Ohne Machete in der „Rabenschüssel“

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Montag – Lauftag. Die Abstinenz der Hügel konnte ich gerade noch bis zum Feierabend ertragen, dann gings auch schon „an den See“. Während in meiner Heimatstadt dunkle Wolken am Himmel hingen, empfing mich am Rande der Mecklenburgischen Schweiz der herrlichste Sonnenschein.

Hochplateau Retzow

Auf Grund meiner kleinen „Fußpflege“ kam ich erst etwas später auf die Strümpfe. Dafür war ich auf (fast) alles vorbereitet. Sogar meine Gamaschen hatte ich heute übergestülpt. Die Laufschuhe vom Samstag waren über und über mit Pflanzenresten befüllt. Kaum zu fassen, dass ich mir keine Blasen gelaufen habe. Aber sicher habe ich an den entscheidenden Stellen schon welche? Ich sockte in Malchin los und genoss das lange Stück herrlichsten Radweg. Meine Unterschenkel füllten sich etwas ungewohnt an. Na ja. Muskelwachstum eben, was sonst? Nach 4 Kilometern war ich dann halbwegs in den Lauf gekommen und hoch gings, die 90 Hm nach Remplin. Dort angekommen musste die K-Pause vorbereitet werden, mir blieb aber auch nichts erspart. Weiter gings nach Gülitz, auf dem Weg dorthin war es mir sogar vergönnt, 4 Wanderer oder Dorfbewohner oder die Kombination aus beiden zu treffen. Ich grüßte freundlich und erreichte den kleinen Ort an der L20.
Entgegen dem Plan umrundete ich den Ort und lief nicht den altbekannten Heuweg hinunter. Das Wetter war herrlich. Leichter Wind, wolkenfreier Himmel und ungetrübter Blick auf den Kummerower See.

So muss ein Laufabend sein, paradiesisch. Am nächsten Abzweiger folgte ich dem zerfahrenen Waldweg, das Unheil nahm seinen Lauf. Der Weg war gerade noch zu belaufen vor lauter Schlamm. Und als dieser aufhörte und in einen Waldweg überging, nahm der Bewuchs ständig zu. Konnte ich anfangs noch renn, musste ich im weiteren Verlauf in leichten Trab, dann ins Gehen und später ins steigen (über die Rosenranken) übergehen. Man war das ein Schei… Weg. Typisch für mich. Ich finde immer diese Wege, die manch anderer vergebens sucht. Versuchte ich anfangs noch, den Brennnesseln auszuweichen, galt es im Weiteren die Beinverletzungen durch die Rosendornen so gering wie möglich zu halten. Die Nesseln brannten nur, doch die Dornen rissen an mir rum, die Schlingel. Schmerz lass nach.

Nach gefühlten endlosen Kilometern (ich glaube es waren 700m) konnte ich einen befestigten Weg ausmachen. Ich nordete mich ein und folgte dem Schotter nach links. Der Wald lichtete sich und ich stand plötzlich auf einer kleinen Lichtung, die den Blick auf den See freigab. Ich stieß etwas unterhalb des Holzweges auf den Radweg nach Jettchenshof, dem ich dann bis Malchin folgte.

Ich konnte nun den ganzen Schaden an den paar freien Beinstellen begutachten. Keine offenen Wunden und kein fließendes Blut. Alles gut, nur der normale Brennnesselschmerz. Nach knapp 18 Kilometern war ich am Auto angekommen. Die Steigestrecke drückte dann doch meine Pace ein wenig.  1:42 Stunden war ich dann doch wieder durch Berg, Tal, Schlamm und Unterholz geschlumpert. Aber Spaß hats gemacht, im Nachhinein gesehen. Glücklicherweise hatte ich Tageslicht und konnte so das „Drama der Rabenschüssel“ abwenden.

Morgen wird in jedem Falle regeneriert. Meine Unterschenke bleiern etwas. Zuviel ZugspitzextremberglaufVideo geguckt. 😉