging die wichtigsten weiträumrig. Anstregender, aber man tat wenigstens etwas und musste nicht untätig warten. Die Staubentwicklung hier bereits enorm. Je öfter ich hier transvulcaniere, um so extremer empfinde ich es. Oder schlurfte man in der Neuzeit mehr?

Wir waren nun am gleichmäßigen Laufen. Meine NAO auf 360 Lumen gestellt. Die kleinen versteckten Steine sollten mir nicht entgehen. Ich war ganz gut unterwegs. Der Hauch von Nichts, meine kleine Montane, dem Windschutz dienend, hatte ich bereits in den 12 Liter S-LAB Begleiter verstaut. Viele Läufer überholten mich. Ich konnte nichts dagegen tun. War am Laufen aber scheinbar etwas langsamer als der Rest des Feldes. Aber ich war locker und entspannt. Die ersten Körpersignale waren ausschließlich positive. Wir erreichten nach 450 Höhenmetern den finalen Anstieg am nordwestlichen Rand des San Antonio. Hier gab es in den Jahren zuvor die ersten Überholungen der Halbmarathonies. Da diese in diesem Jahr erstmals 60 statt 30 Minuten später starteten war dies ausgeschlossen.

Meine Stirnlampe konnte ich hier bereits ausschalten und transportsicher im Reißverschlussfach verstauen. Ich war langsamer als sonst. Ohne auf die Uhr zu schauen war es klar. Es staute sich heute auch hier. Ungewöhnlich. Oder nur aus der Erinnerung verloren? Sicher letzteres.

Wir erreichten Los Canarios. Die erste Bergankunft war wieder mit einem dichten Spalier von Menschen vorbereitet. „Vamos, vamos, Animo“ Rufe, Beifall und jubeln ließen Gänsehaut entstehen. Ja, das ist Transvulcania. Das ist nur hier so. Es ist unglaublich geil.

Am Verpflegungspunkt angekommen dann die erste Zeit. 1:15 Stunden für die 6,xx Kilometer mit 700 Höhenmetern. Thats it … Ich trank wenig, füllte die Gatorade-flasche mit Wasser nach und lief, vom Jubel begleitet den Deseadas entgegen. Mein nächster Mentalpunkt. Hier wird der Löwenanteil des Anstiegs vollbracht sein. Zumindest in dieser komprimierten Form.

Ich tippelte viel, rutschte noch mehr, atmete anders infolge der Staubentwicklung. Es war, wie immer. Die Sonne stieß durch die Wolken, als wir die Ebene verließen und uns an den Steilanstieg, den ersten seiner Art, zum San Martin machten. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Bis zu 28% Anstieg zeigte die Fenix-3. Dies auf Labiligestein. Diese Wege sind in umgekehrter Richtung ein Traum für jeden Downhiller. Heute aber hieß es arbeiten.

Die ersten Halbmarathonies überholten hier. Kilometer 11 oder so, wurden erreicht. Wir waren hereits auf über 1000 Metern. Der Wald lichtete sich und die San Martin mit seiner markanten rotfarbenen Spitze kam ins Blickfeld. Es lief. Ich hatte immer noch keine Trailstöcke in der Hand. Diese waren sicher auf meinem Rücken verstaut und dort sollte sie auch noch eine ganze Weile ausharren.

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Nein, ich war hellwach. Downhill zum VP2 kurz vorm Anstieg zu den Deseadas

Am höchsten Punkt des Aufstiegs gab es dann wieder den obligatorischen Blick des Mediziners. Keine Beanstandungen und es lief weiter. Umrundung, Anstieg und km 14 war gespeichert. Immer mehr Halbmaratonies riefen „paso“. Und ich platzte. Ich hatte es nicht sooo eilig. Mein Tagesausflug hatte gerade erst begonnen. War noch in der Warmlaufphase. Und wir konnten mal wieder ein Stück locker traben, bevor das abschließende Labilifeld zum VP 2 am Fuße der Deseadas erreicht wurde. Diesen Süffelstand, ich musste wieder kaum Wasser nachfüllen, trank lediglich ein bissl ISO, wird nach einem herrlichen wenn auch kurzem Downhill erreicht. Das waren sie nun. Die beiden Deseada Gipfel, von denen wir aber keinen von beiden überschritten, wie bereits mehrfach bei Wanderungen passiert. Am Fuße nochmal ein Hinweis eines Offiziellen, langsam nach oben zu steigen. Die Sonne hatte sich nun komplett gezeigt und schickte sich an die Streckenerwärmung. Der frische Wind, der dicht von beiden Seiten, wir liefen über den Kamm der Insel, erfrischte war mir sehr willkommen. Ich fröstelte sogar ein wenig.

