Transvulcania 2015: Wieder kein Stenogramm 06.Mai (Caldera de Taburiente)

Gestern war es endlich soweit, die Startnummern konnten in Empfang genommen, das große Festzelt öffnete seine Zeltwände. Zeit für mich, dem ganzen Trubel zu entfliehen.

Der Taxistand, nur einmal die Zielgerade der Transvulcania hinunter, war schnell erreicht. Auch über den Preis für die Fahrt in die Angustia Schlucht konnten wir uns schnell einigen. Die Taxometer sind hier eh meist ausgeschaltet. Nein, das hinunter laufen in die Schlucht ist weniger reizvoll. Man läuft die ersten 3 Kilometer nur durch die Randgebiete von Los Llanos auf Asphalt, stets Höhe gewinnend, was sonst 😉 um anschließend einen mehr als abschüssigen Singletrail zum Parkplatz zu rutschen. Meine gewählte Laufstrecke war ansich schon lang genug. So konnte ich mir das unattraktive Startstück sparen.

Erst mal einfach nur hoch, das war eindeutig

Erst mal einfach nur hoch, das war eindeutig

Bis zum ausgewiesenen Wanderschild brachten mich der T4. Danke. Nach passieren der Schlucht geht es gleich zur Sache. Auf knapp 6 Kilometern steigt es ganz ordentlich an. Hat man anfangs noch die Kraft und vor allem die Motivation, bergan zu tippeln, verlässt einen beides recht schnell. Viel zu schön ist dier Aufstieg, ihn im Tunnel zu verbringen. Immer wieder eröffnen sich Weitblicke ins Tal, auf den Bejenado, den Pfropfen vor der Caldera und auf den Crater selbst.

Nur wenige Straßenstück sind zu passieren, bevor man den finalen Anstieg, an einer Rohrleitung entlang, erreicht hat. Dachte ich anfangs noch, dass es sooo steil ja nicht ist, kam es zum Ende dann doch so dick, wie in der Erinnerung vorhanden. Schließlich erreicht man nach gut 4,5 Kilometern die offizielle Zufahrtsstraße zum Los Brecitos Pass. Schier endlose 1,7 km (lt. Wanderschild) gilt es nun an den Felsewänden entlang der Straße seine Aufwartung zu machen. Aber auch das ist irgendwann geschafft. Mann konnte zumindest entspannt laufen und Calderaglotzing betreiben.

Das Panorama wurde immer besser.

Das Panorama wurde immer besser.

Am Pass angekommen, Fotostop ein Muss, stürzt man sich dann gleich auf den Wanderweg LP13. Neudeutsch Singletrail, der auf gut 6 Kilometern bis zur Playa de Taburiente verläuft. Nur wenige Wanderer begegneten mir heute. Was dem Flow dienlich war. Dieses Stück zähle ich zu den schönsten auf der ganzen Insel. Also natürlich das, was ich kenne. An den Kurven ist stets Vorsicht geboten, die ein oder andere spitzwinklige mit garantiertem Absturz in den Krater ist auch dabei. Viele der kleinen Brücken sind erneuert, die Geländer wurden, auch an „meinem“ Tag, gerade frisch überholt. Eine Augenweide. Auch der Wegezustand … tadellos.n Nur wenige, neue „Aufschüttungen“ hatten die steile aufragenden Felswände vorgenommen.

Ich geh am Stock ...

Ich geh am Stock …

Viel zu schnell erreichte ich die Playa. Die Aufforstungsmaßnahmen, die vor einigen Jahren begonnen wurden, tragen erste Früchte. Es „bewaldet“ sich. Der Gesteinswanderung scheint Einhalt geboten. Auch die Zona Acampada hat sich schick gemacht. Ein einziges Zelt konnte ich ausmachen. Ich hingegen tischte mir mein Mittag auf, genoss die Ruhe und Abgeschiedenheit. Hier hört man einfach nur Natur. Wäre da nicht das neue Gefährt vorbei gekommen. Offenbar zur Bewirtschaftung von Zeltplatz und Playa eingeflogen. Schnell war wieder Ruhe … hier kann man Stunden ins Nichts hineinhören. Die Kulisse der Caldera liefert das Flair für einen perfekten Rastplatz.

Playa de taburiente. Kaum Gumpen zum Baden. Was man sich bei dem einstellig warmen Wasser wohl auch zwei Mal überlegt.

Playa de taburiente.
Kaum Gumpen zum Baden. Was man sich bei dem einstellig warmen Wasser wohl auch zwei Mal überlegt.

Nachdem mein Laufshirt getrocknet, die Trinkflaschen im Fluss gefüllt waren gings downhill in die Angustiaschlucht hinunter. Auch hier hat man in den vergangenen Jahren viele Wege dauerhaft befestigt. Die zahllosen Erdrutsche und Gerölllawinen, die hier sehr oft nieder gehen können so weniger Schaden anrichten.

