Mein zweiter Start im Garraf-Nationalpark

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Die letzte Ölung vor der Wüste soll es werden und den ganzen Tag plagten mich Zweifel, ob es denn so schlau ist, bei vorhergesagten 11 Stunden Dauerregen durch halb Europa zu fliegen. Die Bilder aus dem vergangenen Jahr zeigen das gleiche Bild, wie es uns vielleicht in diesem Jahr erwartet. Da musst du den Kopf ausschalten und dich darauf besinnen, was du kannst. Einen Ultratrail finishen …

Nun hab ich mich entschieden. Ja, es macht Sinn, solange ich verletzungsfrei bleibe und die Füße nicht zu Schwimmflossen werden. Zwei Wochen vor Marokko werde ich die 70 Kilometer rocken. Die mentale Vorbereitung durch das finalisieren des roabooks abgeschlossen. Castelldefels ich komme …

Somit geht es am Donnerstag hinunter in den Nationalpark bei Barcelona oder den Strand der Barcoloneten, oder wie sagt man. Es wird toll und spannend, wie fit ich nun wirklich bin. Vor allem im Kopf …

Veranstaltervideo

http://trailrunningimnorden.de/unter-leuten/laufevents-2017/long-trail-barcelona-2017/

TransGranCanaria 2017, meiner kleiner Marathon des Sables

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Fast zwei Wochen war ich bereits auf Canary islands unterwegs, bis endlich das erste Laufevent des Frühjahrs stattfand. Ich hatte mich in diesem Jahr für die Bambini-Variante entschieden. Zwei Marathons sollten reichen, die aktuelle Form für mein Abentteuer des Läuferlebens zu checken. In Anbetracht des kurzen Abstands zum Wüsten-Etappenlauf, lediglich 6 Wochen trennen die beiden Ereignisse, hatte ich mich für die schnellere, kürzere Variante entschieden. Ein paar Höhenmeter hatte auch der „Trans Gran-Canaria-advanced“. Der Veranstalter gibt 4300 hm im Aufstieg an. Hört sich ja immer gut an. Meine barometrische Zwiebel hatte bereits im letzten Jahr keine 8km im Aufstieg für das Vollprogramm ermittelt. Und sollten es auch in diesem Jahr keine 4,3km werden. Wichtig ist das nicht wirklich, doch irreführend …

Bereits zwei Tage vor dem Start hatte ich meine Unterlagen abgeholt. Ich hatte mich die letzten Tage vor dem Event in direkter Nachbarschaft zur „Expo-Meloneras“ eingemietet. Zum Eventgelände war es lediglich ein 15-minütiger Spaziergang.

Das bekannte Bild. Der Andrang hielt sich in Grenzen

Tags darauf dann gönnte ich mir ein paar Veranstaltungen, die „Arista“ ins Programmheft geschrieben hatte. Zunächst die Vorstellung der Eliten, die man eingeladen hatte. Eine nicht uninteressante Veranstaltung. In diesem Jahr nicht im (nicht) nahe gelegenen H10-Hotel, sondern im Auditorium der Expo. Gleich im Anschluss fand das racebriefing statt. Auch mal interessant, daran teilzunehmen, obwohl sich der Mehrwert für Wiederholungstäter in Grenzen hält. Aber gut und informativ gemacht.

Die Eliten, wie es der Veranstalter sah

Lediglich die Wetterprognosen waren etwas haarsträubend. Sollte es doch Regen geben und kalt sollte es auch werden. Ich war perfekt vorbereitet für einen Regenlauf 😉 Die Regenhose im dropbag und bereits auf dem Weg dorthin und die regendichten Socken im heimischen Sportzimmer.

Wenigstens die Regenjacke, da in der Pflichtausrüstung vorgeschrieben, füllte meine Rennweste. Viel gab es nicht mitzunehmen. Mein mobiles Verbands- und Nasenbluteneindämmungsset war ja notwendig. Also wandere auch das auf den Rücken. Meine Petzl NAO incl. Reserve Akku, Not-Flask und zwei Trinkflaschen komplettierten das rückwärtige Transportbehältnis.

Vom UTMB im letzten Jahr bewährt Solimans-Belt. Hier stopfte ich meine Tagesverpflegung rein. Hammer, was Du da alles reinfrickeln kannst. Für mich ist das Ding die perfekte Sofortzugriffsoption.

Es geht dann mal langsam los

Endlich war der Tag des Wettkampfes gekommen. Ich wurde pünktlich 20 Minuten vor dem Wecker wach. Die innere Uhr funktionierte schon mal ganz ordentlich. Schnell war das Fertigfrühstück, auch heute wurde Fertignahrung, es gab Proteinmüsli; für die Wüste getestet, zubereitet und verspeist. Ein Beutel Mousse de chocolate als besonderes Schmankerln der Traum schlechthin.

Nach bewährter Manier schnell die Checkliste abgearbeitet, alle Sachen, bereits am Vorabend mundgerecht am Boden drapiert, angezogen, bis nix mehr da lag und schon konnte es losgehen. Kurze Wanderung zum Expo Gebäude, Teelicht lieber mal eingeschaltet. Trail auch bei der Anreise.

Die Busse standen bereits abfahrbereit neben dem Haupteingang zum Gebäude. Versiert und professionell wurden die Läufer auf die Busse verteilt. Nicht ohne vorher die Startnummer zu checken, auf der der angemeldete Abfahrtspunkt aufgedruckt war. Perfekt!

Sorgen bereitete mir ein wenig die Sitzposition. Da ich nicht so der Busreisende bin, sitze ich gern vorn, habe den Überblick. Die Reise sollte länger dauern (ca. 2h) und es ging auf schmalen Zufahrtswegen nach Fontanales hinauf. Meine Sorge erwies sich als völlig unbegründet. Zweite Reihe, Gangplatz. Es lief heute irgendwie 😉 Somit konnte ich das Reisegeschehen hautnah verfolgen. Auch der schnelöle Fluchtweg war gegeben 🙂 Pünktlichst wurde abgelegt. Start zur großen Inselumrundung, morgens 4:15 Uhr auf Gran Canaria. Nach Autobahn kommt „Bergpfad“. Ich glaube, dass wir eine Stunde vor dem Start in Fontanales eintrafen. Nicht einmal zwei Stunden hatte die nächtliche Reise gedauert. Drittes perfekt am Renntag. Das vermittelte Sicherheit. Im kleinen Bergdorf hingegen war es erwartet kalt. Die kleine, dünne „Montane“, neben der schweren Regenjacke, ja immer die richtige Wahl. Das Bufftuch übern Kopf und Mütze und Handschuhe an. Ich hatte offenbar gelernt und mit dem Funktionsstöffchen schleppt man sich ja auch nicht wirklich ab.

