Transvulcania 2018 – das nächste Aufbegehren

In diesem Jahr fiel ich im Spätherbst, dann, wenn ich meine Jahresplanung mache, über die Transvulcania. Was will man dort, wenn man schon dreimal gefinished hatte. Zwischen 12:03h und 13:26 Stunden glaube ich mich zu erinnern, habe ich hier schon das Ziel gesehen.

An diese Zeiten in diesem Jahr heranzukommen, wir illusorisch und das war auch nicht das Ziel. Nach drei Jahren mal wieder die komplette Insel zu überqueren, den Spirit der Palmeros aufzusaugen, eine der schönsten Landschaften, die ich kenne zu erlaufen. All das war für mich Ansporn genug, noch einmal eine Woche auf der IslaBonita, wie sie zurecht genannt wird, zu verbringen.

Gute Anreise, gutes Hotel. Norddeutsches Wetter mit einschalten des Scheibenwischers, als ich vom Aeroporto ins Hotel Castillete am Ende der Avenida Maretime reiste. Direkt am Atlantik gelegen, Zimmer mit Meerblick und viiiiel Platz waren Grund genug, die ersten Tage in der Inselhauptstadt zu verbringen. Am Montag ging es dann weiter in den Norden, den blühenden mit den Mutantenplanzen, viele endemische unter ihnen.

Das Wetter auch hier oben nicht so prall. Wolkenverhangen präsentierte sich die Insel auch hier. Was aber im Norden keine Überraschung ist. Der Ausflug auf den Roque de los Muchachos natürlich ein Muss. Ein bissl Höhenluft schnuppern und über den Wolken sein, wenn es denn funktioniert. Es funktionierte und meine sich anschließende Inselrundfahrt ein bissl nostalgisch. Viele der bekannten Orte wurde mit Bildern aus vergangenen Reisen verknüpft. Es war großartig, wieder „zu Hause“ zu sein.

Höhenprofil

Am Donnerstag, meinem Abreisetag kam dann endlich die Sonne heraus. Am Abend hatte ich für den „Vertikal Kilometer“ gemeldet. Ein Bergsprit, bei dem man vom Hafen in „Puerto de Tazacorte“ auf den Torre des Time lauft. Dabei geht es nur die ersten 4 km auf der GR131 entlang. Dann wird auf den Kraterrand verzweigt und nach kurzer Eingewöhnung folgt die Kletterpassage. Ich finishte in 1:31 h. Was gar nicht so schlecht ist, für meinen Nichttrainingszustand. Liest sich in den Ergebnislisten natürlich anders. Die Hautevolee der Berglaufszene war am Start und auch die, die es werden wollten.

Nach 7,2 Kilometern am Torre del Time

Der erlebnisreiche Rückweg wurde in diesem Jahr per pedes zurückgelegt. Immer den GR131 entlang. Downhillpassage beim 2 Tage stattfindenden Transvulcania Ultra Trail. Eine kurze Passage hängte ich mich ungefragt an die Laufschuhe von Laura und Viek. Regenerativ downhillend kann Mann da gut mitlaufen und ein paar Technikstudien betreiben. Ja, ich bin auf dem richtigen Weg.

Immer schön folgen

Zurück zum Donnerstag. Mein Hotel konnte mir keine Info zum vorzeitigen Check-in schicken, besser war es im Nachhinein betrachtet auch, und so hatte ich Zeit. Die offiziellen Busse zum racestart fuhren um 15:00 Uhr. Check-in war 14:00 Uhr. „Genug“ Zeit, noch ein paar Barrancos zu machen. Einer sollte es werden. Aber Mann kommt ja nicht mehr los. Strahlender Sonnenschein, freier Blick bis zum amerikanischen Kontinent, wenn denn die Erdkrümmung und andere diesige Gründe nicht dagegen sprächen. Als ging es mit dem viel zu großen Auto für viel zu wenig Geld nach La Toska. Aussichtspunkt und Startpunkt der GR130, dem zweiten großen Weitwanderweg (160 Meilen lang, hört, hört!). Alle Wanderungen im Norden starten meist hier und so auch meine. Lange, also seit 4 Jahren, war ich hier nicht mehr unterwegs und so gab es den einen oder anderen Aha-Effekt. Mich deucht, der erste Stint nach Gallegos verlief früher anstrengender. Vielleicht täusche ich mich?

Es war einfach wieder spektakulär, was sich dem trailrunner da bot. Ganz klar, dass ich nach dem ersten Barranco nicht loslassen konnte. Karte in der Uhr gecheckt. Bis La Palmita sollte es passen und dann per Straße zurück ging trotzdem irgendwie, aber nicht die ganze Strecke. Ich musste noch mal in den Barranco und folgte meinem Hinweg zum Auto.

Schnell umgezogen und ab in die Hauptstadt, was ja auf so einer Insel schon mal 60 min dauern kann auf der 30 km Strecke, wenn man schnell fährt. Ich tat es. Fenster auf, Radio auf Anschlag. Die Landschaft kroch an mir vorbei. So muss es im Himmel sein, ohne diesen ohrenbetäubenden Lärm natürlich.