Der Anstieg war schnell gemeistert. Kopf runter und hochgehiked. Kein Ding, wenn man es kennt. Mein Ding kam an seinem Gipfel. Noch bevor ich ihn erreichte ging das laufen wieder los. Ich hatte noch ein paar Vorläufer zu überholen und dann war er da. „Mein“ Downhill. Der geilste, der ganzen Strecke. Auf losem Vulkangestein kannst Du an die 3-400 Meter nach unten knallen. Große Steine gibt es hier nicht (muss man wissen 😉 ) und so gab es kein halten. Alles, was nicht bei drei an der Seite war, wurde laut wegge-paso-ed. Es war herrlich, der totale Flow. Darauf hatte ich mich sooo sehr gefreut, die ganzen drei Stunden, die ich bis hierher gebraucht.

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Der Tag war erwacht. Ich war warm gelaufen … km 20.

Viel zu schnell war der Spaß vorbei und es hieß wieder Anstieg. Der letzte Lavagesteinskontakt war angesagt, der Hoya Negro umrundet und mit ungetrübtem Calderablick, den Birigoyo vor Augen sausten wir hinunter in den Wald. Die folgenden 4 Kilometer waren fast ausschließlich downhill. Hier wird die Muskulatur frei gelaufen. Hier wird sich fit gemacht für die letzten Kilometer bis zum Ziel 😉

Immer mehr Halbe passierten. Viele Ultramarathonies wollte Plätze gut machen. Ich hingegen joggte immer noch recht klebend vor mich hier. So richtig pace konnte ich heute nicht aufnehmen. Aber es lief gut und entspannt. Erste Hochrechnungen wurden angestellt, welche Zwischenzeit es denn sein würde. Ich tippte eher auf 4 Stunden, denn 3:30. Auf die uhr zu schauen verbot mir mein „Codex“.

Es ging hinunter nach El Pilar am letzten Hinweisschild las ich El Pilar 1,2 Kilometer. Diese wurden auf feinstem Waldboden zurückgelegt. Meine üblichen Verdächtigen verhielten sich ruhig. Trotzdem hatte ich bereits 3 Salzkapseln eingeworfen. Vorbeugen besser als nach hinten fallen. Kurz vor El Pilar kam die zweite Frau an mir vorbei gesaust. Hätte sie nicht die directissima genommen, wäre sie mit mir auf einem Bild gewesen. 😉 Tchja. Pech. So ist sie alleine auf ihrem Zieleinlauffoto.

Verpasste Gelegenheit 😉

Erster Zwischenstand nach 23,xx Kilometern

Erster Zwischenstand nach 23,xx Kilometern – VP 3 El Pilar

Zuschauermassen drängten sich hinter den Absperrungen. Marathonies waren keine mehr zu sehen, also waren bereits mehr als 4 Stunden vergangen. Da war sie, die Uhr mit der Anzeige der Halbmarathonzeit: „3:08:xx“ war zu lesen. Ich hatte mich als 4:08 Stunden in den Vulkanen vergnügt. Das war erst mal hart und das musste ich erst einmal verarbeiten. Mein Gefühl hatte mich dennoch nicht getäuscht. Ich hatte heute einen Magneten unter den Füßen. Umso schneller füllte ich die Getränke nach, aß ein paar Melonen und ein wenig Orangen und war wieder auf dem Weg. Die nächsten 7 Kilometer waren nur durch marginale Anstiege gekennzeichnet. Man konnte ganz gut laufen. Das letzte lange Stück vor der Zielgeraden. 🙂 Ich nutzte die Gelegenheit. In meinem Kopf tickerte es ob der „schlechten“ oder eher unerwarteten Zwischenzeit. Mittlerweile war es etwas wärmer geworden. Wolkenloser Himmel brachte uns von der Süd- auf die Nordhälfte der Insel. Immer wieder spendete das Buschwerk auf der rechten Seite Schatten. SIE war noch nicht hoch genug gestiegen, um mit ihrem Feuerball so richtig grillen zu können.