Der Ort schlief noch, als jeder mit sich beschäftigt, dem Startzeitpunkt entgegenfieberte. Wer Lust auf Abwechslung hatte, stellte sich entweder an den 4 Klohhäuschen an oder schlenderte zum VP hinüber, den mehr oder weniger zahlreich die Teilnehmer des 125-er Inselrundlaufs frequentierten.

Die bekannten blaue Hüttenfeeling

Es war angerichtet

Einzig mögliche Beschäftigung … Schlange stehen

Ich entschied für keiner von beiden, zunächst. Reihte mich dann aber doch noch einmal vor den blauen Wanderhüttchen ein. So hat man noch mal eine wirkliche Aufgabe und die Zeit vergeht schneller. Es war immer noch stock dunkel, aber regenfrei (yes!!!) als zum großen Sammeln in die Startaufstellung gerufen wurde. Es gab mehrere Abtrennungen. Je nach Leistungsklasse. Ich habe keine Ahnung, was ich angegeben hatte. Die A-Zielzeit hieß etwas um die 17 Stunden. Also war ich wohl bei 12h+ genau richtig. 😉 Das Starterfeld eh recht übersichtlich. Es gab wohl ein Limit? Ich kann es nicht sagen. Ich schätzte auf 400-500 Läufer, was sich an der kleinen Kirche hinter dem Startbogen postierte. Da ich bereits meinen MP3-Player scharfgemacht hatte, hörte ich nichts Genaues mehr. Ob es Volksreden und/oder Elitenennungen gab? Ich habe es nicht bewusst wahrgenommen. War auf mich und meine Tagesaufgabe fixiert. Und damit war ich ganz gut ausgelastet.

Vorstart-Anspannung

Die Meute wurde losgelassen

Punkt sieben ging Bewegung durchs Feld. Es wurde gestartet. Die geölten Blitze rannten erst mal los, als gäbe es kein Morgen. Ich ölte hinterher. Was willste machen, wenn Du im vorderen Drittel platziert bist. Hinauf den dicksten Anstieg, den das Dorf aufzuweisen hatte. Wenn alle losrennen, wie von der Tarantel gestochen, gibt es bald eine Einfädelung auf den Trail und so war es dann auch. Es staute sich. Wie immer gab es du Ungeduldigen, die sich vorbeimogeln müssen, wollen, können. Der Zeitverlust marginal, bei dieser Distanz. Also stellte ich mich ordentlich an und genoss den langsamen Start in die Tagesdistanz. Immer wieder kam es zu kleineren Stockungen. Immer wieder auch die Überholomaten, die es einfach nicht lernten. Es war schlammig und glitschig auf den Abstiegen im Hinterland der Weiler, die passiert wurden. Ich musste tierisch aufpassen, dass meine Surfbretter, die ich heute unter den Füßen hatte, nicht zum Bumerang wurden.

Die Hokas (Clifton 3 Ausgabe 2016) waren sohlenmäßig nach 600 Kilometern am Ende. Vulkangestein tötet jeden Schuh. Dennoch war es mir wichtig, die Dämpfung und das Durchschlagen der Steine auf der langen Runde zu testen. Am dropbag nach (knapp) dem ersten Marathon gab es neues Schuhmaterial. Gleiches Fabrikat (2017-er Edition). Frische Sohlen, Megadämpfung für den Megadownhill nach Tunte hinunter.

Meine Surfbretter – bei km 39 gänzlich hinüber

Vorerst aber war es noch nicht soweit. Die Stöcke waren bei dieser Wegsituation Goldwert. Ab 3000 hm laufe ich eh nicht mehr ohne. Es hilft nicht nur bei der Balanceunterstützung im Abstieg, sondern entlastet ungemein im Aufstieg. Da ich nun auf Doppelstocktechnik umgesattelt habe. Hilft ungemein. Nur den Armen tuts nicht gut, ist man untrainiert. 😉

Die eingeschlagene Startpace entscheidet aus meiner Sicht über den Rest des verbleibenden Rennens. Das, was ich die ersten 10 km laufe, bringe ich auch meist über die Distanz hin durch. Ermüdungsfaktor und Nachtzuschlag dazu gerechnet. Da ich heute nur eine halbe Nacht zum Ende zu laufen wollte, hielt letzteres sich also in Grenzen. Und inwieweit ich ermüden würde, immerhin liegt der Löwenanteil des Anstieges im ersten Marathon. Mit denen Im Downhill verhält es sich genau anders herum. Perfekt für mich, der im Downhill besser vorankommt. An meinen Aufstiegsqualitäten muss ich weiter kontinuierlich arbeiten.

Meine Startpace war überraschend hoch. Im zweiten Kilometer schon mal eine 5-er Zeit. Das lief aufhorchen. Sofort checkte ich alle Verdächtigen. Alles gut. Fuß, Knie, Hüfte im Normbereich. Es lief ganz ordentlich an. Wollte ich eine Gesamtzeit um die 17 Stunden ins Ziel bringen sollte die Pace nie unter 12 min/km fallen. Was mit Glitschi und Schlammi auf den Wegen nicht so einfach war. Ein paar Staupassagen kommen dazu und nicht zu vergessen der Geröll-Barranco am Ende des Wettkampfes. Zur Sicherheit wollte sich das Nagetier noch den Virtuellen Partner einstellen. Doch er ist momentan nicht für Ultra Trails programmierbar. Bei 8:59 h endet der Wertebereich. Hm. Ultraläufer kennen ihre Pace ebenso 😉

Mein Roadbook

Zwischenstation nach km 7

Der ersten Cutoff-Messpunkt wird bereits nach sieben Kilometern erreicht. Hier gab es keine wirkliche Zeitnahme (oder doch). Sollten die Läufer über 2 Stunden bis hierher benötigen, geht’s hier schon mit dem Bus zum Ziel. Cutoff gebeutelt, wie ich von der letzten Saison noch bin, habe ich die Zeiten auch auf mein race-profil übernommen. Und noch 3-mal gegengeprüft 😉 (MB80 ich hör dir trapsen).

Ich lag locker in der vorgeschriebenen Zeit und es sollte so weitergehen. Nachdem wir Valleseco verlassen hatten, zogen wir über die Dörfer. Ein wenig hoch, ein wenig hinauf. Ein wenig rutschen, ein wenig fast hinfallen. Das Feld sortierte sich und Positionskämpfe setzten ein. Also so ein paar kleine. 😉 Schnell errechten wir Terror. Mein Bierladen vom letzten Jahr hatte noch geschlossen. Zu kurze Zeit auch unterwegs, um sich bereits eines verdienst zu haben. Es stand der erste nennenswerte Anstieg an. Über verschiedene Stufen wird bis kurz vor das Cruz de Tejeda aufgestiegen. Hier erinnerte ich mich an den Streckenverlauf vom vergangenen Jahr. Die Anstiege teilweise recht ordentlich. Allerdings gibt es immer wieder ebene Abschnitte, auf denen man laufen kann und sich die Muskulatur von der Hikerei erholen kann. Das macht es einfacher. Hier lief ich wohl zur Höchstform auf. Solange ich nicht im Verkehr stecken blieb, Single Trail macht langsam ;-), konnte ich gut durchlaufen. An dem ein oder anderen Anstieg musste ich auch überholen, sorry. Doch in dieser Phase des Rennens setzten bereits einige Ermüdungserscheinungen bei den Teilnehmern ein. Da kannst Du bei besten Willen nicht in 20 min/km Pace an der Perlenkette gehen. Alle Doppelstocktechnik und Vorbeirennen. Klappte mehrfach ganz gut.

