26. Horizontale Jena – Alle Finisher sind Gewinner

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Bereits zum 26. Mal riefen die SG Carl Zeiss Jena-Süd und die WSG Lobeda zum großen Wandern und 883 Teilnehmer versammelten sich am Freitagabend auf dem USV Sportgelände. In diesem Jahr kribbelte es bei mir besonders. Ich war aufgeregt wie ein … weiß gar nicht und erleichtert, als sich um 18 Uhr die Schranke hob und alle zum kleinen Zauberkasten liefen, um ihre SportIdentkarte mit einer aktuellen Startzeit zu versorgen.
Zuvor hatten wir ausgiebig regeneriert und den Freitag als Urlaubstag genossen. Inklusive kleinem Vorstart-nickerchen, wie es sich gehört.
Als nicht der Startschuss fiel, sondern alle aufs nicht vereinbarte Zeichen losgingen trennte sich sofort die Spreu vom Weizen. Der gemeine Wanderer lief locker fluffig los und es wurde viel gelacht und gejubelt. Der Unerfahrene rannte gleich wie ein geölter Blitz den ersten Anstieg hinauf, wurde aber wenige Kilometer später gehend angetroffen. Und dann gabs es noch den Mehrfachtäter mit Laufambitionen. Er ging zügigen Schrittes, um bei der nächsten Ebene in einen lockeren Laufschritt zu verfallen.
Ich ordnete mich nach den beiden vergangenen Jahren in die letzte Gruppe ein und ging erst mal zügigen Schrittes los. Bereits nach den ersten paar Metern trennte sich unsere kleine Laufgemeinschaft, wollte doch jeder in diesem Jahr seinen persönlichen Streckensieg feiern.
Die ersten fünf Kilometer geht es stetig bergan bis der Fürstenbrunnen erreicht ist. Hier setzte ich mich an die Spitze einer kleinen 4-er Gruppe, die ich zu Typ 2 (der geölte Blitz) zählte. Bis zum Steinkreuz ist der Weg recht eben, trotzdem gingen immer mehr Wagen meiner kleinen Lokomotive verloren. Am Steinkreuz koppelte auch der letzte Wagen ab und ich war allein unterwegs.
In Reichweite entdeckte ich eine Dreiergruppe, auf die ich dann ganz langsam aufschloss. Bis zum Fuchsturm ereilte auch dieser Zug das gleiche Schicksal und in Ziegenhain war ich schließlich wieder allein auf weiter Flur. Schade, dass ich keinen Mitstreiter fand. Ich merkte auch nicht, dass ich recht fix unterwegs war, verspürte aber keinerlei Ermüdung, als ich bereits nach 2:22 Std. die erste Halbmarathondistanz erreicht hatte. In Jenaprießnitz gabs den ersten Verpflegungsstand. Ich trank ausreichend und versorgte mich mit einem Picknickbeutel, dessen Inhalt, die Schokolade ausgenommen, ich auch dem Weg bis zur „Deutschen Eiche“ in Wogau verzehrte. Besonders die Knacker schmeckte hier noch lecker, was aber 20 km später bei keinem mir bekannten Teilnehmer der Fall ist.
Nun kam der erste knackige Anstieg. Es ging aufs Hufeisen hinauf, wo es auf 1,5 km erst mal 180 Hm bergan geht. Oben angekommen fühlte ich die Strapazen der letzten viertel Stunde im Oberschenkel. Der folgende lockere Trab war für die verspannte Muskulatur genau das Richtige. Nun konnte ich fast 4 km im ebenen Gelände vor mich her laufen. Das angeschlagene 7 min/km Tempo erschien mir immer noch zu schnell. Wusste ich noch zu genau, was mich vor 2 Jahren bei km 75 ereilte. Ich musste meine Kräfte sparen, denn so ein 100-er wird ab km 70 entschieden. Also nahm ich ein bisschen Tempo raus, erledigte ein paar Anrufe und rüstete mich für die Nacht, indem ich meine Petzl aus der Trinkweste fingerte.
So gerüstet durchquerte ich Kunitz und Zwätzen und stiefelte das Rosental hinauf. Puhh. Das hatte es wieder in sich und erlaubte eine Pace von 9:30, mehr ging in der eingebrochenen Dunkelheit auf dem wurzelübersäten Weg nicht. Besonders erfreut erblickte ich am höchsten Punkt des Tales den versteckten Kontrollpunkt und nahm die außerplanmäßige Wasserversorgung dankend an. Endlich konnte ich mal wieder reines Wasser trinken. Meines aus der Trinkblase schmeckte irgendwie nach den „Dritten“ (Die Reinigung vor dem Lauf mit Corega Tabs war sicher trotzdem gut 😉 ) Nun gings ins Rautal hinab und zum Landgrafen hinauf.