Ich lief, wie die gesamte Strecke, allein. Kein Grüppchen, dem ich mich anschließen konnte/ wollte. Meine Fenix piepte tapfer die absolvierten Runden (1km-Intervall). Ab und an schaute ich auch drauf. Es lief kontinuierlich. Der nächste Verpflegungspunkt würde am Reventon Pass aufgebaut sein. Kilometer 31.

Die Zeit verging recht schnell und da war er auch bereits. An seinem Eingang begrüßte uns der „Rächer mit dem Becher“. Kopfdusche hieß das Zauberwort und das Wasser war sau kalt, herrlich kalt. Im Vergleich zu den Vorjahren hatte man hier richtig aufgefahren. Vollsortiment sozusagen. Belustigt nahm ich das Schild der nächsten Verpflegung zur Kenntnis. Wie bereits im vergangenen Jahr am Pico de Las Nieves stimmte es auch hier nicht. Da es vom Pico de la Cruz zum Muchacho 5 km sind und dort km 50,7 sind. Kann es von km 31 zu km 46 nicht 12,7 sein. Man misst anders bei Transvulcanien. Mir war die Distanz klar. Für Newbies ist das höllisch. Zumal man auf dem „Grill“ unterwegs ist, wo jeder Kilometer doppelt wiegt.

Bei km 30 hatte ich wieder tapfer ein GEL genascht (alle 10 km, so der Plan), sodass sich der „Hunger“ in Grenzen hielt. Dennoch griff ich wieder zu Obst, Getränke auffüllen wie immer und schnappte mir ein halbes Schinken-Käse-Bagette. Mir war schlecht und mein Magen rebellierte ein wenig. Die typischen Überlastbeschwerden.

Ich schaute auf die Uhr, die Durchgangszeit vom letzten Jahr lag um 15 min drüber. Ich musste auf andere Gedanken kommen, als bei jedem VP die Zeiten zu checken. Konnte es aber zu diesem Zeitpunkt nicht unterdrücken. Der Ultra war noch lang und ich war eigentlich schon völlig ausgepowert.

Also holte ich die Trailstöcke aus dem „Campingbeutel“. Sie würden ein anderes Lauferlebnis bringen. Jetzt noch zum Pico Ovejas auf knapp 1900 Meter, dann zum Roquen-Refugio und dann war ich auch schon fast auf dem „Grill“. Ich rechnete trotzdem mit langen Dimensionen. Auch als ich 2 km nach dem VP 4 von der Pista forestal in die Berge ging, konnte ich mich von meiner dauernden Rechnerei nicht lösen. Schlimm.

Zu allem Glück hatte die rechte Körpermitte was gegen meine Tagesbeschäftigung. Ein paar Salzsticks sollte zur Beruhigung helfen. Zuviel Salz ist nie verkehrt. ER würde es ausscheiden, was zu viel ist. Und so sockte ich, nicht unbedingt als pacemaker zum „Refugio del Punta de Los Roques“ hinüber. Es zieht sich immer etwas und dann plötzlich sieht man die Hütte vor sich. Kurz zuvor ein Rettungshubschrauber landete dort oben. Die ein oder andere Läuferleiche war bereits unterwegs. Einen sah ich an einem Medicalpoint, die den Weg säumten, liegen. Sooo zeitig schon Das geht nicht spürbar an dir vorbei. Ich lief so weiter, wie ich mich wohl fühlte. Am Roquen-Refugio ein außerplanmäßiger Wasserstand. Nur. Aber wenigstens gab es Wasser. Ich druckbetankte mich mit eine meiner Trinkflaschen und ließ sie wieder auffüllen. Die verbleibenden 10 Kilometer hatte ich nun wieder 1 Liter Flüssigkeit zur Verfügung. Das sollte nun locker reichen. Aus meiner Sicht der Süffelstandabstand hier zu groß bei 1 Liter Pflichtwasser. In den Jahren zuvor gab es bei km 41 (Anstieg zum Pico de Las Nieves) noch mal Dusche, Wasser und vor allem Eis. Dies sollte es in diesem Jahr nicht geben.