Die landschaftlichen Ausblicke, die sich uns heute boten, waren besser noch als im letzten Jahr. Vielleicht war mein Augen aber auch noch empfänglicher. Man weis es nicht immer ganz genau. Kaum Nebel unterhalb vom 1200 Metern. Wir konnten wieder Santa Cruz ausmachen. Die Temperaturen immer noch recht frisch. Dennoch hatte ich bereits vor dem ersten VP meine Jacke in die Laufweste gestopft. Auch die Stirnlampe befand sich nicht mehr auf dem Kopf. Somit war auch Stirnband gegen basecap getauscht. Die Abläufe klappten heute ganz ordentlich.

Wir arbeiteten uns zielstrebig nach oben. Die Pace jenseits von dem, was geplant war und wir waren im schwierigen (für mich jedenfalls) Teil der Strecke unterwegs. Gemeint ist, ich war „zu schnell“. Immer wieder checkte ich die Füße, mein neuralgischer Punkt, schon immer, und auch das linke Knie. Auch dieses ist irgendwie eine Dauerbaustelle. Ist wahrscheinlich gänzlich hin 😉 Alles, wie gewohnt und so behielt ich die Pace bei. Irgendwann musste der Ermüdung einsetzen. Ich erwartete sie bis zum Ende des ersten Marathons.

Der erste Anstieg scheint geschafft

Wenn man den VP nach 21,9 Kilometern (offizieller Rennkilometer) erreicht hat. Kurz zuvor durchlief ich den ersten von 4 Halbmarathon in einer Zeit, die ich so nicht erwarten konnte. 3:38 Stunden brauchte ich für die ersten 21 Kilometer. Das war verdammt schnell für die geplante Zielzeit. Ich hätte fast eine Stunde länger unterwegs sein „dürfen“ Ich rechnete dann mal schnelle die Zeit hoch und überschlug mit Ermüdung um die 15 Stunden. Alter, was war das denn. Und ich spürte keine Einschränkungen. Nach dem VP, den ich lediglich zum Nachfüllen der Trinkflaschen benutzte, geht es dann noch einmal kräftig im Wald bergan, bevor die Fahrstraße zum Cruz de Tejeda erreicht wird. Hier war es im letzten Jahr schon reichlich wärmer. Heute stakten wir im Nebel rum. Es war kalt und feucht. Fürs laufen optimal und angenehm.

Recht zügig, einige Läufer überholend, erreichte ich den Asphalt zum Cruz. Leichtes Joggen nach der Kletterei immer wieder angenehm für die Muskulatur. Während die Fahrstraße verzweigt, verbleiben wir in der eingeschlagenen Richtung und wechseln auf den herrlichen Single Trail bergab. Hier konnte ich mich richtig ausleben. Es wurde gehüpft und gesprungen. Ich fühlte mich pudelwohl. Die schnelle Zeit im Hinterkopf verlieh scheinbar Flügel. Diese Zwischendurchsrunner-High sind einfach die geilsten. Ich kostete das Gefühl aus, solange es anhielt. Es schwitzten sogar die Augen bei dem Gedanken, zwei Stunden vor Wunschzeit ins Ziel zu kommen. Bis dahin war es aber noch ein Stück weg. Soweit nun auch nicht mehr, aber 60 Kilometer wollen erst einmal gelaufen sein. Zweistellige Distanzen sind dennoch immer etwas unaufgeregter, als die langen Kanten, vielleicht sogar noch 2 Nächte. Buhh. Heute nicht.

Am Cruz de Tejeda wechselten wir noch einmal auf die Fahrstraße. Nicht applaudierende Zuschauer wurden passiert. Auch der Esel, der Esel war anwesend und fast umgerannt, bevor wir den offiziellen Startnummernscanner erreichten. Wie bereits bisher insgesamt war der Laufweg nicht zu verfehlen. Die Ausschilderung wirklich vorbildlich. Teils wiesen große Pfeile im A4-Format auf den abzweigenden Weg. Nur gucken musste jeder selbst 😉 Ich habe mich übrigens nicht einmal verlaufen. Sicher ist Streckenkenntnis auch ein Faktor. Denn es wurde nun einsamer auf der Laufstrecke. Bis zum VP km 21,9 waren wir doch immer wieder in kleineren oder größeren Gruppen unterwegs.

es wurde hell, pünktlich

Nun wir Solorunning angesagt. Überholungen gab es nur wenige. In der einen, wie auch in der anderen Richtung. Laut offiziellem Zeitprotokoll habe ich ja nur überholt. Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst manipuliert hast 😉 Da ich nie an VPs länger als 1 Minute war, habe ich sicher auch hier viele Plätze gewonnen.

Es ging hinunter nach Tejeda. Auch dieser Teil der Laufstrecke war mir noch bestens in Erinnerung. Hier taten mir im letzten Jahr schon gut die Füße weh, hatte ich auch 42k mehr in den Beinen. Heute flog ich förmlich zum VP an der Kirche des kleinen Bergdorfes hinunter. Immer wieder 6:xx min/km Pace. Das war prima. Der weg technisch einfach und mit der Überquerung des Cruz de Tejeda, wir wechselten die Inselseite, empfing uns die Sonne. Die dominanten Fersen der Region kamen zum Vorschein. Zunächst liefen wir auf den „Roque Bentayga“ zu, bevor wir dann auch „The Rock“ zu Gesicht bekommen sollten. Mein nächster Mentalpunkt. Denn hier war der zweite große Aufstieg zu nehmen. Nicht so einfach, wie der erste. Die Phasen zum Beine lockern nicht so häufig. Die Steigung und technische Anspruch aus meiner Sicht höher.

Zunächst aber flog ich nach Tejeda hinab. Ich fand einen Mitläufer und so flogen wir in Zweierformation durch das Tal. Das brachte Spaß, das bring dich in den flow und es flow langanhaltend. Knapp 30 Kilometer sind vollbracht, hat man den VP an der Dorfkirche erreicht. Applaudierende Zuschauer, sicher Bodencrew, machen das Asphalt laufen durch das kleine Bergdorf angenehm. Am VP angekommen. Versorgte ich mich erstmals mit Tee. Ansonsten wieder Wasser in die andere Trinkflasche und eine Tablette mit Mineralien hinein. So lief das Procedere an jedem VP.