Die Strecke verlangte einem wirklich alles ab, besonders scharfe Augen, denn der Weg war teilweise sehr schmal, abschüssig und von kleinen Hindernissen überzogen. So kam es, wie es kommen musste, ich verlor nach endlosen Stolperern das Gleichgewicht und stürzte Kopfüber hin. Auhhh, das tat weh, als ich mich mit Schulter und Hand schützen wollte. Doch es blieb nicht viel Zeit zum Jammern, der nächste Verpflegungsstand war nicht mehr weit und die Marathondistanz stand vor der Tür.
Nach 5:22 Stunden erreichte ich die Papiermühle, den zweiten planmäßigen Verpflegungspunkt. Meine 5 minütige „Pause“ war mit trinken, Essen aussortieren und auffüllen der Trinkblase ausgefüllt, bis ich dem Weg nach Ammerbach folgte. Glücklicherweise waren die Helfer am VP2 etwas vorfristig fertig, denn ich war bereits 70 Minuten vor offizieller Eröffnung der „Süffelstandes“ vor Ort. Die Geschwindigkeit auf dem nachfolgenden Abschnitt musste etwas zurückgenommen werden, denn wieder waren 150 Höhenmeter auf recht kurzer Distanz zu überwinden. Gleichzeitig leerte ich meinen Verpflegungsbeutel und bereitete mich seelisch auf die Nacht vor. Es folgte das härteste Teilstück, mental gesehen, das bis zum Sonnenaufgang. Ich war immer noch allein unterwegs, hatte aber mal eine Gruppe Radler und Läufer vor, mal hinter mir. Keine Ahnung, ob es Radbegleiter waren oder ob sie abwechselnd liefen und Rad fuhren. Ich wurde nicht schlau aus der Fortbewegung dieser „Reisegruppe“. 2 Läufer und 5-6 Radler müssen es gewesen sein, die mich mit ihren irren Lichtkegeln und Vorbeiwünschen ein wenig nervten, aber auch für Abwechslung und Kurzweil sorgten.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, es ging stetig bergan. Trotzdem versuchte ich so oft wie möglich zu laufen, was auch gelang. Ich begann mein „Freuspiel“, dessen Sinn darin bestand, mich zu motovieren. Ich sprach mit mir und lobte lobte mich, dass ich immer noch lief. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich es durchhalten würde. Vor zwei Jahren auf gleicher Strecke ging ab km 60 gar nichts mehr.
Am Schottplatz klingelte das Telefon, die Rennschnecke verabschiedete sich ins Bett und ich verlief mich erst mal. Mein Forerunner checkte irgendwie die Himmelsrichtung nicht und ich lief erst mal eine kurze Weile bergab. Da dies nicht sein konnte kehrte ich um und erreichte den „Heckelstein“. Nun kannte ich mich wieder aus, gabs doch den Schottplatz vor 2 Jahren noch nicht und das Gelände hier sah etwas anders aus.
Nun gings stetig berab nach Ammerbach. Kilometer 50 wurde überschritten und der nächste „falsche Weg“ folgte. Bereits nach 100 Metern stellte ich den Irrtum fest. Auf „Garminia“ war kein Verlass, sie piepste ständig mit Kursabweichung rum. Ich musste mich konzentrieren und fand wenig später den richtigen Weg.
Ich lief durch Ammerbach und traf einen individuellen Verpflegungspunkt. Wir tauschten Höflichkeiten aus, scherzen rum, was man so kann nach 7 Stunden auf den Beinen und ich verschwand allein in der Nacht.
Es ging hinauf nach Cospoth, zum Fernsehturm. Wieder war nur ein 9 min Tempo möglich, bevor ich nach Pösen joggen konnte. Ich hörte bereits die Autobahn, doch der Weg zog sich endlos in die Länge. Die Straße jedoch bestand aus herrlich weißem Kiesel, sodass gefahrlos gelaufen werden konnte. Ich lief zwischen 7:30 und 8 min/km, meiner eigentlichen Zielgeschwindigkeit. Und … Ich lief immer noch. Selbst bei km 60, ich konnte auf Forerunner*s Karte bereits den Rückweg sehen (Wendestelle Pösen), lief ich immer noch problemlos.
Ich sah nach endlosen 8 Stunden endlich die Häuser von Oßmaritz. Jetzt ging es nach Pösen nur noch bergab. Ein Zeitgefühl hatte ich gar nicht. Lediglich die gespeicherten Kilometerzeiten vermittelten mir eine ungefähre Vorstellung, ob ich in meiner 15 Stunden Zielzeit lag oder nicht. Für Rechnereien war es noch zu früh und ich konnte dieses Thema auch ganz gut kontrollieren.
In Pösen folgte die Wende und keine 2 Kilometer später sollte Verpflegungspunkt 3 kommen. Als ich endlich die Autobahnunterquerung erreichte, war ich, trotz Vorankündigung im Rosental, überrascht, das noch keiner hier war. Ich war einfach zu schnell und die Verpflegungstelle noch nicht eingerichtet. Oder war er doch am Wanderheim in Leutra? Ich fand keine Antwort, verweilte einige Sekunden unter der Brücke und lief weiter, immer dem Ziel entgegen.