Auf dem Dach der Insel - Auf dem Kraterrand des grßten Senkkraters der Welt - Aussichtsnote: traumhaft.

Auf dem Dach der Insel – Auf dem Kraterrand des grßten Senkkraters der Welt – Aussichtsnote: traumhaft.

Ich sockte weiter meinen Stiefel runter. Im Downhill in diesem Jahr recht fix unterwegs, um mich dann die Berge hinauf zu quälen. Endlich, die Zeitmessung am Pico de Las Nieves passierend erreichten wir den „Grill“. Kurz vorher (alter VP „Pico de La Nieves“) wieder ein spontaner Helfer. Dieses mal ein Apfelstückenreicher. Danke dafür. Es war sehr, erfrischend .Die Baumgrenze war überschritten, Sonneneinstrahlung garantiert und es wurde teils an der Calderaabgewandten Seite gerannt. Dies garantierte dann Windstille und man würde systematisch ausgetrocknet. Trinken hier erste Bürgerpflicht. Obwohl man glaubt, nicht durstig zu sein. Spätestens am Pico de La Cruz weiß man Bescheid. Das Teilstück verlief eigentlich recht entspannt. Ich hatte mich in meine Situation gefügt, dass es heute keine neue PB geben kann. Damit war einiges leichter. Ich kriegte es nicht hin, die pace gleichmäßig hoch zu halten. Ich vermute, die 115 km über Mallorca, 3 Wochen zuvor, fordern noch ihren Tribut. Dann soll es so sein und ich begann, den Lauf zu genießen.

Am Pico de la Cruz war Sachen zurecht rücken angesagt. Hier gab es doch immer einen Fotopoint. Ich hatte bereits vor dem Roquen-Refugion (außerplanmäßiger Süffelstand) meine Laufhose umgekrempelt und auch mein entstehendes Sixpack 😉 freigelegt. Das kühlte. Mann tat etwas …

Der Fotopoint fiel irgendwie aus. Dafür war der Aufstieg und die Kletterei auf den Pico die gleiche, wie immer. Ich verzichtete heute auf ein Foto. Das Smartphone eh in den Tiefen meiner „Bärbel“ verstaut. Die Höhenangabe auch verlustig am Hinweisschild. Manche können auch alles gebrauchen. Nee, war abgeblättert 😉

Stattdessen bereitete ich mich auf den nahen Süffelstand vor. Man konnte die Zelte bereits sehen. Also schnell alles Flasche im Körper verschwinden lassen. Noch ein bissl downhill und schon war die nächste Dusche erreicht. Hier mir kurzem Anstehen. Das war es aber auch wert. Es gab erstmals eine Brause. Ich rief meine Genugtuung in die Landschaft. Es war ein Traum die Fühlbare Kopftemperatur kühlte von 50 °C auf 5 °C. War das geil … Ich konnte gar nicht genug bekommen.

Die Transvulcania beginnt - Der letzte fette Anstieg zum Muchachos. Ich war kaputt.

Die Transvulcania beginnt – Der letzte fette Anstieg zum Muchachos. Ich war kaputt.