Es wurde immer besser.

Auch hier war ich recht schnell wieder weg. Im letzten Jahr noch recht war und ich war schattensuchend unterwegs, war es heuer sehr angenehm. Sicher hatte ich mittlerweile die Ärmlinge nach unten gestreift. Auch nach dem VP geht es weiter auf Asphalt. Immer Downhill. Es wird wieder Pace gemacht, vor dem großen Showdown zu „The Rock“. Wenn ich ihn „besiegt“ hatte, war das Rennen durch. So mein Mantra. Der Rest war Kür. Ich konnte 3 km nach dem einzelnstehenden Felsen neue Sachen anziehen. Das war gut. Ich hatte mir ein „Shanty“ ins dropbag gepackt. Das motivierte. Nach all der GELerei einen Biergeschmack im Mund zu spüren ist für mich soooo motivierend. Sagt man.

Meine Beine fühlten sich immer noch richtig gut an, obwohl bereits über 2000 Höhenmeter absolviert waren. Nun hieß es klettern und steigen bis zu einer Fahrstraße. Dass ein wenig Straßenjogging und noch den Rest zum Berg. Es ging wirklich zäh den Anstieg hinauf. Wenn ich die Fenix auf den Höhenmetermodus schalte, dann wird es immer zäh. Warum schalte ich eigentlich immer um? Ich muss drüber nachdenken?

Knipse blieb hier in Reichweite

Ich quälte mich richtig und war nicht der einzige. Immer noch mal klettern …. Wann kommt endlich die Straße. Der Höhenmesser schien sich auch nicht zu bewegen. Wie es einem so geht, wenn’s schlecht geht. Na ja, erstmals ein wenig angeknabbert. Nix dramatisches. So ein Seelentief, wie es immer mal passiert.

The Rock, mein Endgegner bis zum dropbag

Endlich die Straße. Ich musste irgendwas machen, um wieder „auf die Beine zu kommen“. Sicher auch ein Energieverlust. Zu wenig gegessen? Jetzt schon? Wir waren erst um die 5,5 Stunden unterwegs. Endlich kam sie. Die bereits im letzten Jahr genutzte Energiestation. In der Bar des Dorfes kaufte ich zwei Dosen Cola. Eine verschwand fast ansatzlos im Bach. Cola, nicht das Mixgetränkt der VPs. Lecker. Aber eiskalt. Das war nicht gut, vielleicht. Wir würden sehen. Bei nächsten Einkauf keine Kühlschrankcola nehmen!!! Dose zwei verschwand in meinem Bauchladen. Für später.

Die Kletterei begann wieder am Ende des Asphalts. Es war jetzt nicht mehr so weit. Doch auch drei Kilometer können lang sein/ werden. Und es wurde lang. Wir waren 4 oder 5 Läufer, die den Anstieg nahmen und ich war der Looser in der Gruppe. Konnte nicht Schritt halten, nicht ran laufen, keine Zwischenjogs. Ich musste die Phase aushalten. Sowas vergeht schneller, als man glaubt. Hauptsache in Bewegung bleiben und den Kopf frei kriegen. Ich bewegte mich. Ich fotografierte und ich stopfte GELs in mich rein. Mehr, als ich verarbeiten konnte. All das half über die zähen Kilometer hinweg. Es ging nun unterhalb des „Roque Nublo“ höhehaltend durch den Wald. Das war einfach, das war erholsam. Meine Kräfte kehrten zurück, der Kopf war wieder offen.

Der Schlußaufstieg zum Hochplateau, auf dem „The Rock“ festgeklebt scheint schon wieder im Hochgefühl. Es war vorerst überwunden, das Tief. Ich spürte es. Kilometer 36 wird offiziell hier oben erreicht. Meine Fenix zeigte nur ein paar Meter mehr an. Perfekt. Das Pflichtbild vom verlassenden Berg im Kasten. Die Zwischenzeit kurz vorher gescannt. Es ging zum Sachenwechseln.

Dropbags sind immer cool, ob sinnvoll oder nicht notwendig.

Der heutige wurde nach (nun) bekannten ups und downs am Fuße des höchsten Berges der Insel erreicht. Ich war noch ganz gut in Form. Nutzte aber trotzdem die Gelegenheit, eine Erholungspause einzulegen. Am Eingang des Gebäudes erhielt ich zielgenau meinen dropbag. Vor Eintritt checkte ich noch einmal die Rennzeit. 6:52 h für knapp 40 Kilometer. Das wars, was ich nicht geträumt hatte. Ich war immer noch in der Anfangspace unterwegs. Trotz der weggeworfenen 3 Kilometer vom Aufstieg zu „The Rock“. „Yes!“ rief meine innere Stimme.

Fast perfekt

Wie auch bereits im vergangenen Jahr ist das Gebäude zu kleine für die vielen Funktionen. Master-VP, Umkleidebereich, in diesem Jahr noch viele Massageliegen. Ich schnappte mir einen Stuhl, hockte mich in den Massagebereich, den einzig freien für die angestrebte Verwüstung.

Ab nach Hause

Mein dropbag lag nun ausgebreitet vor mir. Die alten Schuhe blieben gleich hier. An den Sohlen war nichts mehr zu retten. Die Socken wurden gewechselt, nicht ohne vorher die Füße zu trocknen. Diesmal hatte ich auch an das entsprechende Fußläppchen gedacht. Sachentechnisch behielt ich alles an. Nur die CALFs wurden gegen leichtere Kompressionssocken getauscht.

Da liegt der Kram. Alles, was den Rest erträglicher macht.

Die neuen Schuhe fühlten sich … ??? … neu an. Ich würde mich dran gewöhnen. Müssen. Nach geschätzten 25 Minuten verließ ich mit frischem Wasser das Gebäude. Gegessen hatte ich nix. Im Gebäude hatte die Fenix noch einen km zusammengezählt. Die Schwäche hat das Teil schon von Anbeginn an, liebe Entwickler.

Mit ein paar flotten Sprüchen, die erwidert wurde, machte ich mich froh gelaunt auf den Weiterweg. 7:12 h Laufzeit zeigte die Fenix an, als ich das Gebäude verließ. Die Sonne schien ohne Unterlass, sie drückte aber nicht. Es war angenehm. Wieder schaltete ich die Uhr in den Höhenmessermodus. In direkter Linie geht es anfangs auf den „Pico de las Nieves“, den höchsten Punkt der Insel, hinauf. Ich kannte nun den Weg und war schon schlimmeres hochgestiefelt. Ich glaube, man geht hier 250 hm auf 1 km. Also da zieht’s an der Achillessehne. Ja, ich spürte sie deutlich nach dem Schuhwechsel. Aber es würde vergehen, wie es immer vergeht. Pausen sind eben nicht immer optimal. Es ging recht schnell, bis ich die Fahrstraße erreichte. Ein bissl joggen für die Galerie, rum geslalomt 😉 um die bunten Hütchen am Scanpunkt und schon ging es wieder hinunter. Nur hinunter. An die 10 Kilometer zum nächsten Verpflegungspunkt in Tunte.