Der Freitag hieß dann Erholung. Die Bergkletterei vom Vortag war mir nicht in die Beine gestiegen. Offensichtlich hatte ich richtig dosiert und meine Beine nicht in Tazacorte gelassen. Um sicher zu gehen joggte ich am Abend noch mal eine kleine Runde zum Hafen. Alles gut, alles fit. Also alles fit genug, so meine professionelle Diagnose 😉

Raceday- es geht los

Glücklicherweise hatte ich am Nachmittag ein paar Minuten die Äuglein zugeklappt und die Systeme auf null gefahren. In der Nacht vor dem race war nämlich an Schlaf nicht zu denken. Halbstündlich checkte ich die Uhr bis ich mich dann gegen zwei für aufstehen entschied. Raus aus dem Becklaken und … Zeit totschlagen. Die Transferbusse, die 2500 Läufer an den entferntesten Punkt der Insel bringen, führen von Santa Cruz gegen 3:30 ab. Zeitiger da sein, muss man auf La Palma nie. Ich war es trotzdem, hatte ich ja Zeit ohne Ende. Astronomische 5 min vor der Abfahrt stapelte sich bereits die sportlich gekleideten Menschen am „Busbahnhof“ der Inselhauptstadt. Ich drängelte mich ordentlich vor. Stellte mich irgendwo gelangweilt ab und folgte dem Schauspiel der Buseinweisung. Natürlich gibts die hier nicht. Am ersten Bus fängt es an und irgendwann ist der Bahnsteig leer. Alles managend bei Busfahrer. Keine Kontrolle irgendwelchen Tickets oder Startnummern. Logisch, denn wer stellt schon vor dem ersten Fischspringen des Nachts an eine Bustasche.

Das Glück des trailrunnenden untüchtigen stellte sich auch dieses Mal wieder ein. Reihe eins mit freiem Blick auf das, was in den nächsten 60 Minuten passiert. Anreise zum Faro de Fuencaliente. In hochmodernen Reisebussen quälten wir und die „Gassen“ zum Faro. Die unsäglich lange Reise stoppte erst 1 km vorm Start. Man stelle sich vor, dass 50 Busse eine Sackgasse hinunterfahren, Menschen in die Nachtentlassen, drehen und wieder zurückfahren müssen. Und da Prozedere funktioniert so perfekt. Ein Genuss dazuzuschauen und …. Je länger man im Bus sitzen darf, umso weniger die Zeit, die man im Farosturm verbringen muss.

Reise, reise …

Kurz vor 5 wurden wir aus unserm Bus gekippt. Wind, der dir fast die Startnummer abreißt. Gut, dass ich diesem Mal keine Jacke vergessen und auch den Kopf ordentlich gebufftuched hatte. Sollte man tun.

Viel rumgestehe gabs nicht. Schnell noch die Wasservorräte in die Schwabbelflaschen gekippt. Eine der Masterflaschen wurde gleich vor Ort entsorgt, der Rucksack war dann auch erst einmal nass. Dichtigkeitsprüfung nicht bestanden. Holzauge hatte es geahnt und noch eine dritte Flasche im Beutel. Dichtigkeitscheck bestanden!!!

Pflichtausrüstungskontrolle vor dem Zugang zum Start. Und zwar für alle! Das war auch neu. Hatte ich meine Rettungsdecke mit? War die überhaupt Pflicht. Viele Dinge hatte ich auf dem Rücken, die ich immer mit nehme auf den längeren Trails. Aber das Ding. Wo ich eh mir noch immer nicht merken kann, wie rum ich das Ding anziehen muss. Rein logisch betrachtet die wärmespeichernde bunte Seite noch außen? Ich weiß es nicht und benutzt habe ich das Ding eh noch nie nicht.

Morgens um 5 am Faro de Fuencaliente

Im Startbereich wurde sich dann erfolgreich nach vorn gemogelt. Essentiell, um längere standings zu vermeiden. So war die Regel bis gestern. Jetzt ist es Wurst. Zum entzerren, hust, hust, wurde die Startsequenz auf die Asphaltstraße verlagert und so kam es halt 10 Minuten später zum Megastau. Ich möchte zwar nicht altklug erscheinen. Aber das war eine Nullnummer. Wenn die Strecke dann noch einen Kilometer länger wird und du keine Asphaltsprints im 5 min-Tempo magst kann du dich im Start hinstellen, je nach Festigkeit des Standplatzes. War ein Versuch und der macht hoffentlich klug.

Auch die große Einpeitschernummer, eine Stunde vor Start beginnend, gab es oder gibt es nicht mehr. Oft kopiert und nie erreicht. @depa_runner ist halt nicht zu kopieren. Die Interviews der Elite lieben ein wenig Kenntnisse missen. Oder die Eliten sind halt in der Frage nicht mehr die, die ich kenne. Ich denke, mit dem Moderator steht und fällt es und es fällt. Sorry. Das soll den Vorstart in keiner Weise schmälern. Man war wirklich bemüht und als dann endlich der „Thundertruck“ aus den Boxen schallte war auch der letzte wach. Der kam dann 10 Minuten nach dem Start. So liest man von 4 verspätet startenden.

Viel verpasst hatten sie nicht, denn anstellen bei der Einfädelung auf den Trail kannste dich auch dann noch. Sorry, aber muss einfach noch mal vertieft werden.

Es geht endlich los, Abenteuer Transvulcania, die vierte.