Am Futterhäuschen dann das übliche Ritual. Bei km 40 hatte ich ge-GEL-t, also nur fix Flaschen tauschen (2 x Gatorade leer gegen 2 x Powerade voll) Ein bissl Obst und weiter. Noch knapp 5 km bis zum höchsten Punkt des Rennens. Ich gab mir eine Stunde dort hinüber. Viel klettern und einige Höhenmeter fordern dir einiges ab. Hinzu brannte der Planet. Schnell erreicht man den ersten Stimmungsherd. Die Zufahrtstraße von Santa Cruz hier hoch tangiert den GR 130 Weitwanderweg, auf dem wir unterwegs waren. Die Observatorien kann man fast schon anfassen. Immer und immer wieder ein Schwenk und ein kleiner Felsvorsprung, der umlaufen werden muss. Der Weg nicht mehr ganz so komfortabel, wie noch auf dem „Grill“. Endlich konnte ich das erste weiße Blechhäuschen mit dem runden Dach passieren. Hier starb ich im letzten Jahr im Anstieg. Ich wusste das und irgendwie ging es gleich besser. Dennoch fluchte ich ein wenig, als ich sah, wie weit es noch bis zum Verpflegungszelt war. „Bleib ruhig, altes Nagetier. Wir nagen uns da durch. Außerdem kürzen wir ein bissl ab. In dem Zelt wird pausiert …“ Ich redete laut mit mir. Und es half. Recht flott war ich am letzten Anstieg. Ich wusste, dass es 80 hm waren, die ich mich an den Stöcken hochziehen musste. Dann endlich piepste die „Matte“ und ich war unterm Sonnendach. Schnell ein paar Getränke fassen und hinsetzen. Ich wollte nur noch sitzen. Beine ausstrecken, Rucksack absetzen … ein paar Minuten nicht arbeiten. Nichts tun …. Ich entsorgte meine leeren GEL-Tuben. Ich konnte das Zeug nicht mehr sehen. Mir war immer noch übel. Ich vermutete, es lag an dem Lavastaub, den ich in Mengen im ersten Teil eingeatmet. Hinzu kam die Hitze und die Höhenlage über 2200 Meter, in der ich mich seit Stunden befand. Alle Faktoren zusammen und du fühlst dich so Sch… lecht, was sonst 😉 Ruhe jetzt. Gejammert wird im Ziel!!!

Auf dem Dach der Insel

Ich musste kommunizieren. Das würde mir helfen. Auf 2426 meter hast du Funkfeld. Schnell den Plan Ü (Überleben) an die Twitteria übermittelt, bevor ich mir ein paar Nudeln holte. Nach 3 Gabeln hatte ich genug. Wollte den Teller ja nicht voller abgeben, als ich ihn geholt hatte. Mittlerweile war ich 9:22 Stunden unterwegs. Unterirdisch, thats Ultratrail. Man weiß am Anfang nie, was man kriegt. Doch der Downhill würde gut werden. Ich hatte es im Gefühl. Ich hatte das explizit trainiert. Nochmal ein Techniktraining in der Caldera eingeschoben. Meine Fußmuskulatur war stabil. Ich konnte „über Steine schweben“. Nach den steinigen Downhills in der Tramuntana nur 3 Wochen zuvor war das hier eine „Entspannung“. 😉 Was man sich alles so impliziert. Aber wenn es hilft …

Ich wechselte noch die Socken. Die alten hätte ich mal gleich hier entsorgen sollen. War das ein Duft. Ins Reserve-Buff eingewickelt … sie hatten die Zielankunft verdient 😉 Nachdem ich die vor Dreck stehenden Gamaschen wieder über die Schuhe gestülpt gings hinaus. Über 20 Minuten hatte ich hier oben verbracht. Noch eine schnelle Kopfdusche. Mein Hinweis, die Schuhe trocken zu lassen, wurde wie bei alles Stationen perfekt umgesetzt. Danke!!! Meine Füße würden es danken.

Nun ging es hinunter. 2426 Höhenmeter auf 16 Kilometer. Anfangs im steten auf und ab, was immer nervt. Zumal er teils mit bis zu 50 cm hohen Felsabsätzen gespickt ist. Auf dem Geröll konnte ich gut laufen. Die Trailstöcke halfen hier wirklich. Immer wieder mal wurden ein paar Marathonies überholt, die an der roten Startnummer zu identifizieren waren. Paso galt für einige nicht. Ein besonders hartnäckiger Zeitgenosse musste übers Geröllfeld überholt werden. Einen Lieben hat man immer mal dabei. Sicher auch nervig, dauernd an die Seite gehen zu müssen auf einem Singletrail, der von Geröll und Felsen trassiert wird.

Es lief. Im Hintergrund der Bejenado (1854 m)

Es lief. Im Hintergrund der Bejenado (1854 m)

Endlich, wir erreichten die Baumgrenze. Die Fenix zeigte 1900 Meter an. Nun noch 700 Höhenmeter bis zum Torre del Time. Dem vorletzten VP. Vom Muchachos nur 9 km entfernt. Ich spannte mich teilweise vor eine Gruppe von Downhillern. Wir waren recht homogen unterwegs. Es strengte an, verbreitet aber richtig Spaß. Erst eine zwei gefährliche Ausrutscher später gab ich die Führung ab. Meine Slicks, die ich an den Füßen trug gerieten nun an ihren Grenzen. Erlebten den Rückflug von der Insel auch nicht.