Der Megadownhill.

Im letzten Jahr hatte mich hier die komplett blutende Nase ausgebremst. Zeichen! Dies sollte in diesem Jahr nicht wieder passiert. Ich joggte in lockerer Pace durch den Wald, hüpfte über die Steine. Ein wirklich tolles Stück. Zwischendurch kam mir noch Gediminas Grinius entgegen und motivierter jeden einzelnen Läufer. Ein großartiger Sportsmann! Thanks. Ich war weiterhin im Sturzflug. War bisher noch nicht einmal gestolpert und irgendwo hängen geblieben. Ich war offensichtlich bei der Sache. Immer wieder rechnete ich meine Zielzeit hoch. Es wurde gruselig, denn ich war mittlerweile bei einer 14h++ Zeit angelangt. Das wären drei Stunden über Plan? Irgendetwas musste noch passieren. So konnte es doch nicht laufen? Der gepflasterte Abstieg zum Cruz Grande wurde erreicht. Hier sieht man, wer Spaß bei Steinhopsing hat. Schnell ein Foto. Es war ein Weitblick sondergleichen. Herrlich. Nee. IPhone einpacken. Ein Sturz hier, das war’s für das Ding.

Die Sonne schafft es noch

Berg

Ich komme auch gleich

Perfektes Terrain – nur noch geil – ich war im flow

 

Aber ich hatte gar nicht vor zu stürzen. Stattdessen war ich sammeln. Ich flog nur so über die Steine. Es lief perfekt. Nichts tat wie, ich bekomme die Knie hoch. Federte gut auf dem losen Gestein. Schnell, viel zu schnell war das erste Teilstück erreicht. Vom Cruz Grande sind es wohl noch 3,xx km bis zum VP. Der Weg nun kultivierter. Nur noch festgewachsene Steine. Eine Art gemauerter Plattenweg aus Naturstein. Immer mal unterbrochen durch ein bissl Kieselweg. Im letzten Jahr schaltete ich hier bereits in den Nachtmodus. 30 km vor dem Ziel. Kurz vorm Ort, dann das „30 to go“, Schild. Alle 5 Kilometer wurde die Distanz so ausgeschildert.

Wir erreichten den Ort. Recht steil geht es auf Asphalt durch das kleine Bergdorf. Umgeben von einer traumhaften Bergkulisse, die ihresgleichen sucht. Bis Maspalomas kannst Du von hier sehen. Der VP im Ort, wie auch im letzten Jahr, bis zur Perfektion gesteilt. Sogar einen eigenen Moderator gibt es hier, der viele begrüßt. Schnell waren meine Wasservorräte aufgefüllt. Drei Orangenviertel saugte ich noch aus, bevor es weiterging. Ein kleines Tänzchen noch vorm weiterlaufen und ein Grazias für den wunderschönen Mentalpunkt.

Nun war es nur noch ein Katzensprung. Auch hier war der VP direkt an der Kirche mit Uhr. Hähhh. 15;00 Uhr. Was war das denn für eine Zeit. Ich konnte unmöglich so schnell bis hierhergelaufen sein. Das bedeutet ja, 13 Stunden irgendwas im Ziel. Ich sann ewig drüber nach, während ich mich auf der steilen Dorfstraße aus dem Dorf heraus hikte. Ich rechnete laut, immer und immer wieder. Ich joggte die kleinsten Anstiege hoch. Das konnte ich sein. Ich, irgendwas stimmt hier nicht. Ich schaltete meine Uhr in den Gesamtüberblick. Ahhh es war 16:06 Uhr. Die Uhr ging falsch. Ich war beruhigt. Manchmal ist man ja so neben sich, dass man die einfachsten Rechenaufgaben nicht mehr gelöst kriegt. Deshalb haben wir ja alle Uhren 😉

Die Talsperre ist das nächste Ziel

Meine funktionierte tadellos. Das Aufladen am dropbag hatte geholfen und ihr noch einmal 20% Energie verliehen. Ich hatte also jetzt knapp 2 Stunden Zeit, nach Ayagaures zu kommen. Hier wollte ich in meinen kühnsten Träumen, bei km 21 ersonnen, um 18000 ankommen. Das wäre der Traum. Dann schaffe ich eine 14h Zeit. Ich hätte dann für die restlichen 18 km noch 3 Stunden Zeit. Der Geröll-Barranco hat es in sich und es würde dunkel sein, wenn ich über die faustgroßen Kiesel gehen muss. Den Abstieg noch bei Tageslicht, das wäre das Größte.

Zunächst aber ging es einen Kieselweg nach oben. Noch mal 250 hm hochkraxeln, um anschließend das Tal zu wechseln. Ich rannte, wo ich konnte. Teils technisch anspruchsvolle Passagen ließen ein laufen nur bedingt zu. Ich musste im Schnitt 9-10 min/km machen, dann würde ich das Ziel schaffen. Es lief gut an. Der Aufstieg klappte zügig. Als dann der höchste Punkt erreicht immer noch Tageslicht vom Feinsten, das tief- und Weitblicke über die Insel möglich machte.

Schnell war auch wieder das Iphone zur Hand. Wer hier nicht fotografiert, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Mir war zu helfen. Wir liefen Anfang auf kieseligem Fahrweg. Irgendwie hatte ich das aus der Nacht im letzten Jahr anders in Erinnerung. O.K. Genauso. Wie wechselten auf Single Trail. Gefährlichen. Denn Mann kann stellenweise richtig gut laufen, muss aber auf die kleinen Schikanen aus losen Gestein und Felsbrocken achtgeben. Ich joggte und gab acht im Wechsel.