Wir verließen den Asphalt und zeigten ins Labilifeld ab. Noch vor hundert Jahren soll es noch gar nicht existiert haben. Kein Wunder, dass man auf dem frischen Zeug gleich erst mal den doppelten Rittberger probiert. Vulcanogestein ist scharfkantig und es bleibt in der Haut stecken. Gleich zweimal, kurz hintereinander, suchte ich Bodenkontakt. Nichts Schlimmes. Prellung rechte Mittelfinger und Hautabschürfungen links inclusive Daumennagelverkürzung. Es blutete wie S… Jetzt das Medipack rauskramen. In dem Staub und Gewühle. Keine gute Idee und so entschied ich dann auch richtig. Die Stöcke waren noch am Rucksack verstaut. Der Großteil der Läufer hielt sich auch an das Stockverbot auf den ersten 7 (jetzt 8) Kilometern. Kontrolliert wurde es (leider) nicht.

Höhenprofil – copyrigt by transvulcania.info

Warten, wandern, rumstehen, wandern, Geschrei ertragen (den Ichsuchmirjetztmaleineneigenenweg-Läufern gewidmet), rumstehen. Langsam antraben. Nach 4 Kilometern (alt 3) kann man erstmals freilaufen. Der Teneguia, jüngster Vulkan im Reigen der Vulcanos im Süden, ist passiert. Fahrstraße, Drecksweg. Es staubte gewaltig. Auch mein Buff half da nur wenig, hatte ich doch die Wahl zwischen Staub einatmen oder beschlagene Brille. Ersteres war meine Wahl.

Einige Begrüßungen gab es nach dem Start. Wie erkennen die mich von hinten, im Dunklen? Die Atmung muss es sein oder eher die Nichtatmung. Ich fühlte mich gut, lediglich die wenigen Lampen hinter mehr gaben mir deutlich zu verstehen, heute hast du dich verzockt. Als der siebte Kilometer die Fenix erleuchteten ließ, erreichten wir den finalen Anstieg zum Vulkan Antonio.

Lange vorher schon an der Traubenbildung an seinem Eingang zu erkennen. Da war viel Läufermaterial unterwegs. Als die Ursache des Staus, der länger als nötig dauerte, erwies sich eine kleine Kletterstelle mit Baumwurzel … soll ichs rausschneiden? Ich konnte es nicht ändern und fügte mich, wie 2000 andere Ultra Trailrunner auch.

VP-1 Los Canarios

Nach endlosen 1:35 Stunden (für 8 Kilometer!!!) erreichten wir den ersten VP. Ich hatte bereits eine Flask in den Körper geschüttet. Macht halt durstig, dieser erste Stint. Da es bereits hell wurde, war die Stirnlampe nicht mehr gefragt. Bereits am Antonio hatte ich die Funzel nach hinten befördert, gleichsam die Jacke, die ich die ganze Zeit in dem „Sturm“ anhatte. Auf die Sunglasses verzichtete ich vorerst. War der Sonnenaufgang noch ein paar Minuten entfernt.

Schnell verließ ich den VP wieder. Meine Wunden an den Händen versorgte oder lies ich auch nicht versorgen. Nach der anfänglichen Bummelei saß mir die Zeit im Nacken. Der erste Cutoff war schon immer sportlich. Nach fünf Stunden muss man in El Pilar sein. Hat dabei bis km 17 die Hälften der Anstiegshöhenmeter hinter sich und muss danach noch schlappe 58 km rennen.

Hast Du in El Pilar keine Beine mehr, wirds Böse und spätestens am Roque de Los Muchachos ist die Reise zu Ende. Brauchte ich 2015 (nur) 1:17 Stunden, und da war ich schon langsam unterwegs) machte sich der Mehrkilometer schon bemerkbar. Ob ich viel mehr rungestanden habe weiß ich nicht, gefühlt aber weniger oft.

Zügig gings weiter. Stöcke aus dem Rucksack holend. Endlich meine Poles benutzen, was in 2015 auch noch (offiziell) möglich war. Autsch. Die ersten (Kilo) meter waren mehr als schmerzhaft mit den Vulkanen in den Händen. Immer wieder versuchte ich einen anderen Griff. Die fehlende Haut fehlte aber auch an genau den richtigen Stellen 😉 irgendwann fügte ich mich in mein Schicksal und redete mir ein, dass sich das Schmerzzentrum verlagern würde, im Verlaufe des Rennens. Was man sich so einredet. Verlagerung hatte heute Wochenende und war im Urlaub.

Irgendwann überholten uns die ersten Halbmarathonis, für die in El Pilar Schluss war. Erklärbar ist dadurch trotzdem nicht, welchen Zaubertrank es braucht, diese Geröll- und Kohlenhalden hinauf zu laufen. Ich hatte den nicht und stapfte tapfer in Wüstenmanier in die neuen „Treppen“ oder nutzte die Spuren meines Vorläufers. Klappt hier nicht so gut, die in the dessert. Aber geht ein bissl.