Schade, dass es nichts zu trinken gab. So musste ich auf „Corega Tabs“ zurückgreifen. Der fehlende Futterstand brachte mich nicht aus dem Konzept, hatte ich ja verpflegungstechnisch vorgesorgt. Also gönnte ich mir ein Döschen Redbull. Das sollte helfen. Und das tat es auch. Wenig später kamen mir die Besetzer (des Mümmelstandes)  im Auto entgegen. Doch sie waren nicht im Besitz des Zauberkastens, der mir den Streckenpunkt als erreicht quittieren konnte. Ich erhielt jedoch einen Hinweis, dass die Kontrollstelle gleich kommen muss und in einem Skoda sitzt.
Nun war ein wenig Panik angesagt, was wenn ich den Kontrollpunkt nicht hatte, gabs dann keine Zielzeit oder gar keine rote Wandernaddel, wofür und nur dafür 😉 wir das hier alles auf uns nahmen? Hmm. Die Übermüdung ließ die Gedanken schnell wieder vergessen. Ich hatte auch zu laufen und damit genug zu tun.
Ich wurde durch einen heranbrausenden Pickup aus meinen Gedanken gerissen, der den halben Weg hinter sich her wirbelte. „Ihr seid zu schnell“ tönte die Stimme aus dem Auto, als meine Karte die aktuelle Zeit erhielt.
Kurz vor Leutra schaltete ich dann auch meine Zeitmessung wieder ein, die ich in völliger Umnachtung irgendwie am (noch nicht vorhandenen) Kontrollpunkt vor 3 Kilometern ausgeschaltet haben musste. Egal. Ich lag gut in der Zeit, war das erfassungslose Wegstück gelaufen und schätzte auch die zurückgelegte Strecke seit Stopp (wie ich dann erst am PC feststellte) fast genau. Respekt. Ich war also noch fit, trotzdem ich kurz vor km 70 war.
An Leutra vorbei gings in den Wald, meine Lampe hatte auch schon mal heller geleuchtet, ich wollte aber in Anbetracht der Morgendämmerung nicht noch mal neue Batterien einlegen. Ein Fehler, wie sich alsbald zeigen sollte.
Ich konnte wirklich kaum den verwachsenen Weg erkennen und so musste ich mein Tempo entsprechend anpassen. Endlich erreichte ich Mauas Dorfstraße. Die Turmuhr schlug halb vier und ich hatte mal wieder eine zeitliche Orientierung. Selbst wenn ich jetzt nicht mehr laufen würde, würde ich die Zielzeit 15 Stunden gut schaffen können. Ich war wieder mal hoch motiviert, sicher auch über…, und joggte bis zur Rabenschüssel. Hier sollte ich meinen Meister finden. Erst fand ich den Einstieg nicht, dann nicht den richtigen Weg, sodass ich Minutenlang im Unterholz rumkroch. Ich konnte den Weg einfach nicht finden. Wunderte mich nur über die herrlichen Sandsteinfelsen, die ich erstmals sah. Mein „Teelicht“ auf dem Rübchen hatte auch schon mal Licht gespendet und Batteriewechsel im dunklen Wald … Horrorszenario.
Ich kletterte den Hang hoch und wollte den Weg über die Felsen erreichen, doch aussichtslos. Ich hatte wirklich Panik, da kein Weg, nicht mal der, auf dem ich gekommen war, zu finden war. Ich musste nach unten rutschen, in der Hoffnung auf einen Feldweg zu treffen, den ich irgendwie von einem Laufausflug in Erinnerung hatte. Man war das ein Dickicht. Ich rutschte und kletterte, schob Gebüsch zu Seite, stieg über Äste und loses Geröll. Zum Glück war der Waldboden trocken. Was mir aber auch völlig egal war. Nach fühlbar endlosem Krabbeln traf ich völlig unerwartet auf den erhofften Weg. Puhh, war ich erleichtert. Da weiß man, warum man Trailschuhe anhat. Jeder andere Schlappen wäre reif für die Mülltonne gewesen.
Ich joggte den ganze Weg zurück und wählte den Umweg über Sulza, um dann dahinter wieder auf den Originalweg zu treffen. Die Rabenschüssel ist mein Déjà-vu, denn bereits in 2009 hatte ich mich hier verfranzt, jedoch nicht so heftig. Hier hatte ich nun über 30 Minuten für die letzten 2 Kilometer verbraucht. Na ja. Ich hatte aber wenigstens raus gefunden. Alles andere war völlig Zweitrangig. Und war wenig später auch völlig relaxt, als ich wieder auf dem Pfad war. Im Nachhinein glaube ich, dass ich einfach viel zu kaputt war, um mir tiefere Gedanken über das Ereignis zu machen. Es ging nur noch bis zum nächsten Teilziel und das hieß Zöllnitz. Bis dorthin war nun Jogging angesagt. Auch hier ein unbedeutender Umweg, da ich irgendwie zum Verpflegungsstand wollte. Dieser ist aber nur auf der Uhrzeigersinnrunde hier und so gings über ein paar Treppenstufen auf den Originalweg zurück.