Immer wieder sooo schön

Irgendetwas war mit meinen Händen. Sicher auch nicht so einfach für sie, die ganze Zeit mit den Stöcken zu hantieren. Denn vom Start an hatte ich sie nicht mehr aus den Händen gelegt. Mir waren die Hände eingeschlafen. Das war schlecht. Wieso pennen jetzt die Griffel? Ich konnte das gar nicht glauben. An beiden Daumen und beiden Zeigefingern war es am Schlimmsten. Hatte ich so etwas schon einmal erlebt? Ich kramte in meinem Langzeitspeicher. Die Augen immer auf die kleinen Schikanen gerichtet. Mir fiel nix ein. Ich musste das beobachten und gleichzeitig nach einer Lösung suchen. Das Blut kommt nicht mehr bis in die Hände? Schleckt. Zu wenig Energie im Körper. Getrunken hatte ich mehr, als ich es sonst tue. Dafür verzichtete ich auf die Salztabletten. Die Mineralien sollten reichen, die ich jeder neuen Trinkflasche mit Wasser beifügte

Wenn dir plötzlich die Hände den Dienst versagen,

biste wirklich erstmal ratlos. Hände hoch, kann nicht gut sein. Bei km 61 spürte ich das deutlich. Hände runter halt auch nicht. Nicht mehr laufen, sondern gehen. Das kann es doch nicht sein. Bei km 62 keine Veränderung, auch nicht zum negativen. GELs tun immer gut. Also erst einmal zwei in den Mund genommen. Ich konnte sie kaum in mir behalten. Puhh. Das war nicht lecker. Aber ich schaffte es, zu schlucken. Ich musste es. Meine Hände zum Leben erwecken.

Immer wieder eine Überraschung. Bei Kilometer 64 schien es irgendwie besser zu werden. Ich hatte die Uhr immer noch in Gesamtansicht. Wir näherten uns Ayagaures. Nach meiner Rechnung musste es bei km 66 soweit sein. Der Ortsrand wird erreicht. Erste Häuser kommen in Sicht. Zwei Kilometer vorm VP gab es hier im letzten Jahr erste nächtliche Anfeuerungen. In diesem Jahr musste der kanarische Landwirt noch arbeiten. Keine Anfeuerung. Dafür alles bei Tageslicht zu bestaunen. Wir überquerten eine Staumauer. Traumhaft. Hier war ich noch nie. Tageslicht macht es einfach erlebbar. Herrlich. Ich konnte die zweite Staumauer sehen, die wir zum finalen Anstieg überqueren sollten. Kilometer 64 zeigte die Uhr. Nicht mal mehr ein Halber.

Nur noch knapp 20

Das letzte Stück zum Ortskern liefen wir auf Asphalt. Leicht ansteigend. Egal. Gut lauf bar. Anwohner oder Bodencrew, schlecht zu identifizieren, feuerte an. Ich sah den Anstieg bereits. Einige Läufer wollten gleich durchlaufen. Nein, sie wurden erst zum Messpunkt geschickt.

Ich kannte das Procedere. Ein- und Auslauf zum VP auch getrennt. Jetzt wurde sich tot gemessen 😉 Alles war auf den Beinen, um uns leckeres zuzubereiten. Sogar eine Paella wurde gekocht. Der Riesentiegel reichte für gaaanz viele hungrige Trailrunnermäuler. Ich war schon wieder völlig getunnelt, als ich um 17:58 Uhr einlief. Unglaublich. Was war denn da heute los. Es lief einfach. Jetzt wollte ich es wissen. Das Ziel hieß nun unter 14 Stunden zu bleiben. Wenn alles nach Plan läuft 13:56 Stunden. Aber was ist schon ein Plan.

Erst mal schnell wieder weg hier. Die meiste Zeit wird beim Futtern verbummelt. Das kannste auch unterwegs. Ich war im Ziel Mode. Ich wollte es wissen. 6 km/h für die letzten 18 km und ein bissl Asphaltrennen ist auch noch dabei. Und es sollte noch 90 Minuten hell sein. Den Abstieg in die Geröllausstellung sollte ich bei Tageslicht schaffen. Der Anstieg zu steil zu laufen, ich musste es auch nicht. Lediglich 9-0 min/km und es war ausreichend.

Der VP sah mich nur zum Wasser auffüllen. Nichts, was mein Herz erwärmen konnte, lag in den Auslagen. Schnell noch ein GEL! Nein ich heb mir die letzten zwei für den Steingarten auf. Das brauch ich Abwechslung. Schnell hatte ich einen Magneten ausgemacht, an den ich mich heften konnte. Es ging zügig. Ich musste mächtig drücken, um dran zu bleiben. Das laute Gefasel ging wieder los. Mein letztes probates Mittel der Motivation. Ja, es klappte. Es gab viel zu loben. War eh, egal, was ich faselte. Deutsch verstand hier keiner. Hoffe ich 😉

Am Scheitelpunkt des Anstiegs gab’s dann noch ein schnelles Foto der Rennfotografen. Hmm. Auf ner Kieselpiste. Das Motiv hätte noch nicht mal ich gewählt. 😉 Egal. Zeit, ein wenig zu joggen. Ich schaffte die 10 min/km nicht bei jedem Kilometer. Es musste gerannt werden. Und das wurde es. Endlich ging es in das Tal hinab. Endlos zog sich der Web. Von hier oben waren es 12 km bis zu meinem Hotel. Also 13 bis ins Ziel. Ich rechnete schon wieder rum. Joggte aber dabei. Egal ich kriegte es nicht zusammen. Einfach 8 min/km rennen und es wird schon irgendwie passen. Und ich rannte. Ich musste. 13:59 h klangen zu verlockend. Hammer.

Ich war immer noch im Ziel Mode.

Auch war es immer noch taghell, als ich endlich den Barranco de Geröll erreichte. „Yes!“ erschallte es im Tal. Wo war das ganze Geröll? Es lief anfangs ganz ordentlich. Haben die hier aufgeräumt. Hmm. Es lief ganz gut. Immer mal eine kleine Passage mit handballgroßen Steinen. Aber bei Tage besehen durchaus lauf bar. Der Gesamtüberblick war da. Das macht es leicht.

Schneller, als erwartet kam dann doch die Dunkelheit ins Tal. Ich versuchte, so lange wie möglich zu laufen, ohne Beleuchtung. Aber es half nicht. Ich musste anhalten. Kurzer Stopp. Basecap ab, Stirnband auf, Lampe dran. Einschalten!!! Schnell noch zwei GELs in den Mund gedrückt. Das sollte reichen für die letzten 7 vielleicht auch nur sechs Kilometer.