Erstmals aß ich ein GEL. Vier hatte ich griffbereit, die gleiche Anzahl noch mal im Tornister. Ich will mich ja bessern und regelmäßig GELen. Zumindest am Mitnehmen ist es nicht gescheitert 😉

Nach den ersten 10 Kilometern war ich dann im Rennen. Rechnete immer ein bissl rum ob der verlorenen Zeit und des Mehrkilomers. Ich glaubte in 2015 nach 4:35 h im Refugio gewesen zu sein. Nein, es war nach 4:10 Stunden, wie ich jetzt weiß. Hatte ich mich zu sehr geschont, war zu langsam gestartet. In jedem Fall war es ein wildes rechnen ab den Deseados, wann ich denn ankomme. Es würde knapp werden und ich musste überholen. Einige Läufer hatten sich hier schon aufgegeben, in der Leistungsklasse wo ich heute rumdümpelte, und hatte das laufen vergessen. Nach dem San Joan musste ich mich dann von einigen verabschieden. Cutoff verzeiht keinen Fehler und den Mehrkilometer rechnet dir auch keiner drauf. Kennt Mann ja.

Also war zügigeres Joggen als bisher angesagt und ich kam ganze 4 min vor Cutoff in El Pilar an. Hier dämmerte mir erstmals, dass hier was nicht stimmte. Was machte ich heute? Das Feld würde sich lichten, die Strecke würde leichter werden. Das gesetzte Ziel, den Muchachos nach 10 Stunden zu erreichen schien greifbar. Was ich nicht bedachte, in welchem Läuferumfeld ich mich heute befand. Sicher war hier (hinten) nicht ein unerheblichen Teil von Muchachos-Finishern unterwegs. Die DNF Rate liegt bei ca. 650 Läufern von 2000. Das ist schon mal ne Ansage. Bis ich zu dieser Erkenntnis kam, sollte das Rennen noch eine Weile andauern.

Ich suchte mir also, wie immer, eine Gruppe, mit der ich mitlaufen konnte und von der ich glaubte, dass die das Tempo machen. Recht schnell ist Mann zum Reventon-Pass hinübergelaufen. Auch nicht so sonderlich schnell. Aber ich war viel gelaufen und hatte wenige Pfützen erwischt. Ab El Pilar setzte die „Suppe“ ein und so sahen die Wege dann auch aus. Dabei liefen wir immer noch nicht in den Wolken. Vielmehr umgehen sie uns im akzeptablen Abstand.

Meine Wüstenslicks waren da zeitweise etwas überfordert. Aber die Füße hatten es gut und das war die Hauptsache. Lediglich der Staub in den Schuhe und die kleinen Steine nervten etwas. Mehrmaliges auskippen war nicht wirklich die Lösung. Der Feinstaub geht auch durch die Socken und es war nur eine Frage der Zeit, wann meine aufgebrachte Flüssigvaseline abgeschmirgelt war. Es war erträglich. Also ließ ich es passieren, wie es passierte.

Nach dem VP4 am Pass

… folgt der Weg nun der neuen GR 131 durch den Wald. Mittlerweile waren wir in den Wolken, zumindest hatten sich diese im Wald ordentlich abgeregnet. Entsprechend sah der schmale Pfad aus, der uns durch Unterholz führte. Schöner Weg zum Wandern, wirklich. Erstmals (und auch) zweifelte ich an meiner Schuhwahl.

Recht kurz ist der Trail, bevor er wieder auf die Fahrstraße mündet. Die endet wenige Meter später und wir sind wieder auf mir bekanntem Transvulkania-Terrain unterwegs. Mittlerweile hatten wir uns an die Wolken herangearbeitet und waren nun mitten drin, statt nur dabei. Die Winde, die in solchen Wolken herrschen, sind nicht zu unterschätzen und auch die Feuchtigkeit gleich einem gepflegten Regen.

Regenkleidung hatte ich keine dabei. Lediglich zwei winddichte Jacken, sodass deren anziehen auch keinen wirklichen Pluspunkt bring. Also ließ ich alles am Ort und hoffte auf das baldige Ende der Wolkenfahrt. Immer noch war ich in „meiner“ Gruppe unterwegs, was beim zum nächsten VP am Pico de Las Nieves auch so bleiben sollte. Die Kilometrierung meiner Fenix passte exakte auf die des Veranstalters plus der aufgebammelten nextkilometer an jedem VP. Natürlich den Mehrkilometer vom Start dazu gerechnet.

Irgendwann ist dann auch die schönste Steigerei zu Ende. Hier passiert es, wenn man über den Pico Ovejas zum Pico Corralejo aufgestiegen ist. Hier brauche ich kein roadbook. Die steinigen Gesellen sind mir in ewiger Erinnerung geblieben. Gern denke ich an unsere erste Überschreitung im Jahr 2003 zurück. Das war dort, wo wir alle 30 min pausieren (man war ich mal fit 😉 ) mussten und erstmals auf dem Pico de La Cruz unterm Sternendach übernachten durften.

Heute hatte ich keine Übernachtung eingeplant und so hieß es zügig weiterreisen. Am Corralejo gehts dann endlich wieder laufbar weiter. Kurze Zeit später wird das Roquen-Refigio erreicht. Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Tage (oder Wochen) hatten den Regenwasserspeicher am Refugio gut gefüllt. Reichlich wurde davon Gebrauch gemacht. Waren es von hier ja noch gut 6 – 7 km bis zum nächsten VP. Immer wieder eine kritische Stellen, wo man mit 1 Liter Wasser zwischen Reventon und (jetzt) Pico de Las Nieves NICHT auskommt. Ich hoffte auf das bekannte Depot und hatte mich nicht verzockt. Im Jahr 2015 gab es übrigens bis Pico de La Cruz KEINEN VP mehr. Helden eben, die damals unterwegs waren. Ach ja und warm war es auch noch.