Nicht kleines, großes Paradies.

Nicht kleines, großes Paradies.

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Cascada Colorades

Knapp 400 Höhenmeter später, dabei werden knapp 2 Kilometer zurückgelegt, erblickt man den gelben Fluss. Ein extrem eisenhaltiges Gewässer, dessen „Quelle“ an der Cascada de Colores zu liegen scheint. Schnell hat ich diesen erreicht. Durch das momentane Niedrigwasser kann man den Wasserfall ohne Kletterei erreichen. Schnell noch ein Foto gemacht (lassen) und schon war ich wieder unterwegs. Unterwegs im Bachbett der Angustia.

Ich konnte den kompletten Barranco ohne Umgehungen, gebaut an kritschen Stelle bei hohen Wasserstand, durchlaufen. Mir ist das in all den Jahren noch nie passiert. Um so schneller war der Spaß dann auch vorbei. Eine Steilstufe allerdings verlangte etwas Kletterei. In jedem Falle meine Topempfehlung für Trailrunning. Allerdings sollte man schon ein wenig geübt und trittsicher sein. Bewegt man sich doch die komplette Strecke im Geröll und zwischen mittelgroßen (und größeren) Kieseln.

Lauftraum in Stein

Lauftraum in Stein

Bei 240 Höhenmetern war mein Startpunkt erreicht. Die Uhr hatte km 20 oder 21 gespeichert. So genau weiß man das eh nicht in den teils GPS-losem Barranco. Nun wurde es warm, wenn gleich der Wind stets spürbar war. Der Weiterweg bis El Puerto ist nun nicht mehr offiziell ausgewiesen und auch ein wenig weglos. Was man so Weg nennt in einem Flussbett. Einige unkletterbare Steilstufen gibt es auch. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diese bereits einmal umgangen hatte. Es würde mir wieder einfallen, wenn ich dort sein werde.

Heute war das Bad geschlossen. Heute konnte man durchrennnn

Heute war das Bad geschlossen. Heute konnte man durchrennnn

Und es fiel mir wieder ein. Ein Tor war zu übersteigen, eine Brücke mit anschließendem Felsklettern war zu absolvieren und ein nicht mehr beschreibbarer Umgehungsweg wurde genommen. Der Weg zieht sich endlos hin. Ich wusste es noch von der Erstbegehung. Allerdings erwarteten mich auch wirklich schöne Felsformationen, die aber auf Grund der fortgschrittenen Laufdistanz kein Foto wert waren 😉

Endlich, die Brücke der Hauptverbindungsstraße nach Tijarafe kam in Sicht und wurde durchquert. Die Restdistanz nun überschaubar. Ja, ich schwächelte und stieg am kleinen Kirchlein zur Asphaltstraße auf. Ich hatte die letzten 2 Stunden genug Barranco gesehen und verzichtete auf die abschließenden Geröllimeter.

Nach knapp 27 Kilometern erreichte ich die Playa von Tazacorte. Es wirklich wunderschöner Ausflug ging zu Ende. Zielbier und Cola mussten sein, bevor ich den Bus ins 7 Kilometer entfernte Los Llanos nahm.

Endlich ist der "Sprungturm" weg. Playa de Tazacorte

Endlich ist der „Sprungturm“ weg. Playa de Tazacorte

Die Startnummern für Transvulcania und Kilometro Vertical wurde auch noch abgeholt. Im zweiten Anlauf freilich erst. Wer hat schon aufm Trail einen Ausweis dabei? Somit gings dann frisch geduscht und Sonnenbrandversorgt noch einmal los. Eingekauft habe ich schon wieder nichts. Das kann so nicht weiter gehen 😉

Doppelt hält zwar nicht besser, aber länger. giveaways Transvulcania 2015

Doppelt hält zwar nicht besser, aber länger.
giveaways Transvulcania 2015

Heute ist mein letzter kompletter Tag in Los Llanos, denn morgen früh gehts nach Santa Cruz, der Inselhauptstadt. Mann will ja auch noch was sehen, bevor es am Samstag früh um drei Uhr zum Faro geht. Ach und einen kleinen Berglauf gibt es heute Abend ja auch noch. Leider weiß ich immer noch nicht meine Startzeit … So habe ich heute noch eine Pfadfinderaufgabe. Zur Erklärung. Im letzten Jahr wurde zeitversetzt gestartet. Die Newbies mit 1 min Abstand und die Eliten mit 30 Sekunden Abstand. Also wenn @frosty an mir vorbei geflogen kommt, dann war ich zu langsam. Doch um wirkliche pace geht es da eh nicht. Für mich jedenfalls nicht. Bin ja kein Bergspezialist. Eher wohl etwas masochistisch veranlagt 😉