Als hätte jemand einen Schalter ausgeknipst war es Raben Nacht im Steingarten. Die Gerölldichte nahm temporär zu. War mir aber Hupe, ich hatte so viel Zeit herausgelaufen. Konnte mittlerweile mit einer 13;45 h Zielzeit rechnen. „Waaaaaahnsinn“

Ich konnte noch einem Läufer helfen, der den Zeitpunkt der Lampensuchen auf stockdunkel verschoben hatte. 😉 Weiter ging es. Hier war ich vor 2 Tagen. Trotz Dunkelheit erkannte ich die Doppelkurve. Hier ists gleich zu ende. Waaaaas. Ich bin schon durch. Ich glaube es nicht. Erste Lichter kamen in Sicht. Ich erkannte das „Kieswerk“. Die Fahrstraße, die am Beginn des Barrancos zu einer Wohnsiedlung führt. Es war nur noch Kiesel. Meine Lampe wurde in den Dauermode geschalten. Mit 350 Lumen leuchtet man was aus. Ich war raus. Noch einmal links, das rechts auf den Fahrweg. Zuschauer. Klar, ich bin raus. Noch 5 Kilometer bis zum Ziel. Keine Ahnung, wo die Zeit stand. Ich lief nur noch. Jetzt hieß es durchjoggen. Nach meiner Kilometeranzeige musste bei Kilometer 79 der letzte VP kommen. Hier rennste durch und dann noch 4 Kilometer im 7 min/km Tempo. Das scheint machbar. „Das wird der Hammer“. Der Fahrweg zog sich ewig hin. War schmutzig und staubig. Ich merkte es sofort im Hals. Nur noch durch die Nase atmen auf dieser „Dreckspiste“. Hier wohnt Staubischlumpf.

Ich konnte die Brücke, eine Beschallung gab es auch heute dort, sehen, die wir als erstes unterqueren sollten. Anschließend rein ins Bachbett und dann sind wir auch gleich da. Ja, gleich da. Gleich wird immer länger. Noch ne Brücke? O.k. Aber gleich. Endlich war gleich und es ging die Treppen hinauf zum „Parc Sur“. Dem letzten VP vor Ziel.

Beim Überlaufen der Kontrolle gab es kein quittieren. Trailrunner wurde nun komisch und fragte noch mal nach alles gut. Am VP dann wieder das Angebot zum Flaschen auffüllen, Ich lehnte dankend ab. Nein. Brauch nix mehr. „Only finish“

Mein linkes Auge entdeckte Bier. Ich wurde kurz schwach. „No, thanks“. Lächelnd verlies ich „Parc Sur“. Die anderen Lächler mussten noch bleiben.

Wieder ging es hinunter ins Bachbett. Wir liefen und liefen und liefen und merkten gar nicht, dass es gar keine Markierung mehr gab. Über 1 Kilometer ohne ein Fähnlein. Ahhh. Dort oben. Mein „Pacemaker“ wechselte mit mir auf den Fußweg am Runde unseres Laufweges. Nach das ist ja einfach. 😉

Wieder ins Bachbett und wieder raus und wieder …. Etwas viel rein und raus, für mein Empfinden. Aber so ist das eben im Wettkampf. „Parc Sur“ hatte ich Punkt 20 Uhr erreicht. Ein Traum. Habe ich aber erst im Nachhinein gesehen.

Seitdem ich den Steingarten verlassen hatte, checkte ich keine Endzeit mehr.

Das Motto hieß nur noch „Lauf, Forrest, lauf“ Und „Forrest“ lief. Wir erreichten deine Tankstelle. Die kannte ich. Wechselten auf den Fußweg neben einer 4 spurigen Straße. Die kannte ich. Da vorn, links mein Hotel. Noch1,5 oder 2 km. Ich lief. Keiner lief mit. Ich lief allein. War mir Bockwurst. Kommt Jungs, lasst uns gemeinsam. Nein, keiner wollte. Der Zielsprecher schon seit (gefühlt) „Parc Sur“ zu hören.

Der letzte Kreisverkehr. Wir wechselten die Straßenseite. Noch einmal 250 m gen Süden und dann einbiegen auf die lange Gerade in den Zielkanal.

Ich schwenkte. Konnte die „ExpoMeloneras“ vor mir sehen. Noch die große Schleife, dann Zieleinlauf. Schon mal den Laufzwirn richten. Man muss ja schließlich ordentlich … 😉

Zielkanal, ohne Schleife, Zuschauer, Anfeuerungen. Die Stöcke, bereits auf den Fußwegen der Stadt zusammengeschoben, kreisten über meinem Kopf. Nein, ich habe nicht nach der Uhr gesehen. Ich habe viele Zuschauer gesehen. Noch 20 Meter bis zum „Goal“. Arme hoch. Rauf auf die Rampe. Siegerpose. Ich habe fertig. In einer unvorstellbaren Zeit von

13:24 Stunden

war ich im Läuferhimmel angekommen. So einfach geht wunschlos glücklich. Gleich erst mal die Welt mit Infos versorgen. … Ich war sooo durch. Herrlich.

Danke dem Mitkämpfer für das Bild

 

Lehnt euch zurück, genießt es, so wie ich es genossen habe.

 

Ein bissl Statistik, Mann kann sich ja alles schön hinrechnen 😉

Wertung, alter Sack gibts hier: transgrancanaria_2017_classement_advan_M50H. Und die Gesamtwertungkannste hier ansehen: transgrancanaria_2017_classement_advan_scratch

Trailrunning Kanaren advanced – Feinschliff für den MdS 2017

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Wieder sitzt er in den engen Stuhlreihen. Wieder höher, als je ein Mensch klettern kann und wieder wird er verdammt lange Zeit haben, seinem favorisierten Hobby zu frönen.

Das Nagetier fliegt ins finale Trainingslager für das Highlight, was nach dem letzten und nach dem vorletzten und überhaupt kommt.

Die Rede ist von der Vorbereitung auf den „Marathon des Sables“.

Einem Mehrtages-Etappenlauf durch Teile der Sahara Marokkos. Alle Läufer haben sich lange vor dem Start angemeldet, das Budget eines Familienurlaubes, eines besonders guten, investiert um 10 Tage lang, völlig auf sich allein gestellt mit 1200 anderen Läufern aus der ganzen Welt unterwegs zu sein. Sie schlafen in offenen 8-Personen-Zelten in der Wüste. Morgens ums 6 Uhr wird die Behausung abgebaut, um an entfernter Stelle neu errichtet zu werden. Bis die Läufer dort eintreffen werden sie sich etwas zu Essen kochen, sich den Schlaf aus den Augen reiben und die Habseeligkeiten, die sie für die 10 Tage brauchen, in Rucksäcke gepackt haben. Diese werden sie auf Ihren Rücken nehmen und jeden Tag um neun Uhr bei bis zu 40 Grad Celsius, so die optimistischen Aussichten, zum neuen Zeltplatz verbringen. Dorthin zu laufen, zu wandern, zu kriechen, zu finishen. Unterwegs werden sie alle 15 km 1,5 Liter Wasser erhalten und ein paar Salztabletten. Hoffentlich enthält der Wochenrucksack die Wunschleckereien auch für den tagesgestaltenden Lauf. Auch eine Nachtetappe wird die Läufer 2 Tage beschäftigen. Ultra tut gut. Und meistens weh, so dabei. Aber … Ihr kennt es.