Davon waren wir heute weit entfernt. Die Sonne strahlte mittlerweile ganz ordentlich aber ihre wahre Power behielt sie für sich. Nachfolgend war jetzt wieder eine wenig Kletterei angesagt. Der ein oder andere verweilte nach diversen Anstiegen bereits am Wegesrand. Uuiii, hier schon? Mir ging es gut oder wusste ich, was kommt oder eher nicht.

Wenig später nach vielen laufbaren Passagen, wenn man es dann tat und nicht im Verkehr steckte oder mit ignorierten Passo-Rufen beschäftigt war, erreichten wir den für mich neuen Teil der Strecke. Die GR 131 wird verlassen und man folgte der Ausschilderung zum Exit an der Pista zum Roque des Las Nieves. Ein schöner, laufbarer Weg, viele taten dies auch zu meiner Freude, bis zum Mega-VP auf einer kleinen Freifläche. Das gefiel mir hier wirklich gut. Ich habe mich ordentlich verpflegt und kurz gesessen und sogar mal mein IPhone aus dem Rucksack gekramt. In Ermangelung von Verstaumöglichkeiten blieb mir leider nur die unzugängliche Stelle innenliegend.

Verpflegungpunkt 200 hm unterhalb des Pico de Las Nieves

Was nun folgend sollte, erinnert mich an ein schlimmes Kapitel beim TDS oder Mont Blanc. Man hatte sie dafür entschieden, den Rückweg auf den Calderarand über die direkte Linie zu wählen. Im Schutze der Bäume wählte man noch ein paar Serpentinen. Weiter oben, die Baumgrenze war überschritten musste man gar böse über Geröll und Steine steigen. Der ein oder andere kam dabei ins Rollen.

Pause nach 44 Kilometern

Zum Glück kann und muss einem nicht alles gefallen. Die Rückkehr auf den GR 131, bereits von weit unten zu sehen war mein Highlight des VP Pico de Las Nieves. Der so gar nicht auf dem Pico war 😉 Nur 5,1 Kilometer waren zu absolvieren, um den nächsten VP unterhalb, so meine Vermutung und so war es auch, des Pico de La Cruz zu erreichen. Mein Kalkulator war wieder schwer am Rechnen. Bis zum Pico noch 5, von dort nach noch mal knapp 5. Viel Rennerei würde es nicht geben. Also sollte man zumindest den Versuch starten, den höchsten Punkt der Insel in 2 Stunden zu erreichen. Einige meiner Reisegesellschaft hatten sich diesen Punkt offensichtlich als Endziel gesetzt und wurde sich dann auch laufend bewegt. Hinzu kamen diverse Marathonis, auf deren letzte wir nun aufgelaufen waren.

Nuff, nuff, nuff

Kurz vorm Pico de La Cruz war es dann genug und mir platzte echt der Hals. Auf Passo wurde nicht reagiert, wenigstens auf den easy zu laufenden Passagen wurde der „Spacerunner“ nicht mehr ausgepackt. … Ich war freundlich, aber bestimmend. Zumindest passieren konnte ich nun und erhöht den Laufanteil zielführend. Am Pico de la Cruz verzichtete ich in diesem Jahr mal auf ein Foto und nutzte die freie Bahn für einen schnellen Downhill zum 500 m entfernten VP.

Baumgrenze erreicht

Ich trank einen Becher ISO oder auch 2 halbe und weiter gings im Sturm auf den Roque de Los Muchachos. Bereits knapp 10 Stunden war ich unterwegs. Unglaublich und gleichzeitig etwas fassungslos stand ich der Laufzeit gegenüber. Die Traverse zum höchsten Inselkraterrandzipfel ist technisch schwierig und nicht unter einer Stunde machbar. Mehr kann man wohl brauchen, trödeln war ja heute ein wenig Tagesmotto.

Die Strecke kannte ich sehr genau, wusste auch um die Tücken der langsamen Annäherung. Immer wenn man glaub, den Zielaufstieg, 90 Höhenmeter am Stück, zu sehen, schiebt sich noch eines kleines Spitzlein davon, das es zu übersteigen gilt. So ist es nicht verwunderlich, dass ich fast die verbleibende Stunde brauchte, den heiligen Berg nach 10:47 Stunden zu erreichen.

Endlich oben, das Dach der Insel war nach unterirdischer Zeit erreicht.

So richtig freuen konnte ich mich nicht darüber. So viel Zeit gelassen zu haben, machte ein bissl hilflos. Das es anders geht, wollte ich nachfolgend probieren. Zumindest den Abstand auf den Cutoff in erträgliche Regionen verschieben. Hatte ich mein Poster zu letzten Checkpoint auf ganze 13 min anwachsen lassen … gut, dass ich mich vor dem Lauf noch einmal mit Cutoff beschäftigt hatte. Auf Anfrage von Corinna. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen. Bei der Transvulkania Cutoffs nach hinten raus. Kein Gedanke nie nicht. wieder bewahrheitet es sich, dass nichts rein zufällig und ohne sinnvoll zu sein passiert.