Als ich die A4 unterquerte klingelte das Telefon. Es war gegen 5 Uhr und ein Wegweiser zeigte „Lobteburg 10km“. Also waren es bis zum Verpflegungsstand noch gut 8,5 km oder 1:15 Stunden, wenn ich auch laufen konnte. Erst mal gabs aber einen Powerbar. Ich durfte den Ernährungsfehler vom OEM hier nicht machen. Also aß ich immer rechtzeitig. Ich traf bereits optimistische Zielankunftsaussagen: „zwischen acht und halb neun bin ich da“ so die optimistische Aussage am Telefon. Es stand noch ein guter Halbmarathon auf dem Frühsportplan, aber ich fühlte mich ganz gut und wollte im Zweifelsfall die letzten 5 Kilometer im 5:30-er Tempo durchlaufen. Was man sich so denkt nach knapp 11 Stunden auf den Strümpfen.
Es ging nach Imnitz hinauf und wegen der Steigung und der Kühe, deren Areal wir durchschritten war an laufen nicht zu denken. Selbst beim gehen dachte ich, mir reißt die Achillessehne ab, so steil war es stellenweise. Doch ab km 82 begann ich wieder langsam zu traben, leicht bergan aber mein seit km 50 zelebriertes „Freuspiel“ verschaffte mir scheinbar die notwendige Power. Es ging jetzt immer locker im 8 min Tempo zur Sommerlinde, die ich gegen halb sieben zu erreichen glaubte. Langsam begann ich zu rechnen und dachte anfangs, ich hätte mich geirrt. Doch es war so, ich konnte sogar noch unter 14 Stunden ins Ziel kommen. Es war kaum zu glauben, aber es war möglich.
An der Stelle, an der ich noch vor 2 Jahren völlig entkräftet im Wald saß und gegessenen Riegel nicht mehr verdauen konnte, joggte ich „locker“ bergan und konnte es selbst kaum fassen. Ich war so voll Adrenalin, ich kriegte mich selbst gar nicht mehr ein. Ich lief und das richtig konstant und schmerzfrei (na fast).
Mein Forerunner funktionierte immer noch und konnte bei der Tempofindung wirklich gut unterstützen. Plötzlich sah ich das Schild „Verpflegungspunkt“, das da bergauf zeigte. Ich lief selbst diesen steilen Anstieg hinauf und war froh, dass der Kontrollpunkt besetzt war. Ich musste mich ein wenig gedulden, um meine 2 Colas zu kriegen. Hatte aber viel Spaß mit den netten Helferinnen und Helfern. Sogar ein paar gute Schnappschüsse vom „ersten am Verpflegungspunkt“ wurden geschossen.
Darauf gab ich aber nicht wirklich was, denn ich wollte nur unter 14 Stunden bleiben, ein Traum schien sich zu erfüllen. Ich schätzte die Entfernung auf 13 Kilometer. Dafür hatte ich also noch 1:40 Stunden Zeit.
Die Getränke mobilisierten noch mal die letzten Energiereserven, sodass ich mich bei einem 7 min Tempo einpegelte. Ob Steigung oder Gefälle, jetzt zog ich durch. Ich war vollgepumpt mit Glückshormonen, sodass ich jetzt den Indianer machte, den, der keinen Schmerz kennt. Kurz vor viertel acht kam ich im Penickental an und musste erst mal telefonieren, dass es doch noch vor acht was wird mit dem Zieleinlauf.
Man war das ne Wucht, man hätte mich jetzt nicht filmen dürfen. Ich stellte meine Uhr auf die neue, veränderte Laufstrecke um. Jetzt konnte mich nur noch ein verlaufen von der Traumzeit abbringen. Ich ließ es ruhig angehen, hatte aber eh kein wirkliches Geschwindigkeitsgefühl mehr. Die ersten beiden Kilometer passten aber mit 6:30 und 5:50 min/km ganz gut in den Plan. „Am Geißberg“ stand auf dem Straßenschild, hier musste ich abbiegen, obwohl die Karte etwas anderes zeigte. Durch die veränderte Streckenführung war es etwas komplizierter als sonst. Doch immer saßen mir die Gedanken im Nacken, dass ich mich vor 2 Jahren auch auf dem letzten km verfranzt hatte. Das durfte nicht wieder passieren. Die Zielankunft war knapp genug für die „große Zeit“.
Nun gabs sogar ne Wandermarkierung, der ich folgen konnte. Ich erinnerte mich des Weges, den ich vor knapp 14 Stunden in umgekehrter Richtung gelaufen war. Mein Tempo war im hohen 6 min Bereich, ich hatte es fast geschafft. Noch diese Straße runter und … ich war falsch … Doch ich erkannte das Sporthotel und konnte der gesperrten Straße folgen, die mich mit eine paar Soli-metern in USV-Stadion brachte. Ich lief zum Tor, wo ich bereits erwartet wurde.
Der Zieleinlauf war sehr unspektakulär, da noch nicht geöffnet. So bejubelte ich mich selbst und legte meine Karte im Anmeldebüro auf das Erfassungsgerät.