Haben sie dann nach Stunden das Ziel erreicht werden wiederum 3 Wasserflaschen gereicht, mit denen der Abend und der nächste Morgen gestaltet werden kann. Brauchst Du mehr, bekommst Du Strafpunkte. Brauchst Du zweimal mehr, darfst Du nach Hause fahren. Thats Marathon des Sables. Was es zu Essen und zu trinken geben wird, hat sich jeder Läufer vorher zuhause überlegt und in kleinen Tagesportionen in den Rucksack, den er am Abend (endlich) nicht mehr auf dem Rücken haben muss, gepackt. Ein Kocher wird aus dem Reisegepäck gekramt und in Gang gesetzt. Fertignahrung heißt das Angebot des Abends. Und wenn die Dunkelheit herein bricht … werden 1200 Wüstenläufer ihrer Schlafsäcke auf den „Teppichen“ im Berberzelt ausbreiten und hoffen, schlafen zu können. Möglichst wenig Steine unter dem Teppich zu haben und morgens sollten die Wunden des Vortages weniger Schmerzen. Die aufgequollenen Füße passen hoffentlich noch in die Schuhe?

Run-Wüstenfeeling-Eat-Wüstenfeeling-Repeat

… So das Motto der internationalen Verrücktheit in der marrokanischen Wüste. Und am Ende wird eine unvergessliche Woche hinter allen Läufern liegen. Erinnerungen, die ich momentan noch nicht greifen, sie mir aber bereits vorstellen kann. Die meisten werden den Lauf mit einer Medaille krönen. Diese Medaille möchte ich. Das finish. Jeden Meter gelaufen sein in dieser einzigartigen Landschaft.

Die Gedanken daran, mehr Vorstellung als realistisch als ich im Dezember 2015 auf den Anmeldebutton des „32. Marathon des Sables 2017″ klickte. Immer noch zweifelnd, als ich die erste (vorerst noch schmerzhafte) Rate an den Veranstalter überwies. Damals.

Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Du Zeit brauchst, Zeit, dieses Rennen vorzubereiten. Ich hätte nicht vermutet, dass es so viel Zeit kostet. Material sichten, recherchieren, testen. Verpflegung zusammenstellen, testen. Drei- bis Viertausend Kilokalorien sollten es für den gefräßigen Trailrunner schon sein. Das ist schwieriger als man glaubt, denn es gibt keine Option. Dann esse ich auswärts gibt es in der Wüste nicht. Was du in der Vorbereitung nicht bedacht hast, das merkst Du dann nach einem langen Lauftag oder erst mehreren. Mann ist keine 30 mehr und auch die 40 sind lange vollendet. Da wirst du umsichtiger, in dieser „menschenfeindlichen“ Umgebung.

Wie macht man möglichst wenig Fehler?

Und so reifte die Entscheidung, der finalen Vorbereitung mehr Zeit einzuräumen, als es die „Rundumsorglosläufe“ erfordern. Schnell entstand ein Plan, schnell wurde er geändert. Allmählich entstand dann das Konzept. Jetzt wird es umgesetzt. Es muss besprochen werden. Mit der Familie, mit dem, der dir die Brötchen bezahlt. Der Arbeitgeber gab sein go für ein „paar“ zusätzliche freie Tage.

Nun geht es also auf die Kanarischen Inseln. Die erste Woche werden wir gemeinsam auf unserer Trauminsel La Palma unterwegs sein. Immer wieder toll, wenn der Partner die Zeit mit dir teilen kann. Leider geht das in diesem Jahr noch weniger als sonst, denn auch die UTMB-Anmeldung wurde positiv beschienen und somit ist der zweite (schon zu kurze) Familienurlaub dem Laufhobby geopfert. Das Leben ist nicht planbar, das Läuferleben schon gar nicht, hast Du solche Events auf dem Schirm. Doch ich werde kürzer treten … vorgenommen ist es schon mal. Mann muss mal pausieren im persönlichen Laufzirkus.

Die Laufwoche auf der Isla Bonita ist eine auf sicherem Gebiet. Seit 2003 fahren wir regelmäßig auf die westlichste Insel im Atlantic. Wir kennen uns aus. Die Steine grüßen beim drüber laufen und bleiben auch liegen, wenn der trailrunner mal falsch drauf tritt 😉 Freunde fürs Leben J

Inselhopping heißt die Devise

Am Sonntag nächster Woche werde ich nach Gran Canaria fliegen, um ein wenig Berg ins Bein zu bekommen. Noch mehr, als es La Palma bieten kann?. Anderes … Bein. Ich hoffe, es wird schön warm werden und ich kann ordentlich schwitzen. Das ist es, was ich von den Kanaren erwarte. Am Ende dieser zweiten Woche werde ich die Insel beim Trans Gran Canaria (advanced) überqueren. Nicht ganz so ausführlich, wie noch im letzten Jahr. Ich spare mir die erste Nacht und damit auch den ersten Marathon. 5 Wochen vor MdS verkraftet mein Körper solch eine Anstrengung nicht mehr so ohne Nebenwirkungen. Leider. Also hieß es vernünftig sein und … Erst nach der Erinnerungsmail durch den Veranstalter, dass die Anmeldung nun zu finalisieren ist, habe ich auf die 82-km-Distanz gewechselt. Schwer, aber vernünftig. Hoffe ich?

In der letzten der drei Wochen fliege ich weiter nach Fuerteventura und werde mir das echte Sandwüstenfeeling holen. Sicher kann man es auch auf Gran Canaria tun und die Dünen von Maspalomas zur Spielwiese machen.

Der Nationalpark südlich von Corralejo erscheint mir aber passender. El Jable heißt der Ort aus dem die Wüstenträume erwachsen. Bereits in 2003 haben wir eine Woche dort verbracht. Undenkbar noch, dass ich mal mit 10 kg auf dem Rücken durch die Dünen laufen werde. Ich hoffe, der TGC lässt mir noch ein wenig Power in den Beinen, die 5 Tage auf der Ziegeninsel trainieren zu können. Ein ambitioniertes Laufprogramm? Ich glaube sinnvoll, um das Leiden in der Sahara so gering als möglich, vor allem aber im Griff zu behalten.

Der Reisekoffer ist voller Equipment. Neue Schuhe, Gamaschen, Fertignahrung. Vieles ist schon getestet und gesetzt, fest, einiges muss noch auf eigene Verträglichkeit geprüft und fixiert werden. Dazu braucht es Zeit. Neben dem Lauftraining, das ja eh ansteht und so angelegt sein muss, dass ich im August endlich einmal rund um den Mont Blanc komme. Den „UTMB“ nach dem Abbruch nach 31 Stunden im letzten Jahr finishen. Ein Spiel auf Messers Schneide. Ich möchte es gewinnen. Ich möchte vieles richtigmachen.

Ich werde berichten, von den Wochen auf den Kanaren. Momentan fliegen wir an der Küste Marokkos entlang. Das Kopfkino ist gerade aktiviert … Man liest sich.