Mit Sicherheit wäre ich sonst hier geblieben mit meinem Finish. Das Rechenwerk arbeitete wieder, wie so oft an diesem Tag. Leider. 3 Stunden bis zum Puerto nach Tazacorte und dann noch mal eine Stunde hoch zum Ziel. Wenn es gut läuft, sollte das machbar sein. Bis 22:00 Uhr musste Puerto de Tazacorte erreicht sein, wollte man sich in die finisherlisten in Los Llanos eintragen lassen.

Das loslaufen ist hier oben recht einfach. Folgt man doch erstmal dem Asphalt immer bergab auf der zentralen Zufahrtssackgasse zum Parkplatz am Berg. Mir tut jedes Mal das Herz weh, wenn ich sehe, wie weh man doch der Natur tut, schafft man solche Bergrouten. Heute tat was anderes weh, ich lief erstmals die Straße hinab. Versuchte dabei einen Riegel vom VP zu essen. Was bei mir in Bewegung nie funktioniert und so war es auch heute. Der Straßenrand freut sich darüber.

An der ersten Rechtskurve ist der Wanderweg zum Puerto de Tazacorte über den Torre del Time ausgeschildert. Dem folgten wir im Original bis zum bitteren Ende. Anfangs, die ersten 4 Kilometer geht es leicht Höhe haltend, manches Mal auch gewinnend, am Calderarand entlang.

Das nunmehr wolkenfreie Wetter ließ und bis zur Playa der Taburiente auf 750 m hinabblicken. Ein wunderschöner Platz mitten in der Caldera. Ein kleiner Zeltplatz, wo zum Schutz der Natur sogar das Kochen verboten ist, auf dem man unbedingt mal übernachtet haben sollte. Achtung! Anmeldung in der Nationalparkverwaltung im Besuchszentrum El Paso nötig. Hups, schon wieder ausgeschweift. Es ist aber auch wirklich traumhaft dort unten, wo es keinerlei Fremdlärm außer den eigenen gibt. Baden kannst Du in den Gumpen der zufließenden Flüsse. Wenn man die einstelligen Temperaturen des nimmer nachlassenden Wasserzuflusses denn mag. Mir war es zu kalt, eindeutig. Damals, in jungen Jahren … 😉

Ich lief weiter. Die Läuferdichte nun im mir bekannten und beliebten Umfang. Immer wieder konnte man sich einen Läufer aussuchen, auf den man auflief. Achtung! Marathonis die man hier trifft sind nicht zum anhängen. Aber auch Ihnen verdient höchster Respekt und Anerkennung. Viele suchen sich diesen als ihren ersten Marathon aus. Respekt 45 km mit über 2000 hm im technisch schwierigen Anstieg. Mutig, mutig.

Schnell kam ich voran. Ich hatte mich auf eine pace von 5-6 km/h geeinigt. Geeinigt mit mir selbst? Es war seit mehreren Stunden durchgängig sonnig. So richtig heiß aber nicht, denn es wehte ein kühler Wind, was sich aber mit Erreichen der Baumgrenze ändern sollte. Diese wurde unterhalb eines Zeitmesspunktes bei km 58 erreicht. Ich lief in meiner Wunschpace. Zwei Stunden bis zum Torre sollten locker laufbar sein. Und die waren es dann auch. Meine Füße verhielten sich mehr un- als fällig. Alles unverändert, irgendetwas kratzte im Schuh. Wurde aber weder besser, noch schlimmer. Also sparte ich mir das nervöse SchuhausSchuhanspiel. Verdreckt wie ein Minenarbeiter war den StatusQuo zu erhalten wohl nicht die schlechteste Entscheidung.

Ehe ich mich versah waren die ersten 5 Kilometer geschafft. Fast genau eine Stunde hatte es gedauert, diesen Punkt zu erreichen. Ich war zufrieden mit mir, hatte mich in meine Situation gefunden und leibäugelte insgeheim mit eine 14:xx Stunden Zielzeit. Da ich aber um die Tücken der letzten 5 km wusste, zermarterte ich mir nicht den Kopf mit weiteren Gedanken daran. Wenn es nicht passiert, geht die Insel nicht unter, so mein Mantra. und es half.

Die nächsten 5 km bis zum Torre passierte im Schnelldurchgang. Der Weg wurde immer durchgängiger laufbar. Die Stellen mit losem Gestein, an denen ich lieber einen Gang zurückschalte, wurden weniger. Ich erwartete das Wanderschild mit dem Abzweiger nach Jedey. Von dort, so wusste ich noch aus vergangenen Jahren waren es noch 2 km. Zuvor erreichten wir noch den Hoya Grande. Hier hatte sich wieder einige Sanitäter „zusammengerottet“ und verbreiteten gute Laune. Wie überhaupt gibt es hier so viele Sanis entlang der Strecke, wie selten irgendwo. „Marathon des Sables“ natürlich ausgenommen. Aber die haben auch Autos, was hier an den meisten Stellen ausgeschlossen ist.