Ab und an ein Trailrunner, der dem Geröll nicht gewachsen war und am Wegesrand dehnte und entkrampfte. Aber das große Läufersterben gab es in diesem Jahr hier nicht. Zum Glück. Es war nicht ganz so warm, wie im Jahr zuvor und auch eine leichte Briese sorgte an den offenen Stellen zur Angustiaschlucht für Abkühlung. Stets meinen Höhenmesser kontrollierend erreichten wir recht schnell das letzte Weinfeld. Auf seinen Trockenmauern entlang geht es zum letzten Downhill hinüber. Ein Anwohner oder Angehöriger oder Spontanfan mit Kuhglocke bereitete besonders viel Freude. Danke für die Ausdauer. Jeder bekam sein Geläut!

Der finale Downhill zu VP7 endete auf der Forststraße, auf der ich 2 Tage zuvor auf den Bus (Rückfahrt Vertikal) wartete. Das weckte die Lebensgeister. Während alles wanderte gings für mich im gepflegten Jog hinüber zum Torre. Schnell eine Dusche (das Wasser war hier nicht hirngefierend), die Trinkflaschen wurden ausgetauscht, ich griff eine Cola im Pappbecher und war schon wieder on the road. Meine Motivation war im Downhill, sicher etwas vorsichtiger als möglich absolviert, zurück gekehrt.

Ich war wieder da und ich sockte jetztrecht gleichmäßig die restlichen 1200 Höhenmeter hinunter. Dafür hat man knapp 7 Kilometer Zeit. Wobei es auch noch 2 km ebene Abschnitte gibt. Also bist du im Schnitt mit ca 250 hm je km im Downhill dabei. Dabei meist auf alten Karrenwegen. Hier gab es Oberschenkelmassage gratis. Und Krämpfe, wenn man nicht aufpasste und zu übermütig über die Steine glitt. Ich fühlte mich gut. Genoss den privaten VP bei km 62. In diesem Jahr gab es schon 2 Beduscher, die im Vergleich zum Vorjahr, mit großen Eimern hantierten. Am „Ende des VP“ dann das Angebot für Vino tinto. Ich lehnte dankend ab. Ein „Cervesa“ (Bier) hätte ich gern genommen.

Und ich wusste. Es würde noch einen privaten VP geben. Gar nicht weit von hier. Die sind auch immer recht rührig. Haben Getränke und auch Wasserdusche. Mann freute sich drauf. Noch ein Downhill und „mein Bier“ stand auf dem Tisch. Herrlich. Ich bedankte mich auf deutsch und spanisch, war es doch das Cervesa eines „Helfers“. Das erwiderte „Bitteschön-Dankeschön“ ließ mein schlechtes Gewissen verschwinden. Ich dankte, klatschte und winkte noch einmal. Die Palmeros sind eine Wucht.

Der letzte Downhill

Ich sah bereits den Mirador El Time. Von dort waren es noch knapp 510 Höhenmeter auf 2,8 km. Der Abstieg dorthin besonders böse. Ich setzte die Füße diagonal auf, was es schmerzfreier machte. Der jeder Zeit erwartete große Hüftkrampf blieb auch aus. J Es lief „Bestens“. Ich war wieder mal sooo glücklich über diese Inselüberschreitung. Und es sollte ja auch schon bald zu Ende sein. Bereits im letzten Jahr konnte ich die komplette Strecke hinunter renn. Nach dem Ovationen am Mirador, man quert hier die LP-1 und zwangshaltende Fahrzeuginsassen applaudieren und klatschen. Motivieren und feuern an. Ich bedankte mich, winkte …. Wedelte mit den Trailstöcken.