Zieleinlauf ohne Offizielle

Puhhh. War ich im A…. Jetzt fiel die ganze Anspannung von mir ab. Meine Beine machten, was sie wollten nur nicht was sie sollten. Ich konnte nicht liegen und nicht stehen. Krämpfe durchzuckten meine Oberschenkel. Aber egal. Sitzen ging. Ich war Brutto die Nummer 3 im Ziel und Netto der 8. Alles in einer Zeit, die ich selbst nicht für möglich gehalten:

13:45:02 Std. (3:45 Std. verbessert). Uuuuunglaublich.

und das bei dem Höhendiagramm:

Das sind schon ein paar Hügel drin

Nun begann die lange Zeit des ungeduldigen Wartens, wann unsere anderen beiden denn das Ziel erreichten. Ich duschte in aller Ruhe, beobachtete den Aufbau des Verpflegungsstandes und genoss die ersten Brote und den ersten Kaffee.

Zwischenzeitlich machte ich es mir in der Halle bequem, konnte aber vor lauter Cola, Freude und anderer Zutaten (wie Schmerzen) nicht schlafen. Aber allzu lange mussten wir auch nicht warten. Auch der Landschaftsflitzer hatte eine neue Bestzeit aufgestellt und auch Juliregen kam kurze Zeit später. Sie hatte die totale Einsamkeit gesucht und sogar aufs Handy verzichtet. 😉 Alle drei kamen wir mit neuer Bestzeit ins Ziel, sodass jeder für sich ein Topevent erlebte.

Danke natürlich auch an unsere Bodencrew, die in Ermangelung massiver Selbstteilnehme arg dezimiert war. Im nächsten Jahr wieder? Na auf jeden Fall, die rote Nadel muss durch eine weiße (im Jahr 2013) ersetzt und außerdem … es gibt noch einen Streckenrekord auf der Runde im Uhrzeigersinn zu knacken.

Blick auf einen Teil der Strecke ... 24 Stunden danach