Übrigens habe ich in diesem Jahr erstmals den Heli im Einsatz gesehen. Als nämlich eine Läuferin mit der Winde und geschientem Bein in den Heli gezogen wurde. Ich wüsste nicht, ob die mich da hochkriegen. Das höhenängstliche Geschrei wäre auf der halben Insel zu vernehmen. Die Bergung passierte am Pico Ovejas auf ca. 1900 m Höhe im Wolken aber nicht sturmfreien Gebiet.

Da kam endlich das Wanderschild nach Jedey. Wie vermutet steht eine 2,1 auf dem Schild, will man zum Torre del Time gelangen. Die Temperaturen weiterhin unverändert (für mich) erträglich. Nur der Wind war weg. Somit war es auch wenig verwunderlich, dass ich erstmals im Rennen alle Getränkevorräte aufgebracht hatte. Meine beiden 500 ml Flasks sind nun auch nicht so die Ausbeute. Aber es reicht an normalen Transvulkaniarennen.

Noch 500 m trennen die Läufer, wenn sie am Torre vom Trail auf die Fahrstraße wechseln. Hier kann man noch einmal einen gepflegten Jogg zum VP hinüber auflegen oder man genießt die Sonne und lässt sich noch mal schön das Fell verbrutzeln. Ich entschied auf beider, kippte mir das Restwasser in den Nacken und freute mich wie ein kleines Kind auf die Restdistanz. Alles war jetzt so klar und fassbar. Erst zwei Tage zuvor war ich beim „Vertikal“ hier oben gewesen. War die nächste Teilstrecke bis zum Puerto gelaufen. Das schafft absolute Sicherheit und Lauffreude. Wie immer, so geht es mir bei intensiven Vorbereitungen, wenn man die Laufstrecke in allen Details trainiert und verinnerlicht hat. Ich wusste nun wieder genau wo welche technisch schwierige Passage zu erwarten war und wo du einfach nur aufs Gas treten kanns. Die Beine freilaufen kannst.

Am Torre des Time ists (fast) geschafft

Am VP trank ich nur noch ISO, zwei Becher, wie immer. Alles andere wäre wieder im Graben gelandet. Schnell noch die ultimative Abkühlung. Gaaaanz langsam das Wasser über den Kopf, den Nacken und die Schultern kippen. Ich hätte Stunden so gebückt stehen können. Ja, hier konnte man dir‘s so richtig besorgen. Oh, sorry.

Schnell ging es die Betonstraße hinab um schließlich im besten Karrenweg ever auf La Palma zu landen. Dier Karren, der hier hinauf gezogen wird kommt nicht weit. Ich tänzelte von Stein zu Stein, meine Stöcke wurden nur wenig gebraucht, die Balance zu halten. Überholt wurde auch, wenngleich die Anzahl der Läufer extrem dezimiert war. Klar, es waren 600 Läufer weniger im Rennen und ich rollte das Feld von hinten auf. Also ein kleines, klitzekleines bisschen.

Das Highlight, die Highlights des Streckenabschnittes erwarten dich bei km 68,4 und 68,9. Wie jedes Jahr giere ich förmlich danach und die Perfektion dort greif weiter um sich. Erster privater VP bei km 68,4 verspricht Cervesa und vino blanco or tinto. Ich beschränkte mich auf Cervesa. Ich kann euch sagen, so ein Bier hast du noch nicht getrunken, wie Dir nach 13,5 Laufstunden die Kehle runterfliesst. Ich bedankte mich lieb und freundlich und schlug dann doch die Einladung zum vino 50m später aus. Meine Ausrede, ich hätte schon cervesa wurde lächelnd angenommen. Danke, ihr Lieben.

Asphalto hinunter nach Tazacorte- Puerto

Weiter auf dem Trail, über den ich nach dem Hochgenuss von Getränk geschwebt sein muss. Immer am Gas geblieben, 500 m lang. Eine Fahrstrasse wird erreicht. Immer hinunter laufend erreichst du kurz vorm nächsten Abzweiger auf den Trail das „Hornissennest“. Hier ist Party angesagt. Begrüßt wirst Du mit einem Wasserschlauch, viele Läufer wurden zum Bild gebeten, sodass ich in Ruhe (wenn auch alkoholfreies) Cervesa genießen durfte. Herrlich. Das zweite war ja noch leckerer. Ich musste aber, sorry. „Natürlich ist das alkoholfrei“ wurde mir in englischer Sprache zu verstehen gegeben. Also wäre das total Wurscht, ich nehme auch richtiges Bier. Bedacht, um unsere Gesundheit. Ich verstehe das ja.

Da wir nicht zum Trinken (allein) hier waren verabschiedete ich mich höflich, erklärte dem Streckenposten am Abzweigen noch die Getränkesituation, von der dieser offensichtlich eh nix hatte. Aber ich war so froh und selig. Ich musste einfach mal einen volllabern. Und der passte mir perfekt … 😉

Noch 7 km bis zum Ziel

Nun läuft man an der wohl längsten Trockensteinmauer La Palmas entlang. Nach jeder Kurve kommt wieder eine Kurve und Kurve und Kurve und wenn es sich nach gefühlten, ganz vielen hundert Metern ausgekurvt hast, dann siehst du den „Mirasdor el Time“. Von dort noch ganze 5 Kilometer bis zum Hafen. Das Ziel war so greifbar nah. Die Restkilometer nun einstellig, was immer als ein besonderer Moment bei meinen Ultras empfunden wird.