Es ging hinunter. Langsam und krampfvermeidend rannte ich den Asphalt hinunter. Am Ende der ersten Bananenplantage, man quert über einen Sandweg ein unbebautes Stück, gab es noch einmal Wasser. Kein Trink- aber Erfrischungswasser aus einer Levada. Nasser Kopf bewirkt Wunder. Noch eine Asphaltstraße und schon ging es den Zick-Zack-Kurs an the Wall hinunter. Hier war es nur noch ein guter Kilometer bis zum letzten VP in Puerto de Tazacorte. Die Stimmung dringt bereits nach oben. Mann kann die ganze Zeit das „Ziel“ sehen und erreicht es dennoch nur langsam. Immer wieder eine längere Querung der „Wall“ und schon geht es hinunter. Erreicht man dann endlich den unbefestigten Weg ist es nicht mehr weit. 30 Höhenmeter noch und ich war auf der Promenade. Die Zuschauerdichte hier besonders hoch. Ist es doch gleichzeitig das Ziel des Maratonies. Oh, eine Uhr: „8:27:xx“ Ich musste schmunzeln und zeigte mit den Trailstöcken darauf. Natürlich war mir klar, dass es nicht „meine Uhr“ war.

Die Ultrazwiebel stand einen Schwenk weiter und ich überlief nach 12:28 Stunden die Matte so kurz vor dem endgültigen Ziel. Meine leeren Flaschen wurden mir aus der Hand genommen und gefragt, was hinein soll. Es war gigantisch. Im letzten Jahr waren die Helfer und Helferinnen auch so rührig. Wie eigentlich an allen VPs. Als Ultra musste du eigentlich nur noch schlucken an den Futterhäuschen. Die Restarbeit wird dir komplett abgenommen. Nachdem ich die 2 Flaschen Powerade verstaut traf ich auch noch „meinen“ Fahrer vom KilometroVertikal. Ich wisst, der mich zu meinem Beutel gefahren hatte. Wir erkannten uns sofort wieder, klatschten uns ab und er zeigte mir auf dem Infoschild die Restdistanz. Ich kannte sie genau und wusste auch um die Macht des „Kilian-Killers“, wie ich den Weg durch die Bananenplantagen gern nenne. Danke, mein unbekannter Freund für dein Lächeln und deine Hand!!!

Kurz vor Verlassen des VP noch die Dusche. Nein, ich musste in den Kübel und tat das auch kopfüber. Kam fast nicht mehr raus, so tief war der Wasserspiegel bereits gesunken.

Nun wollte ich nur noch Schaulaufen. 13:33 Stunden wäre eine Traumzeit gewesen. Dies bedeutete aber die Distanz unter einer Stunde zu schaffen. Es war illusorisch. Ich kam wieder ans Traben, auf der Strandpromenade. Ein paar givefive mit Anfeuernden und es ging die (Umknick) treppe (vom letzten Jahr) ins ausgetrocknete Flussbett hinunter. Drei Tage zuvor hatte ich hier noch mal einen Streckencheck gemacht. An dem Tag, als ich meine Calderarunde lief. Heute war ich völlig entspannt. Einige versuchten in dem losen Geröll zu laufen. Ich versuchte es erst gar nicht. Tapfer gings hindurch, immer mal ein paar Stufen hinauf und wieder herunter bis wir endlich die Fußgängerbrücke sahen, die den Aufstieg in die Bananenplatage markierte. Im letzten Jahr waren es ein sternenreicher Aufstieg 😉

Mal schauen, wie es sich in diesem Jahr gestaltete. Es war nicht (oder mehr) all zu warm und auch ein laues Lüftchen wehte. Oder bildete ich mir das nur ein. Ich zog mich tapfer an den Stöcken hinauf. Dieser Weg würde der letzte Aufstieg sein, dann ist sie durch, die 3. Transvulcania an dessen erfolgreiches Ende ich unterwegs mehrfach zweifelte. Am Ende ist alles gut. Du musst einfach durch die Täler durch.

Kurz bevor wir die Straße zum zweiten Male querten gab es noch eine Dusche. Danke, Banana-Kids. Super Job!!! Das letzte Mal querte wir die Straße. Warum rannte ich? Der Applaus und die venga, venga Rufe zwangen mich dazu. Laufen wurde mit Beifall quittiert. Den brauchte ich vor den letzten 4 Rampen. Tapfer stieg ich nach oben. Am Ende der 4. Rampe würde ein inoffizieller Süffelstand sein. Ihr seid doch da? Ich verlasse mich auf euch. Wie ein Uhrwerk, wenn auch ein langsames, hike-te ich die Rampen hinauf. Einige Läufer, die mich sicher vorher überholten, überholte ich. Ich feuerte die Überholten an.

