Stenogramm La Palma vom 04.05.2013

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Wieder eine Radeinheit, an andere sportliche Betätigung traue ich mich noch nicht. In 7 Tagen ist die Transvulcania bereits voll im Gange. Ich sollte locker den Muchachos hinter mir haben und den Hammer-Abstieg nach Puerto de Tazacorte unterm Schuh haben. Zukunftsmusik, die vom Wesentlichen ablenkt.

Meine Aufgabe heute, wieder ein paar Höhenmeter sammeln und ein bissl an der Distanz erweitern. Allerdings ist die sinnvolle Grenze nach meinem dafürhalten dann auch erreicht. Jetzt gehts um Kontinuität.

Im Gegensatz zu gestern wählte ich eine befahrbare Strecke, ohne Trails, die im Schieben enden müssen. Na was man so befahrbar nennt.

Es ging über San Nicolas nach Tacande, dort über das Centro de Visitantes, wo natürlich der Automat geplündert wurde, über die offizielle Fahrstraße zum VP2 (Refugio del Pilar). Auf 1500 hm haste dann schon mal das grow der Anstiege im Sack. 1,2k waren es heute. Besonders stolz bin ich, wenn auch teils im Wiegetritt, alles gefahren zu sein.

Nach kurzer Pause gings über die bekannte Piste, ja es musste sein, denn die mentale Komponente, die dieser scheiß Weg beinhaltet, ist nicht zu verachten. Ich „radelte“ also knapp 25 km über Geröll, Labili und Vulkangestein. Den losen Sand nicht zu vergessen. Selbst wenn es bergab ging, galt es am Pedal zu arbeiten.

Als dann die Wolken, bis dahin hatte ich schweißtreibenden Sonnenschein, zuzogen und ich so in Gedanken an Beleuchtung dachte kam mir doch tatsächlich ein Läufer entgegen. Nicht irgendeiner, nein, der Sieger der ersten Transvulcania. Damals in 9 Stunden … die Zeiten ändern sich.

Wir tauschten fix Höflichkeiten aus : „Bon dia“ ich und „Hallo“ Salvador (Calvo). Verkehrte Welt. Mensch, Meier.

Ich hatte mich auf den Sand zu konzentrieren. Wen man so alles trifft, wenn man glaubt DEN Weg gefunden zu haben. Im Gegensatz zu gestern wurde auch hier voll durchpedalliert. Keine Schwäche sollte zugelassen werden. Dennoch war ich froh, wieder Asphalt unter dem Reifen zu haben.

Nach 50 Kilometern gabs die obligatorische Cola und die 10 Geflügelwürstchen (mein Geheimrezept 😉 ) aus dem San Martin in LosCanarios, der jetzt aber anders heißt. Fusione, fusione, Infusione … das alte Lied.

Die restlichen 26 Kilometer gings dann nur noch nach Hause. Endlich, die Sonne hatte sich seit Salvador (verdunkelt sowieso) verkrümelt, konnte ich mein faustgroßes Bündel Jacke ausprobieren. Top-Stoff. Der teils heftige Wind, der mich mit bis zu 50 km/h die Hügel nach Los Llanos führte, hatte keine Chance.
Am Ende vom Tag stecken 76 km im Körper und 1,7 km vertikal in den Oberschenkeln. Mir tut nicht wirklich etwas weh … ich bin mal vorsichtig optimistisch.

Morgen, Sonntag. Eine gute Gelegenheit, mal einen Radausflug zu machen 😉 Zuvor aber noch rote Blutkörperchen auffüllen, auf dem Placa de Espana. Nach dem 3. Besuch im selben Restaurant müsste es eigentlich einen Handschlag geben. Wir werden sehen …

Iss irgendwie wieder zuviel geworden … na ja. War auch ein erlebnisreicher Tag.

Bilder gibts erst mal keine, hatte schon genug getwittert: https://twitter.com/64erNagetier