Am Mirador dann noch ein kleiner Stimmungsherd. Die Straße komplett gesperrt für den Augenblick des Passierens. Es ist Transvulkania-Zeit und da wird alles für den Lauf getan. Selbst im Bus wirst Du gefragt ob Du teilnimmst und welche Strecke oder im T-Shirt-Laden von älteren Menschen, also noch älteren Menschen ;-). Ich bin immer wieder fasziniert, dass dieses Feeling und der Spirit auch in der 10. Austragung noch da ist.

Am Mirador biste schnell vorbeigeflogen. Noch mal ein Gracias, Graaacias. Das klatscht alles, was da rum stecht und den kleinen wird erklärt, wie sich richtig ein givefive machen müssen. Sooo herrlich.

Blick vom Abstieg nach El Puerto ins Aridanetal – Passatwolke fetzt

Schnell noch den Asphalt zur nächsten kleinen Siedlung gejoggt. Nicht ohne noch einmal den herrlichen Blick auf die Passatwolke zu genießen und zu fotografieren. Das zweite Mal, dass ich mein Fotoeisen gezückt. Schade. Aber die Bilder im Kopf kann mir eh keiner nehmen. Verlässt man den Asphalt zum ersten Mal und verzweigt auf den Schotterweg muss ich immer an der Levada anhalten, mich vor dem finalen Abstieg noch einmal zu wässern. So auch heute. Einige Plätze büßt man dabei ein. Das Frischegefühl aber ist es allemal wert. Zwischen den Bananenplantagen nimmst Du die 45 Grad Gefälle zum letzten Stück Asphalt vorm Ziel. Dann endlich die Serpentinen „The wall“ hinunter. Wasser gabs zuvor auch noch einmal. Die Anwohner des kleinen Meilers überhalb des Strandes machen an transvulcaniaday offensichtlich ihr Weilerfest. Ein kleiner Imbisswagen ist aufgebaut und Wasser gibt es bis zum Platzen.

Ich hörte vorher auf, beschränkte mich auf den Anstandsbecher. Es ging hinab 250 Höhenmeter auf knapp 1 Kilometer und ich war auf 5 m ÜNN angekommen. Durch ein Spalier aus Urlaubern, Angehörigen von Läufern, Neugierigen, Spontanhieranwesende. Die Stimmung, da auch Ziel des Marathons, kennt hier keine Grenzen.

Wie ein kleiner Zieleinlauf mutet das schon an, läuft man für die Zeitmessung durch das Marathonziel. Kurz dahinter ist die Verpflegung beschriftet für den Ultramarathon aufgebaut und zwei Duschen stehen bereit, dirs wieder so richtig …. ihr wisst schon. Zu groß die Verlockung, den Kopf komplett in einen der beiden übervollen Bottiche zu stecken. Ich ließ es laaaaangsam rüberkippen. Zwei Becher ISO gönnte ich mir noch, bevor ich, durch die Absperrung gelassen das Duschzelt entdeckte. Eine komplette Drehung im Zelt und du bist sowas von durch und frisch. Nein, eine reicht. Ich muss weiter.

Die Strandpromenade, Hände abklatschend erreichte ich die Treppe zum Strand. Vorsicht, schoss es mir gleich in den Sinn. Vor drei Jahren war ich hier böse umgeknickt beim übermütigen Hinunterstürzen. Heute gibt alles unfallfrei vonstatten und hinein ins Flussbett der Angustia. Das schlimmste Stück der ganzen Transvulkania. Ganze 2 km musste durch dich da durchquälen. Gott der Transvulkania lasst das Straßenstück (bis 2014 gelaufen) zurückkehren.

Endlich durften wir raus aus dem Kies und Kieseln. Verletzungsfrei erreichte ich den letzten finalen Anstieg. Ein Kilometer, der kein Ende nehmen will aber irgendwann dann ENDLICH vorbei ist. Die letzte Hausecke, der letzte Rechtsschwenk und du bist drauf auf dem geilsten blauen Radweg ever. Ganze 2 Kilometer lang darfst Du dich nun auf den roten Teppich vorbereiten. Bei mir rast dann der Tag noch mal vorbei. Erinnerungen als er 2ß13 kurz vor der Transvulkania fertig wurde, der blaue Teppich.

Hände wurde abgeklatscht. Gracias ohne Ende. Powerarme gezeigt. Ein sehr emotionales Ding, wer es denn zulässt.

Der erste Zielboden und dieses Mal keine Doppelkurze zum Plaza de Espana. Direkt rauf auf den roten Teppisch, die ganze Straße hoch bis zum Kreisverkehr. Der Teppisch war gigantisch lang. Nie zuvor war ich so lange zieleingelaufen und obwohl es bereits 9 Uhr am Abend war, war das Spalier voller Leute. Ich lief und lief und lief und … Endlich der Zielbogen. Die Zeit habe ich gar nicht gesehen, hat mich auch gar nicht interessiert.

Zieleinlauf. Stöcke hoch. Ich war fertig, war durch. Hatte den klangen Tag zu einem guten Ende gebracht.

Nach 15:05 Stunden (inoffiziell)

finishte ich meine 4. Transvulcania. Nun war ich also auch noch ein Space-Runner. Alda war das ein Tag.