Endlich der letzte Anstieg. Der „VP“ war da. Ich nahm dankend das Wasser. Klatschte und bedankte mich. Noch den Asphalt hinauf, einen Linksrechtsschwenk und der blaue Teppich ist das. Die 2 km lange Zielgerade zum schönsten Ziel an diesem Tag.

Noch ein Verpflegungspunkt? Ein neuer. Mit Musik. Was war das. Plötzlich die „Rocky-Titelmusik“ aus den Boxen. Wie geil war das denn. Die Mauern knallten uns den Sound entgegen. Ich kam ans Traben. Meine Stöcke zusammengeschoben. Ich schwenkte die Stöcke voller Euphorie.

Hob die Arme zum Applaus. Machte den Rocky, hob die Knie. Die Leute waren aus dem Häuschen. Ich duschte trank und gab five. Die Kinder liefen neben mir. Ich musste laufen. Nix mit ausruhen. Hinter der Kurve … wieder applaudierende Menschen. Ich lief weiter. Ich war voller Adrenalin. Selbst den kleinen Hügel zum blauen Teppich (ein Radweg) wurde sauber rauf gejoggt. Mittlerweile war km 70 gespeichert. Ich kam ans zügige Laufen. Ich konnte den großen schwarzen Zielbogen sehen. Gut 1,5 km waren es bis dorthin. Gefühlt hunderte Hände sollte ich auf meinem Weg dorthin abklatschen Es war wieder Party auf der letzten Meile. Jeder wurde hier gefeiert … Es ist der geilste Zieleinlauf, den ich kenne und er macht so …. Viele nasse Augen. Sorry, liebe Mitstreiter, dass ich euch so kurz vorm Ziel noch überholt habe. Aber ich war im Flow. Ich war so glücklich. Bei km 72 war es dann ganz aus. Was war das denn 13:18 Stunden. Habe ich mich verguckt. Das wird ja … unter 13:30 Stunden. Ich war soooo …

Die letzte Kurve war dann schneller erreicht, als erwartet. Der lange rote Teppich zum finalen Zielbogen war erkämpft. Ich hatte mich noch mal geordnet. Mütze ab. Jetzt wird abgeklatscht. Zig Hände wurden mir entgegengestreckt. Hier waren alle Sieger. Ein grandioses Finish.

Meine dritte erfolgreiche Transvulcania, die wohl schwerste ging nach

13:24:59 Stunden

zu Ende. Es war wieder sooo ein geiles Gefühl diese Medaille umgehängt zu bekommen. Ich war fertig, glücklich und hatte nur noch einen Gedanken … kein ISO mehr … Und? Einmal Transvulcania, immer Transvulcania. Ich kann (noch) nicht aufhören.

Muss man kriegen

Muss man kriegen

Zwischenzeiten Transvulcania 2015

Die Rennbilder sind bestellt und soooo geil. Ich werde sie euch zeigen, später.

6 Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch das du Dir diesen Traum von Lauftrack zum 3. Mal gegeben hast. Unglaublich wie abwechslungsreich die Strecke Dir begegnet und du Sie uns mit so lebendiger Art weitergitergibst. Wenn du Dir Deine Frühjahrshighlights jetzt erklommen hast, wünsch ich dir gute und spannende Sommerhighlights!

    • Danke. Mein Frühjahrshighlight, wenn es soetwas bei trailrunnern überhaupt gibt, wird der Marathon du Mont Blanc 80 km sein. Darauf freue ich mich genauso, wie jedes Jahr auf die Transvulcania.
      Natürlich wird sich erst mal erholt. Die wird aber wohl am Wochenende vorbei sein. Ende des Montas steht bereits der nächste 100-er an. Allerdings nicht ganz so schwierig und „nur“ 2500 Höhenmeter im Anstieg.

  2. Toller Bericht – vielen Dank dafür. So kann ich zumindest erahnen, was Du/Ihr da geleistet habt.

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  4. Pingback:Mein Debüt beim Mount-Blanc-80-Kilometer –   Trailrunning nicht nur im Norden

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